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Schäftlarns Kontakt mit der Ukraine:Freundschaft bahnt sich an

Maria Reitinger will engeren Kontakt zwischen Schäftlarn und Pidkamin. Bürgermeister Ruhdorfer reagiert vorsichtig.

Ingrid Hügenell

Die Kirche Sankt Georg über Hohenschäftlarn

(Foto: Hartmut Pöstges)

Pidkamin hat etwa 2500 Einwohner, eine Internatsschule für schwer hörbehinderte Kinder und ein großes Kloster. Es liegt im Westen der Ukraine, und dass es ins Bewusstsein einiger Schäftlarner gedrungen ist, hat mit der Hörbehinderten-Schule und dem Verein Osteuropahilfe zu tun, der dieser Schule seit Jahren mit Hörgeräten und neuerdings auch mit einer Zahnarztpraxis hilft.

Nun nimmt die Idee Gestalt an, die Orte könnten eine Freundschaft oder sogar Partnerschaft eingehen. Zweite Bürgermeisterin Maria Reitinger ist bei der Osteuropahilfe engagiert und möchte in der Sitzung des Gemeinderats im November den Antrag einbringen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Sie war 2011 in Pidkamin, sieht viele Anknüpfungspunkte und würde gerne weitere Begegnungen organisieren.

Auch hat sie sich bereits erkundigt, wie so etwas in anderen Orten läuft. Pullach etwa hat seit 1990 eine Partnerschaft mit dem Kreis Baryschiwka und der Stadt Beresan. Das Gebiet liegt in der Ukraine, etwa 70 Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew. Die Partnerschaft dient vor allem der Völkerverständigung, es gibt zahlreiche Besuche in beide Richtungen. Einen Jugendaustausch könnte auch Reitinger sich gut vorstellen.

Schäftlarn hat keine Partnerschaften mit anderen Orten. Irgendwie habe sich das bisher nicht ergeben, sagt Bürgermeister Matthias Ruhdorfer. Für ihn ist es wichtig, dass sich die Beziehungen zwischen den Gemeinden als tragfähig erweisen, bevor eine formelle Partnerschaft geschlossen wird. "Man braucht eine Handvoll Leute, die das mit Leben füllen können und wollen." Man dürfe keine Erwartungen wecken, die man nicht erfüllen könne. Die Verwaltung könne eine Partnerschaft nicht organisieren, wohl aber unterstützend tätig sein. Dass man Leute zusammenbringt, damit sie Informationen und Erfahrungen austauschen, hält auch Ruhdorfer für lohnenswert. "Eine tolle Geschichte" seien die Hilfsprojekte, "weil man sieht, was dabei herauskommt".

Wie sich die Beziehungen zu Pidkamin organisieren lassen, ist für Reitinger zunächst nebensächlich. Als erstes möchte sie vom Gemeinderat grünes Licht für ein weiteres Engagement. Dafür brauche man nicht gleich einen Verein gründen oder eine formelle Partnerschaft eingehen. Man müsse den Menschen dort zeigen, dass man Interesse an ihnen habe, sagt sie. "Die sagen uns immer, vergesst uns nicht."

Kleine Orte können erfolgreich Städtefreundschaften schließen, wie das Beispiel Eurasburgs zeigt. Seit Jahrzehnten pflegt die Kommune mit etwa 4300 Einwohnern eine formelle Partnerschaft mit Rybnik, einer polnischen Großstadt westlich von Krakau. "Ich bin ein Kämpfer für diese Partnerschaft, weil ich einen Wert darin sehe", sagt Eurasburgs Bürgermeister Michael Bromberger. Dabei habe er anfangs mit der Partnerschaft nicht viel anfangen können. "Es muss sich jemand darum kümmern, mit innerer Überzeugung", fügt er hinzu. In Eurasburg hält der Arbeitskreis Deutsch-Polnischer Jugend- und Kulturaustausch unter Leitung von Rosemarie Tröscher die Beziehungen aufrecht. Entstanden sind sie aus einem Hilfsprojekt vor bald 30 Jahren.

© SZ vom 24.10.2012
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