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Schäftlarn:Grüne attackieren Ruhdorfer

Die Grünen werfen Bürgermeister Matthias Ruhdorfer Untätigkeit bei der Energiewende vor - und nominieren Christian Lankes als Bürgermeister-Kandidat.

Isabel Meixner

Christian Lankes will erster grüner Bürgermeister in Schäftlarn werden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Grünen wollen mit einer Doppelspitze 2014 die Kommunalwahl für sich entscheiden und den Bürgermeister von Schäftlarn stellen. Bei der Ortsversammlung am Donnerstagabend erklärte Gemeinderat Christian Lankes seine Bereitschaft, als Rathaus-Chef zu kandidieren: "Ich trete an, um das Ding zu gewinnen." Wenngleich er betonte, noch nicht den Wahlkampf eröffnen zu wollen, zeigten sich seine Parteifreunde sogleich angriffslustig. Gemeinderat Gerd Zattler bezeichnete Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) bei der Energiewende als "Trittbrettfahrer" und warf ihm vor, den Umstieg auf erneuerbare Energien nicht voranzutreiben: "Unser Bürgermeister ist der Hund, den man zum Jagen tragen muss." Ulrich Stuke sagte: "Unsere Gemeinde wird gut verwaltet, aber wir haben einen Bürgermeister, der wenig Impetus zeigt."

Lankes übernimmt ab sofort den Fraktionsvorsitz im Gemeinderat. An der Spitze des Ortsverbands bleibt Anton Höck, der wie Kassier Stuke und Schriftführerin Sigrid Seeler im Amt wiedergewählt wurde. Höck, der Ruhdorfer bei der vergangenen Kommunalwahl in der Stichwahl knapp unterlegen war, wollte sich aus persönlichen und beruflichen Gründen nicht mehr als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen. Ob er 2014 auf der Liste stehen wird, ließ er offen. "Du hast gute Chancen, das 2014 zu machen", sagte Höck an Lankes gerichtet und steckte ein ambitioniertes Ziel für die Grünen in Schäftlarn ab: die stärkste Fraktion im Gemeinderat zu werden. Dabei soll unter anderem ein Newsletter helfen. Darin wollen die Grünen künftig nach jeder Sitzung ihre Sicht präsentieren. Der Bürgermeister stelle Abmachungen häufig in anderem Licht dar, sagten Höck und Stuke.

Auf welche Themen er 2014 setzen wird, ließ Christian Lankes offen, der 2008 zunächst als Parteiloser über die Grünen-Liste in den Gemeinderat gewählt wurde: "Ich möchte gut hineinhören, was ihr an Erwartungen an einen Bürgermeisterkandidaten habt." Die Nahversorgung in Hohenschäftlarn werde wieder auf die Agenda kommen, glaubt Lankes, der sich 2010 für einen Dorfladen im Dröscher-Anwesen eingesetzt hatte. Dazu hat er eine klare Meinung: "Wir werden nicht für jeden Ortsteil einen Lebensmittelladen schaffen können." Im Einzelhandel herrsche ein Verdrängungswettbewerb. "Ein Discounter in Hohenschäftlarn gefährdet den Standort in Ebenhausen." Auch Anton Höck sprach sich dagegen aus, sich innerhalb der Gemeinde Konkurrenz zu machen.

Ein paar Themen-Ideen bekamen Christian Lankes und die Grünen an diesem Abend von den 20 Anwesenden noch: Philipp von Hoyos wünscht sich eine nachhaltige Gewerbeförderung und ein Netz an Fuß- und Spazierwegen, Christian von Schmidt beschwerte sich über das hohe Verkehrsaufkommen in der Neufahrner Straße, die Zell mit Hohenschäftlarn verbindet. Der parteifreie Gemeinderat Günther Schütze schlug vor, den neuen Kindergarten zu unterkellern und dort einen Jugendraum einzurichten.

Und die Energiewende? Da forderte Stuke eine Diskussion darüber, den 2014 auslaufenden Strom-Konzessionsvertrag nicht zu verlängern und stattdessen das Stromnetz zu übernehmen. Das Thema sei Ruhdorfer noch nicht angegangen - trotz einer nötigen Vorlaufzeit von drei Jahren. Lankes, glaubt Stuke, würde sich da mehr einsetzen: "Christian hat Ideen und kann Energien freisetzen."

© SZ vom 24.11.2012
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