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Schäftlarn:Behutsamer Umgang mit dem Ortskern

"Filetgrundstücke" im Herzen Hohenschäftlarns: Bauamtsleiter Andreas Porer vor dem Areal mit Villa, für das die Gemeinde nun einen Beubauungsplan erstellen will.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Drei Grundstücke im Zentrum Hohenschäftlarns sind in der Hand eines Eigentümers. Noch ist nicht sicher, was auf ihnen passieren wird. Die Gemeinde will einen Bebauungsplan aufstellen, um das Gesamtbild zu wahren

Von Marie Heßlinger

Wer als Fremder in die Gemeinde Schäftlarn reist, wird sich schwertun, auf Anhieb eine Ortsmitte ausfindig zu machen. Aber natürlich gibt es sie, beispielsweise unterhalb des Kirchberges in Hohenschäftlarn, im Areal um den Imbiss "Currywurscht & Co" herum. Dort ist eine Wiese am Hang, mit Villa, darunter ein Parkplatz an der Starnberger Straße, daneben der Imbiss und das ehemalige Schlachthaus. Die drei Grundstücke haben seit einiger Zeit einen neuen Eigentümer, der sie bebauen möchte. Der Gemeinderat allerdings hat jüngst eine Veränderungssperre für das Areal verlängert.

"Ich hoffe, dass sich die neuen Gebäude bestmöglich in den Ort einfügen werden", sagt Andreas Porer. Seit Juni ist er neuer Bauamtsleiter der Gemeinde. Ein Volljurist, der das Baurecht als seine große Leidenschaft bezeichnet. Die vergangenen acht Jahre arbeitete er in Geretsried, die Stelle in Schäftlarn fand er reizvoll. Jetzt arbeitet er sich in die Akten über die "Filetgrundstücke" in Hohenschäftlarn ein.

Vor rund anderthalb Jahren hat der Eigentümer, dem das Hanggrundstück mit der großen Wiese und der "Selcher-Villa" gehört, zudem die beiden Grundstücke darunter erworben. Damit die Bauvorhaben des Grundstückeigentümers in das Gesamtbild des Ortskerns passen, möchte die Gemeinde seit zwei Jahren einen Bebauungsplan für das Gelände aufstellen.

Die Verhandlungen um die Bauvorhaben auf dem Hanggrundstück begannen bereits vor mehr als vier Jahren. Im Mai 2016 reichte der Eigentümer des südlich der Schmiedgasse gelegenen Hanggrundstücks einen ersten Vorschlag für einen Anbau an der Villa ein sowie für ein Mehrfamilienhaus auf der darunterliegenden Wiese. Dieser Plan "war der Gemeinde zu lebhaft", erinnert sich der Grundstückseigentümer am Telefon, seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Die Gemeinde habe ihm beispielsweise geraten, die "ruhigen Linien" der umliegenden Bauernhäuser in den eigenen Baustil aufzunehmen.

Nach zwei Jahren einigten sich Gemeinderat und Bauherr auf einen Bauplan mit kleinerem Anbau an die Villa. Das Wohnhaus sollte für sechs Familien angelegt werden, drei Stockwerke hoch, mit Tiefgarage und schlichterer Außenwirkung als im ursprünglichen Plan vorgesehen. Im April 2018 erteilte die Gemeinde ihr Einvernehmen, im Juni 2018 erteilte auch das Landratsamt München die Baugenehmigung.

Wenige Monate davor erfuhr der Bauausschuss jedoch, dass der Grundstückseigentümer die beiden darunterliegenden Grundstücke ebenfalls kaufen würde. Auch für die Anbaupläne an der Villa soll es im Nachhinein Veränderungsvorschläge gegeben haben. Deshalb empfahl der Bauausschuss des Gemeinderates im März 2018, einen Bebauungsplan für das gesamte Gelände aufzustellen. Die Gemeinde sollte so mehr Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung der Baupläne haben. "Als Gemeinde hat man schon feinere Steuerungsmöglichkeiten mit Bebauungsplan", sagt Porer.

Im Juli 2018 verhängte der Gemeinderat deshalb eine Veränderungssperre für zwei Jahre. Die Gemeinde hatte zwei Jahre Zeit, einen Bebauungsplan für das Gelände aufzustellen, in dieser Zeit konnte der Bauherr keine neuen Bauvorhaben umsetzen. Der Bau des genehmigten Mehrfamilienhauses hätte beginnen können, doch schien der Eigentümer die weiteren Pläne der Gemeinde abwarten zu wollen.

Der neue Gemeinderat hat diese Veränderungssperre nun um ein weiteres Jahr verlängert. Uneinigkeiten mit dem Grundstückseigentümer, die Wahlen und neues Personal könnten mögliche Gründe für die Verzögerung sein, sagt Porer. Er als neuer Bauamtsleiter ist nun, zusammen mit dem neuen Bürgermeister Christian Fürst und einer neuen Regierungsbaumeisterin, für den Bebauungsplan zuständig. Am vergangenen Donnerstag trafen sich die drei zum ersten Mal, um über das Gelände südlich der Schmiedgasse zu sprechen.

Porer ist sichtlich erfreut über den Vorschlag, über den sie sich dabei unterhielten: Statt die Tiefgaragenzufahrt zum Mehrfamilienhaus wie geplant über die östlich des Hanggrundstücks gelegene Schorner Straße zu legen, könnte sie nun auch über das neu dazugekaufte Parkplatzgrundstück unterhalb des Hanges verlaufen. Das würde den Verkehr in der schmalen Schorner Straße entlasten, hofft Bauamtsleiter Porer. Der Grundstückseigentümer teilt diese Meinung: "Die Zufahrt gegenüber der Bäckerei Valent ist ein bisschen eng", sagt er. Deshalb werde er die Erschließung nun über die Starnberger Straße planen. Mit dem Mehrfamilienhaus wolle er einen Wohnraum für Familien schaffen, der modernen Wohnansprüchen entspreche.

Porer erwähnt die Möglichkeit, dass auf dem aktuellen Parkplatzgelände ein weiteres Wohnhaus entstehen und die ehemalige Schlachterei, rein rechtlich, abgerissen werden könnte. Der Eigentümer selbst sagt, er habe diesbezüglich noch keine eigenen Pläne. Zunächst wolle er die Gespräche mit der Gemeinde abwarten, eine rücksichtsvolle Zusammenarbeit sei ihm wichtig. "Die alte Schlachterei abzureißen, steht aktuell nicht zur Diskussion. Man könnte sie auch herrichten", sagt er. Das Gasthaus Dröscher, vor rund zehn Jahren saniert, solle stehen bleiben. Selbst der Anbau an die Selcher-Villa stehe noch nicht fest. "Uns ist wichtig, dass dieser Ortskern belebt wird und die Strukturen, die da sind, erhalten bleiben", sagt der Besitzer.

Das sagt auch Porer. Der Planungsverband werde darauf achten, dass sich die Neubauten an die historischen Bauten anpassten. Das Gebäude des Getränkemarkts etwa, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, sei denkmalgeschützt.

© SZ vom 15.07.2020

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