Sagen und Legenden:Neue alte Geschichten

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Sagen und Legenden: Gisela Schinzel-Penth bei der Recherche, hier in der Oberherrnhauser Sankt-Vitus-Kirche.

Gisela Schinzel-Penth bei der Recherche, hier in der Oberherrnhauser Sankt-Vitus-Kirche.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Gisela Schinzel-Penth hat ihr Buch über das Tölzer Land und den Isarwinkel erweitert.

Von Stephanie Schwaderer, Bad Tölz/München

Dass die Königsdorfer Kirche nicht in der Einöde Brand gebaut wurde, ist einem Holzknecht zu verdanken. Der Mann, der Balken für das Gotteshaus liefern sollte, hackte sich bei jedem Schlag in den Fuß, obwohl er sonst ein geschickter Handwerker war. Tauben brachten die blutigen Scheite an eben jenen Platz, wo Sankt Laurentius heute thront. Ob dies wahr ist? Darauf kommt es nicht an bei den "Sagen und Legenden um Tölzer Land und Isarwinkel", die Gisela Schinzel-Penth zusammengetragen hat. Ihr geht es darum, alte Geschichten vor dem Vergessen zu bewahren und den Leuten die Umgebung, in der sie leben, näherzubringen. Abendfüllend muss eine Erzählung dazu nicht sein. Die Episode des Königsdorfer Holzknechts ist gerade einmal neun Zeilen lang und findet sich in der vierten und erweiterten Auflage ihres Tölzer Sagen-Buchs, die nun erschienen ist.

Die 75-jährige Münchnerin ist eine leidenschaftliche Sammlerin. Mehr als 2000 Sagen und Legenden hat sie in den vergangenen 55 Jahren zu Papier gebracht und in 14 Büchern publiziert. Angst, dass ihr der Stoff ausgehen könnte, hat sie nicht. "Das wird nie ein Ende haben", sagt sie. Immer wieder riefen Leute sie an und erzählten ihr etwas Neues. Fast 220 Geschichten hat sie in die vierte Auflage zum Tölzer Land und Isarwinkel gepackt, die mit 311 Seiten deutlich dicker ist als die Vorgängerin. Von der Jachenau und Lenggries geht es über Gaißach, Tölz und Dietramszell nach Sachsenkam, Königsdorf, Heilbrunn, Benediktbeuern, Kochel, Schlehdorf, Großweil und Walchensee.

Schinzel-Penth, 1946 in München geboren, hat nach einem Pädagogikstudium einige Jahre als Lehrerin gearbeitet, sich dann aber für ein Leben als freie Schriftstellerin entschieden. Ihr Gebiet sind Märchen, Volkskunde und Heimatforschung. Sie ist mit dem Architekten Heinz Schinzel verheiratet, der zehn Federzeichnungen zu dem Buch beigetragen hat. Ein ausführlicher Kommentar, Ortsangaben sowie historische Anmerkungen und Vergleiche runden die Geschichten ab. Wer sich fragt, wozu eine Gamskugel gut ist oder warum man sich durch einen Schlupfstein zwängen sollte - Gisela Schinzel-Penth weiß Bescheid.

Gisela Schinzel-Penth: "Sagen und Legenden um Tölzer Land und Isarwinkel", 4. erweiterte Auflage, Ambro Lacus Buch- und Bildverlag München, ISBN 3- 921445-44-0, 27,99 Euro

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