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Penzberger Politik:"Man muss einfach groß denken"

Katrin Fügener

Katrin Fügener, die Leiterin der Penzberger Bibliothek, schiebt zusammen mit der VHS-Leiterin Katja Wippermann die Pläne für den Umbau der Penzberger Rathauspassage an.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Penzberger Leiterinnen von Bibliothek und Volkshochschule legen dem Stadtrat einen Zwischenbericht zum Umbau der Rathauspassage vor

Von Arnold Zimprich, Penzberg

Fast eineinhalb Jahre sind seit Beginn der Planungsphase für den Umbau der Penzberger Rathauspassage ins Land gegangen - trotz Pandemie wurde in dieser Zeit Entscheidendes erreicht. "Wir wollen das schon straff halten", sagte Katrin Fügener, die Leiterin der Penzberger Bibliothek, kürzlich, als sie einen Sachstandsbericht im Penzberger Stadtrat abgab. Schließlich soll die Planung des "neuen Herzstücks der Stadt" Anfang 2022 abgeschlossen sein, im Januar nächsten Jahres soll dann eine große Abschlussveranstaltung stattfinden.

Eines war von Beginn an von zentraler Bedeutung: Während der Planungsphase für das "Projekt Wohnzimmer" wurden Wünsche und Anregungen von Penzberger Bürgern berücksichtigt. Rund 1000 Personen brachten Ideen und Vorschläge ein, der Großteil davon über eine Online-Umfrage, die zwischen Februar 2020 und März 2021 stattfand. Ein eigens produziertes Informationsvideo auf Youtube wurde rund 1300 Mal aufgerufen.

Doch was wollen die Penzberger konkret? Die Passage muss einladender gestaltet werden, das attestieren mehr als 90 Prozent der Befragten. Mehr als 80 Prozent gefällt die Passage in ihrem aktuellen Zustand überhaupt nicht. "Es ist auch eine Visitenkarte für die Stadt", betont die Leiterin der Penzberger Volkshochschule, Katja Wippermann. Die Menschen wünschen sich einen Treffpunkt mit Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang, eine ansprechendere Innenausstattung mit viel Grün, offen einsehbare Räume, die kurzfristig nutzbar sind, kulturelles Leben mit Kleinkunst und Kunsthandwerk. Außenflächen sollen gemeinsam mit den umliegenden Geschäften genutzt werden. Auch im Grunde selbstverständliche Dinge wie saubere, ordentliche Toiletten stehen auf der Wunschliste. Wie ein solcher gemeinschaftlicher Aufenthaltsort aussehen kann, zeigen niederländische Städte wie Delft und Gouda. Mit etwa 100 000 respektive 75 000 Einwohnern sind sie jedoch deutlich größer als Penzberg. Fügener und Wippermann möchten die Umgestaltung der Passage gerne zur Optimierung von Stadtbibliothek und Volkshochschule nutzen. "Wir haben ein Hauptproblem, das ist der Platz", sagt Fügener. "Im Vergleich zu anderen Städten im Umkreis ist unsere Bibliothek zwar kleiner, es werden aber mehr Bücher ausgeliehen." Die Bibliotheksbesucher vermissen ihr zufolge weitere Leseecken sowie Flächen zum mobilen Lernen, ungestörten Lesen und Vorlesen. "Ich finde die Stadtbücherei großartig, mir ist es nur manchmal etwas zu eng", zitiert Fügener einen Nutzer. Auch die Barrierefreiheit fehle, Eltern mit Kinderwagen soll der Zugang erleichtert werden. "Es besteht Handlungsbedarf!", appellierte Fügener deshalb kürzlich an rund ein Dutzend Stadträte und Behördenvertreter. VHS-Leiterin Wippermann wünscht sich ebenfalls mehr Platz: "Die Räume sind schwierig für die Volkshochschule." Ursprünglich als Einkaufszentrum geplant, würden die Räume nun quasi umgenutzt. So fehlten Fenster und eine gute Belüftung, besonders das Schallproblem mache VHS-Besuchern, zum Beispiel bei Yogakursen, zu schaffen.

Vom Penzberger Stadtrat erntete Fügeners und Wippermanns Engagement großes Lob. "Das ist ein großer Gewinn für die Stadt", sagte Christian Abt (CSU), der zugleich anregte, einen Zuschuss aus der Städtebauförderung für den Umbau zu beantragen. Auf die Frage, wie weit man denn mit der konkreten Planung sei, antwortete Fügener, dass es bereits eine "grobe Skizzierung" gäbe. Regina Bartusch (SPD) war "das Mitnehmen von allen, die in der Rathauspassage drin sind", wichtig. Kerstin Engel von den Grünen regte an, einen Teil der 700 000 Euro, die von 2022 an im Stadthaushalt für einen Seniorentreff eingeplant sind, für ein entsprechendes Angebot in der Rathauspassage zu nutzen. Auf der anderen Seite befürchtete sie ein Lärmproblem: "Bestimmte Dinge gehen eben nicht, zum Beispiel eine After-Work-Kneipe", antwortete Katrin Fügener.

Rüdiger Kammel (Bürger für Penzberg) mutmaßte, dass Katja Wippermann mit der Volkshochschule auf kurz oder lang der Rathauspassage den Rücken kehren will - die Antwort folgte prompt: "Wir sind zwar ein großer Player, ich halte trotzdem am Standort fest." Auf der anderen Seite sieht auch sie Handlungsbedarf. Katrin Fügener pflichtete ihr bei: "Man muss einfach groß denken, nicht hier irgendwas und dort irgendwas."

Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) will die städtebauliche Förderung im Stadtrat behandeln. Er zeigte sich optimistisch, was die weitere Entwicklung der Rathauspassage angeht. "Den Weg sollte man fortführen und zu einem guten Ergebnis kommen."

© SZ vom 15.05.2021
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