Penzberg:Nach sechs Jahren Baustellen-Drama

Penzberg: In der Josef-Boos-Turnhalle sind alleine 26 Tonnen Stahl verbaut worden, hieß es beim Richtfest.

In der Josef-Boos-Turnhalle sind alleine 26 Tonnen Stahl verbaut worden, hieß es beim Richtfest.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Richtfest an der Josef-Boos-Turnhalle: Trotz vieler Verzögerungen und Kostensteigerungen soll die Sanierung 2022 abgeschlossen sein

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Zum Schulanfang im September 2022 sollen die Sanierungsarbeiten an der Josef-Boos-Turnhalle abgeschlossen sein. So viel Zuversicht muss sein. Jedenfalls geht Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) davon aus, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Beim Richtfest am Mittwoch ließ er die Chronik der Pannen und Kostenmehrungen bei diesem Bauprojekt Revue passieren. Wenn das Vorhaben abgeschlossen ist, habe man aber "eine Halle, die technisch und energetisch auf dem neuesten Stand und optisch modern und atmosphärisch sein wird", sagte er.

Eine lange und vor allem für die Schulen und Sportvereine leidvolle Geschichte steckt hinter der Sanierung der Josef-Boos-Turnhalle. Denn sie müssen seit 2015 auf die Sportstätte verzichten und improvisieren. Seinen Anfang nahm das Drama, als die Halle in jenem Jahr eben zur Asyl-Erstaufnahmeeinrichtung des Landkreises Weilheim-Schongau umfunktioniert wurde. Diese Einrichtung bestand bis März 2016. Nachdem die letzten Bewohner ausgezogen waren, wurden bei der Schadensaufnahme auch bauliche Mängel und schadstoffhaltiges Dämmmaterial entdeckt. Im Frühjahr 2017 wurden diese belasteten Stoffe entfernt. Damit nicht genug: Es wurden weitere Schäden sichtbar. Die Stadt beauftragte daher ein Planungsteam, dass die Halle unter die Lupe nehmen sollte. Ziel war es, die Baumängel zu beseitigen. Doch im August 2017 entschied sich die Stadt anders. Nun sollten die Kosten für eine "ganzheitliche Sanierung" ermittelt werden. Das Ergebnis lag dem Stadtrat Ende Februar 2018 vor. Damals belief sich die Kostenaufstellung auf rund 5,6 Millionen Euro.

Dass diese Summe bei Weitem nicht ausreichen würde, wurde bald deutlich. 2019 gab es eine neue Kostenschätzung nach der Ausschreibung der Generalsanierung. Von 7,8 Millionen Euro war die Rede. Als der Stadtrat beschloss, die Vereinsheime der Kegler und Schützen im Untergeschoss sowie die Sanierung der Außenfassade auch noch in Auftrag zu geben, schossen die Kosten auf gut 9,4 Millionen Euro in die Höhe.

Allerdings war das immer noch nicht das Ende der Fahnenstange. Im Dezember 2019 wurden die Kosten nicht mehr geschätzt, es lag die erste belastbare Berechnung vor. 10,8 Millionen Euro sollten es sein - und eigentlich auch bleiben. Die ersten Arbeiten begannen im Juli 2019 mit der Einrichtung der Baustelle, den Abbrucharbeiten im Inneren und der Sanierung der Bodenplatte sowie der Erneuerung der Dämmung und Abdichtung der Innenräume im Untergeschoss.

Doch es folgte die nächste Hiobsbotschaft: Anfang vergangenen Jahres wurde festgestellt, dass die Bodenplatte der Sanitärbereiche undicht ist. Das zog einen Bauverzug von einem Jahr und eine Kostensteigerung von etwa 790 000 Euro nach sich. Steigende Baupreise und einige weitere Überraschungen auf der Baustelle taten ein Übriges. Nach aktuellem Stand wird die Generalsanierung knapp zwölf Millionen Euro kosten. Gut drei Millionen Euro gibt es an Förderung. Trotz der Mehrkosten hat sich die Sanierung gelohnt. Einen Neubau schätzt die Stadt auf an die 20 Millionen Euro.

"Seit circa einem Jahr sind wir auf einem guten Weg", sagte Bürgermeister Stefan Korpan. Mehr als 80 Prozent der Gewerke sind vergeben. Dass es gut weitergehen solle, wünschte auch Zimmerer Hardi Lenk in seinem Richtspruch. 26 Tonnen Stahl, mehr als 2000 eigens angefertigte Schrauben und 30 Meter lange Binder seien in der Josef-Boos-Halle verbaut worden, sagte er.

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