Ortsumfahrung für Schäftlarn Bäuerlicher Protest auf der Rodungsinsel

Fast alle Landwirte lehnen eine Ortsumfahrung auf ihrer Flur ab. Sie fürchten um ihre Erträge und den Verlust des Naherholungsgebiets. In einem vergleichbaren Fall hat eine Gemeinde den Betroffenen Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt - doch die gibt es in Schäftlarn nicht.

Von Ingrid Hügenell

Die Luftaufnahme von Hohenschäftlarn Richtung Westen zeigt die freien Flächen zwischen Ort und Wald. Sie werden landwirtschaftlich genutzt, dienen aber auch der Naherholung - viele Schäftlarner gehen dort gerne spazieren.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Weil er will, dass endlich eine Umgehungsstraße für Hohenschäftlarn gebaut wird, hat Rupert Doll sich der Bürgerinitiative angeschlossen, die genau das fordert. Bei den anderen Bauern am Ort findet der Landwirt damit wenig Gehör. Bei einer internen Versammlung seien von den 25 anwesenden Landwirten nur drei für die Umfahrung gewesen, sagt er. Nämlich die, die wie Dolls einen Hof mitten in Hohenschäftlarn haben. Die anderen haben alle Grundstücke, die durch die ein oder andere Trasse durchschnitten würden. Diese Flächen wollen sie nicht hergeben.

Die Flur, die landwirtschaftlichen Flächen nördlich des Orts Hohenschäftlarn, ist relativ schmal, sie misst nur etwa 1,2 Kilometer. Im Norden schließt sich Privatwald an, der auch Bannwald ist. Der Hof von Franz Strobl liegt am Hohenschäftlarner Ortsrand, direkt an den Wiesen und Feldern. Ihm gehört dort einiges an Fläche; er lehnt eine Straße dort ab. "Mir geht es um die Flur insgesamt", sagt Strobl. "Schäftlarn ist eine relativ kleine Rodungsinsel. Es geht nicht nur um landwirtschaftliche Flächen, sondern auch um die Naherholung." Eine Straße wäre ein extremer Eingriff in die Flur, und das umso mehr, je näher sie am Ort läge. Denn je näher die Straße an die Siedlung rückt, umso mehr Lärmschutzmaßnahmen müssen ergriffen werden und umso breiter wird die Trasse.

Eine ebenso strikte Gegnerin einer Umfahrung durch die Flur ist Anna Steigenberger, Landwirtin und wie Strobl Gemeinderätin der CSU. Sie baut Gemüse an, genau dort, wo die Umgehungsstraße entstehen soll. "Eine Vielfalt, wie man sie selten noch findet", gebe es auf dem Land nördlich von Hohenschäftlarn, sagt sie: viel Grünland mit Weidebetrieb, Getreideanbau, aber auch Kartoffeläcker und Maisfelder. Ihr gehe es um die Grundbedürfnisse der Menschen, um den Bedarf an Nahrungsmitteln, den die Bauern decken müssten. Wenn man aber immer weniger düngen und spritzen solle und zum anderen weniger Flächen habe, passe das nicht zusammen. "Ich bin für eine überregionale Lösung, schon wegen dem Flächenverbrauch", sagt sie. Schäftlarn müsse mit Baierbrunn und Starnberg sprechen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Und dass München einfach die Lastwägen aussperre, könne ihrer Meinung nach auch nicht sein.

Franz Strobl bewirtschaftet einen der ältesten Bauernhöhe Schäftlarns. Er lehnt eine Zerschneidung der Flur für die Umgehungsstraße strikt ab.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Strobl favorisiert die waldnahe Trasse oder ebenfalls eine überörtliche Lösung mit einer Trasse durch den Privatwald, die vom Gewerbegebiet Schorn nach Baierbrunn führen sollte. Diese Lösung wäre für Schäftlarn allein nicht zu machen. Denn Schorn gehört zu Starnberg, wird aber über Hohenschäftlarn erschlossen. Er setzt auf weitere Gespräche mit Baierbrunn und Starnberg. Eine Delegation des Schäftlarner Gemeinderats solle nach Starnberg und Baierbrunn fahren und mit den dortigen Gemeinderäten sprechen. Strobl glaubt, der Widerstand gegen die große überörtliche Lösung vor allem bei den Bürgermeistern beheimatet ist.

"Wir haben nur eine Chance, wenn Starnberg und Baierbrunn wenigstens a bisserl guten Willen zeigen." Eine weitere Voraussetzung wäre, dass das Schorner Gewerbegebiet bei Oberdill einen Autobahnanschluss bekommt. Das hat die zuständige Autobahndirektion Südbayern schon abgelehnt. Strobl will sich damit aber nicht zufrieden geben. "Man muss nicht immer klein beigeben", sagt er. Eine weitere Schwierigkeit, die die Trasse durch den Privatwald mit sich bringt, ist dem Landwirt auch bewusst: "Es gibt die Angst, dass man so die Türe öffnet für den Südring."

Die Landwirte, so viel ist klar, würden ihre Äcker und Wiesen nur gegen entsprechende Tauschflächen hergeben. Benedikt Pössenbacher, Bürgermeister von Bichl, erinnert sich noch gut, wie die Sache in seinem Heimatort gehandhabt wurde. Dort wurde die Umgehungsstraße im Jahr 2000 eröffnet, und auch dort mussten zahlreiche Bauern Land abtreten. "Das wurde alles einvernehmlich gelöst", sagt Pössenbacher, der damals noch nicht Bürgermeister, sondern selbst betroffener Grundstückseigentümer war. "Das Straßenbauamt hatte schon Jahre vorher Grundstücke angekauft als Tauschflächen."

Damit sieht es in Schäftlarn schlecht aus. "Da ist definitiv gar nichts da", sagt Anna Steigenberger. Dass die Landwirte ihre Flächen eintauschen gegen gleichwertige, wäre gleichwohl eine Option. Das Problem ist aber nicht nur, dass die Gemeinde keine Tauschflächen besitzt, sondern auch, dass es um Schäftlarn herum gar keine geeigneten Flächen mehr gibt. Auch Ausgleichsflächen würden die Sache nicht besser machen, denn es kämen ja keine neuen Flächen hinzu, sagt Strobl. Schon jetzt grenzen die landwirtschaftlichen Flächen nördlich des Orts direkt an den Bannwald.

Dieser genießt im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Flächen einen hohen gesetzlichen Schutz. Strobl findet das nicht ganz richtig. Er sagt: "Momentan denkt keiner darüber nach: Fruchtbarer Ackerboden ist nicht vermehrbar. Wir sollten damit ebenso verantwortlich umgehen wie mit jedem Biotop."

Wie der Forst zur Straße durch den Wald steht: Am Dienstag im nächsten Teil unserer Serie.