Oberland-Werkstätten "Ein sozialer Vorzeigebetrieb"

Das Unternehmen erhält den Nachhaltigkeitspreis Münchner Oberland. Bezirkstagspräsident Josef Mederer würdigt die innovative Arbeit mit behinderten Menschen.

Von Alexandra Vecchiato

Die Oberland-Werkstätten GmbH (OWL) hat den Nachhaltigkeitspreis Münchner Oberland 2016 bekommen. Am Donnerstagabend nahm Geschäftsführer Oliver Gosolits die Auszeichnung im Tölzer Kurhaus entgegen.

Im Juni hatte die Vergabejury der Standortmarketingesellschaft Landkreis Miesbach SMG und des Wirtschaftsforums Oberland sich auf die Preisträger geeinigt. Neben den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen erhält auch der Medizintechnikhersteller OPED GmbH aus Valley den Nachhaltigkeitspreis. Vorgeschlagen wurden die Werkstätten von der Bürgerstiftung Energiewende Oberland.

Die Oberland-Werkstätten betreiben an den Standorten Gaißach, Geretsried, Miesbach und Polling (Landkreis Weilheim-Schongau) Einrichtungen, in denen Menschen mit und ohne erkennbare Behinderungen einen Arbeitsplatz finden. Und das seit mehr als 40 Jahren. Die Mitarbeiter finden nach Abschluss ihrer Schulausbildung je nach ihrer Begabung und ihren Bedürfnissen Jobs in der Metall- oder Holzverarbeitung, in der Küche, Montage oder in der Wäscherei. Im Werksverkauf in Gaißach sind Garten- und Balkonmöbel aus eigener Fertigung erhältlich.

Ein Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung in Gaißach: Hier werden Lochverstärker hergestellt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Eines wollten die Oberland-Werkstätten nie sein: ein Ort, wo die jungen Menschen mit Behinderung ruhiggestellt werden. Vielmehr sollen sie nach dem Prinzip "fördern und fordern" einer sinnvollen, ansprechenden Beschäftigung nachgehen - zum Nutzen der Menschen selbst und im Dienst der Gesellschaft.

In der Begründung der Vergabejury heißt es: "Mit ihrem Engagement für Menschen mit Behinderungen erfüllen die Oberland-Werkstätten nicht nur eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, sondern sind auch ein von vielen Unternehmen geschätzter zuverlässiger Zulieferer und Vertragspartner. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum regionalen Wirtschaftskreislauf und zur regionalen Wertschöpfung." Nachhaltiges Wirtschaften sei für die Oberland-Werkstätten oberstes Ziel und Aufgabe. Dazu sei ein betriebliches Management eingeführt worden, das weit über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehe und regelmäßig nicht nur durch interne Prozess-Audits, sondern auch von einem unabhängigen Prüfinstitut kontrolliert werde. "Dadurch tragen die Oberland-Werkstätten wesentlich zum Umwelt- und Klimaschutz bei und werden auch ihrer Verantwortung für die nächsten Generationen gerecht", heißt es weiter.

Die Oberland-Werkstätten hätten sich seit ihrer Gründung 1973 zu einem modernen, leistungsfähigen und nachhaltig arbeitenden Wirtschaftsunternehmen entwickelt. Sie seien "der Beweis, dass Sozialbetriebe innovative, zukunftsorientierte Unternehmen sind. Soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung gehen bei den OWL Hand in Hand", sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer in seiner Laudatio. Die Werkstätten engagierten sich vorbildlich für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben. So vermittelten sie ihre Mitarbeiter nicht allein auf Außenarbeitsplätze, sondern auch in den ersten Arbeitsmarkt. "Das macht sie zu einem Vorzeigebetrieb in der sozialen Landschaft", sagte Mederer.

Die Preisträger, vertreten durch Oliver Gosolits (4.v.l.), Lambert Wagner (2.v.l.) und Rudi Wirth (3.v.l.); daneben: Alexander Schmid (l.), Josef Mederer (2.v.r.) und Andreas Roß (r.).

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In allen vier Betrieben der Oberland-Werkstätten zusammen arbeiten 750 Frauen und Männer. "Wir freuen uns sehr", sagte Geschäftsführer Gosolits der SZ. Die Auszeichnung gebühre allen Mitarbeitern und sei eine Bestätigung dafür, dass die GmbH den richtigen Weg in punkto Ökologie, Soziales und Ökonomie beschritten habe. Der Nachhaltigkeitspreis sei für ihn aber auch ein Auftrag, diesen Weg fortzuführen. "Wir sind nie am Ziel", sagte Gosolits.