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Nebewirkungen der Pandemie:Tölz engagiert Müll-Polizei

Müll im Park

So sollte es in der Tourismusstadt nicht aussehen.

(Foto: dpa)

In den verdreckten Parks geht nun ein Sicherheitsdienst auf Streife

Von Florian Zick

Die Stadt Bad Tölz will an diesem Wochenende neben Streifen des Ordnungsamts erstmals auch einen privaten Sicherheitsdienst durch die Stadt patrouillieren lassen. Die Corona-bedingte Schließung von Clubs und Diskotheken habe dazu geführt, dass sich die Leute vornehmlich zu Treffen im öffentlichen Raum verabredeten, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Dabei sei es jüngst zu einer Häufung von unangenehmen Nebenfolgen gekommen: Die Parks seien verschmutzt, Anwohner fühlten sich in ihrer Nachtruhe gestört - und auch Vandalismus habe es verstärkt gegeben.

Die Stadt reagiert auf diese Entwicklung nun mit zusätzlichen Kontrollen. "Wir sind da ein wenig in der Zwickmühle", sagt Bürgermeister Ingo Mehner (CSU). Denn zum einen finde er es sehr gut, wenn die Bürger ihre Freizeit in den Parkanlagen und an der Isar genießen. "Wir möchten die herrlichen Tölzer Plätze mit Leben füllen", sagt er. Nur leider mangele es einer Minderheit an Anstand und Rücksichtnahme, so der Bürgermeister. "Dem gilt es, einen Riegel vorzuschieben." Gleichwohl will Mehner aus Bad Tölz keine Law-and-Order-Stadt machen. Das richtige Maß zu finden zwischen Gelassenheit und Einschreiten, sei ein schwieriger Balanceakt, sagt er.

Am Samstag, 22. August, werden nun erstmals zusätzliche Streifen in der Stadt unterwegs sein - auch tagsüber, aber vor allem nachts. Diese sollen in einem ersten Schritt zunächst das Gespräch suchen, um die Menschen für die Einhaltung von Regeln zu sensibilisieren. Lediglich in gravierenden Fällen soll die Polizei zur Unterstützung hinzugezogen werden.

"Nicht verkehrt"

Bürgermeister Mehner hat die Maßnahme ohne Absprache mit dem Stadtrat in die Wege geleitet. "Wir haben in der Vergangenheit aber schon öfter darüber gesprochen", sagt Franz Mayer-Schwendner (Grüne). Schon unter Josef Janker als Rathaus-Chef seien zusätzliche Sicherheitspatrouillen immer mal wieder Thema gewesen. Er halte zwar nichts von einer kommunalen Sicherheitswacht, so Mayer-Schwendner. Aber ein paar Sicherheitskräfte anzuheuern, um bei der aktuellen Lage in den Parks nach dem Rechten sehen zu können, das sei für ihn vollkommen in Ordnung.

Auch Filiz Cetin (SPD) findet den Schritt nachvollziehbar. Sie habe auch beobachtet, dass die Müllberge in den Tölzer Parks zugenommen hätten. Wenn so viele Leute im eigenen Land Urlaub machten wie jetzt in der Corona-Krise, bleibe das leider nicht aus. Das Verhindern von Vandalismus und Ruhestörungen sei zwar immer noch Aufgabe des Ordnungsamts und der Polizei, findet sie. "Aber es ist nicht verkehrt, wenn jetzt ein paar Leute mehr ein Auge auf die Situation haben."

Die Stadt fühlt sich in ihrer Entscheidung bereits vor dem ersten Streifgang des privaten Sicherheitsdiensts bestärkt. Das Zentralparkhaus an der Bockschützstraße steht nämlich schon länger unter verstärkter Beobachtung. Die Verschmutzung sei seitdem zurückgegangen. Durch das Installieren einer Videoüberwachung habe man jüngst zudem einen Fall von Vandalismus aufklären können, so Bürgermeister Mehner. Ein Mann hatte mutwillig einen Kassenautomaten zerstört. Aufgrund der Aufzeichnungen läuft gegen ihn nun ein Strafverfahren.

© SZ vom 22.08.2020 / zif

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