Naturschutz Wohnungsbau für fliegende Säuger

Die Schülerinnen Smilla und Sinja (3. u. 4. v. li.) und Elias (auf der Leiter) bauen mit Politikern und Naturschützern Fledermauskästen auf.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Schüler der Freien Waldorfschule Isartal haben im Werkunterricht sieben Fledermauskästen gefertigt, die sie im Geretsrieder Stadtwald aufhängen

Von Nora Schumann, Geretsried

Einige Insekten sind im Geretsrieder Stadtpark augenscheinlich nicht vom Artensterben bedroht. Blutsaugende Stechmücken piesacken auch in der Mittagshitze jeden, der im Schatten der Bäume Schutz vor der sengenden Sonne sucht. Dabei haben sich Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule Isartal gemeinsam mit ihrem Werklehrer Markus Lutter, der Schulleiterin Michaela Karg, Bürgermeister Michael Müller, sowie Vertretern des Naturschutzes anlässlich eben jenen Themas versammelt: dem Artenschutz auf Geretsrieder Waldflächen.

Die Schüler hätten in ihrem Werkunterricht etwas mit "Wertigkeit" geschaffen, sagt Lehrer Lutter - und zwar sieben Brutkästen für Fledermäuse in städtischen Geretsrieder Wäldern. Das Projekt "Artenschutz in Geretsrieder Waldflächen - die Fledermaus im Fokus" entstand in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), der Interessensgemeinschaft Waldpark und der Stadt Geretsried. Es sei für den Unterricht eine tolle Möglichkeit, um das Bewusstsein für die Umwelt mit etwas Handfestem zu fördern, sagt Markus Lutter, der in den Stadtwald gekommen ist, um die Kästen gemeinsam mit den Schülern aufzuhängen.

Der LBV erforscht seit geraumer Zeit das Feldermausaufkommen in Geretsrieder Wäldern. Die Erkundung habe ergeben, wo bereits Habitate der fliegenden Säugetiere existierten und an welchen Stellen nachzurüsten sei, erklärt Sebastian Schlenz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen. Der LBV hat hierfür sogenannte Batcorder installiert: Geräte, welche die Rufe von Fledermäusen aufzeichnen.

Im Waldpark haben die Vogelschützer innerhalb von vier Nächten 400 Rufe gezählt, darunter die Laute von Bart-, Nord- und Zwergfledermaus. Im Stadtwald seien auch Rufe des großen Abendseglers aufgezeichnet worden, erklärt Walter Wintersberger, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen. Die gesammelten Daten geben Aufschlüsse darüber, an welchen Stellen die von den Schülern gebauten Fledermauskästen am besten aufgehängt werden sollten.

Je nach Fledermausart bevorzugen die Tiere dabei Kästen mit flachem Spalteingang oder runde Höhlenbehausungen, erläutert Wintersberger. Die Stadt Geretsried habe in Zusammenarbeit mit dem LBV bereits dreißig runde Feldermaushöhlen angeschafft, die der Verein anbringt, reinigt und wartet. Die Schüler haben im Werkunterricht ergänzend flache Spaltkästen hergestellt, die beispielsweise von der Zwerg- und der Bartfledermaus bevorzugt werden. Das Holz der Rückwand haben sie aufgeraut, damit die Tiere sich besser einhaken und aufhängen können. "Die Bauanleitung habe ich aus dem Internet", erklärt Werklehrer Lutter. Sebastian Schlenze packt die Leiter und wählt einen großen Baum neben dem Schulhof aus. Der Kasten sollte in drei bis vier Metern Höhe aufgehängt werden, erklärt Kollege Wintersberger. Viel wichtiger als die Höhe sei aber ein "freier Anflug", deshalb dürften die Kästen nicht von Ästen zugewachsen werden. Denn die Fledermäuse lassen sich 30 bis 40 Zentimeter aus ihren Behausungen hinabfallen, bevor sie ihren Flug starten.

Volker Witte, Referent für Umwelt der Stadt Geretsried, freut sich sichtlich, dass die Zusammenarbeit mit der Schule so gut funktioniert hat. "Ich muss euch ganz herzlich danken", sagt er an die Schüler gewandt. Es sei wichtig, dass sich die Jugend bei solchen Themen tatkräftig beteilige. "Und auch die Fledermaus profitiert vom Insektenschutz", sagt Bürgermeister Michael Müller lächelnd mit Blick auf das reichliche Nahrungsangebot an Stechmücken.