Nachhaltig leben in der Region:Umweltschutz und Begegnung

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Nachhaltig leben in der Region: Das Gründerteam des Unverpackt-Ladens in Penzberg (v.l.n.r.) Lena Frommelt, Beatrix Budde, Johanna Bartsch und Evdokia Hatzieleftheriadi.

Das Gründerteam des Unverpackt-Ladens in Penzberg (v.l.n.r.) Lena Frommelt, Beatrix Budde, Johanna Bartsch und Evdokia Hatzieleftheriadi.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Eine Umfrage zeigt großen Bedarf an einem Unverpackt-Laden - möglichst mit Café - in der Stadt. Drei Dutzend Menschen wollen die Gründung vorantreiben. Der Standort ist noch ungewiss.

Von Marie Heßlinger, Penzberg

Etwa 1100 Menschen haben an der Umfrage teilgenommen, jetzt haben die Initiatorinnen sie ausgewertet: 95 Prozent der Teilnehmenden wünschen sich einen Unverpackt-Laden in Penzberg. Mehr als 70 Prozent hätten darin gerne ein Bistro oder Café. Vier Frauen haben sich dafür zusammengetan. Sie wollen ein plastikfreies Lebensmittelgeschäft in Penzberg eröffnen. Das Konzept steht bereits, noch fehlt es aber an geeigneten Räumlichkeiten und Geld.

Evdokia Hatzieleftheriadi hatte die Idee schon länger im Kopf: "Unverpackt und Belebung der Stadt", nennt die 38-Jährige in einer Zoom-Konferenz mit der SZ als Ziel. Im vergangenen Frühling kontaktierte sie daher die Wirtschaftsförderin der Stadt Penzberg. Und diese wiederum startete einen Aufruf in den Zeitungen: Wer Interesse an der Gründung eines Unverpackt-Ladens in Penzberg habe, möge sich doch bitte melden.

Im Juli 2021 trafen sich um die 30 Interessierte - überwiegend Frauen - bei einem digitalen runden Tisch. Ideen wurden ausgetauscht und Aufgaben verteilt. Am 28. Oktober, dem vierten Treffen, wollte Hatzieleftheriadi zu Ergebnis kommen. Sie werde die Runde nicht verlassen, ehe sich ein paar Mitgründerinnen gefunden hätten, sagte sie. Denn alleine, dessen war sich die Pädagogin aus Penzberg sicher, wollte sie das Risiko einer Ladengründung nicht eingehen. Es habe zunächst zögerliche Stille geherrscht, berichtet Hatzieleftheriadi. Sie sei nervös gewesen, wer sich melden würde.

"Hach, ich finde es richtig gut und ich würde auch gerne - aber ich traue mich nicht...", erinnert sich Johanna Bartsch an ihre Gedanken in diesem Moment. "Am Ende habe ich die Hand gehoben." Die 35-Jährige aus Benediktbeuern ist Industriefachwirtin und arbeitet heute als Naturerlebnispädagogin. "Wir wollen hier was für die Region machen", sagt sie. "Nicht nur einen Laden, sondern auch ein Café oder Workshops für Kinder - das ist es, warum ich dafür brenne!"

Auch Beatrix Budde zögerte einen Moment, ehe sie die Hand hob. "Wenn sich zehn auf einmal melden, muss ich nicht mitpreschen", sagte sie sich. Doch nur zwei andere Hände streckten sich in die Luft. "Das hat sich sehr schön gefügt." Budde ist studierte Übersetzerin. Hat aber auch in einem Bioladen und auf einem Campingplatz gearbeitet, außerdem hatte sie bereits in der Vergangenheit ein Café in Penzberg: Das Café Mucapei, "wo man wirklich einfach sitzen und ratschen und einen guten Kaffee trinken konnte", sagt die 61-Jährige. Auch der Unverpackt-Laden solle möglich fußläufig im Zentrum Penzbergs liegen. Es solle ein Treffpunkt für "jedermann, jederfrau" werden, "egal, welche Politik oder Konfession". Budde würde sich auch wünschen, dass Vorträge in dem neuen Café gehalten werden.

Lena Frommelt ist 32 Jahre jünger als Budde. Die 29-Jährige meldete sich für das Unverpackt-Projekt, weil sie Treffpunkte und Cafés, wie jenes von Budde, in ihrer Heimatstadt Penzberg vermisst. "Ich finde, dass die Stadt an Attraktivität verloren hat", sagt die Textillaborantin.

Auf Augenhöhe und mit Respekt seien sie einander begegnet, erzählen die vier Frauen, die sich davor noch nicht kannten. Was sie verbinde, sagen sie, sei nicht nur das Ziel, einen neuen Ort für Begegnungen in der Stadt zu schaffen. Sondern vor allem auch der Wunsch, nicht mehr Teil der Wegwerfgesellschaft zu sein. Privat beschäftigen sie sich schon lange mit Gedanken rund um das Thema Umweltschutz. Nun hat jede von ihnen eine lange Liste mit Aufgaben übernommen, die sie in ihrer Freizeit für einen Unverpackt-Laden in Penzberg erledigen.

Alle zwei Wochen kommen die Gründerinnen zusammen, um sich zu besprechen. Noch gibt es viel Ungeklärtes: Etwa, wie sie sich finanzieren wollen. Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne möglicherweise, oder indem sie eine Genossenschaft gründen. Die vier Frauen haben schließlich ein Team von rund 30 Interessierten, die sich bereit erklärt haben, den Unverpackt-Laden im Hintergrund tatkräftig zu unterstützen. Und rund 1 000 Menschen, die in der Umfrage angaben, sich ein solches Geschäft für Penzberg zu wünschen. Doch die Gründerinnen haben diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen.

Vor der Finanzierung hätten sie am meisten Respekt, sagt Hatzieleftheriadi. Die größte praktische Hürde aber ist die Immobilie: Es muss ein Laden in zentraler Lage in Penzberg frei werden. "Wenn wir jetzt ein Ladenlokal finden würden", sagt Bartsch, "dann würden wir sagen, dass wir in diesem Jahr eröffnen wollen."

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