Münsing:Von Pfarrmatrikeln und stilvollen Villen

Lesezeit: 2 min

Ein Historiker plant mehrbändige, fundierte Buchreihe zur Geschichte Münsings und seiner Ortsteile. Den Anfang soll das Mittelalter machen.

Benjamin Engel

Eine Buchreihe zur Geschichte Münsings samt seiner Ortsteile plant der Historiker Johannes Bernwieser. Das Projekt stellte er bei der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag vor. Zehn bis 15 Jahre will er sich dafür Zeit lassen. Die Gemeinde soll für die mehrbändige Chronik eine Anschubfinanzierung leisten.

Mein Großvater sprach immer nur von Hofnamen, Straßennamen gab es für ihn nicht", sagt Bernwieser, der in Münsing aufgewachsen ist. Er habe fasziniert zugehört, wenn der Großvater von früher erzählte und das alte bäuerliche Leben mit seinen Bräuchen zum Leben erweckte. Das, so sagt er, habe ihm auch den Anstoß für die Buchreihe gegeben.

Ein erster Band könnte sich mit den sogenannten Pfarrmatrikeln Münsings und aller seiner Ortsteile beschäftigen. Matrikelbücher enthalten Personennamen, Tauf-, Hochzeits- und Sterbelisten. Dass diese Bücher mehr als bloße nüchterne Akten sind, zeigte der Historiker, der derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz tätig ist, eindrucksvoll. So lassen sich an den Eintragungen zum Pallaufhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Schicksalsschläge einer ganzen Familie ablesen. Am 12. November 1900 heiratete Johann Lochner die Kölbltochter Maria Strobl. Sie bekamen fünf Kinder, von denen drei kurz nach der Geburt starben.

Weitere Bände könnten sich etwa mit mündlicher Überlieferung und regionalen Bräuchen oder der Architektur der Bauernhöfe und Villen beschäftigen. Auch Veröffentlichungen zur Geschichte der Burschen-, Trachten- und Veteranenvereine, der Blaskapellen oder zum Fremdenverkehr sind laut Bernwieser vorstellbar. Der bäuerlich-ländlichen Kultur am Ostufer des Starnberger Sees will er dabei breiten Raum geben. Am Ende soll eine neue, leicht lesbare Ortsgeschichte vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart stehen.

Das hat sich Bernwieser zum Ziel gesetzt. Ein ambitioniertes Vorhaben, wie er zugibt. "Ein solches Vorhaben lässt sich nicht in drei Jahren bewältigen, sondern wird wohl erst in zehn bis 15 Jahren zu realisieren sein." Das Projekt solle wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, deshalb sei an einen begleitenden wissenschaftlichen Beirat gedacht. Münsinger Bürger, Vereine und Institutionen will er ebenfalls einbinden.

Ich will, dass die Bücher bezahlbar bleiben", sagte Bernwieser. Pro Band müsse mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 5000 bis 6000 Euro gerechnet werden. Zwei Drittel davon könnte die Gemeinde vorschießen, ein Drittel über Drittmittel gedeckt werden. Im Münsinger Pfarrheim soll das Projekt am 12. September näher vorgestellt werden. Bernwieser wird von 20 Uhr an einen Vortrag zum Thema "Gefälscht oder echt? Zu den ältesten urkundlichen Erwähnungen Münsings" halten. Erst danach will der Gemeinderat über das Projekt beraten und entscheiden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB