Mehr als nur Wertstoffe:Treffpunkt Müll

Trotz gelber Tonnen wünschen sich die Ickinger den Fortbestand des Wertstoffhofs - auch, weil man sich dort begegnet.

Von Claudia Koestler

Mehr als nur Wertstoffe: Wohin, wohin nur mit Ästen und Zweigen? Besonders im Herbst ist der Andrang bei der Grüngutentsorgung groß.

Wohin, wohin nur mit Ästen und Zweigen? Besonders im Herbst ist der Andrang bei der Grüngutentsorgung groß.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Derzeit werden sie im ganzen Landkreis ausgeliefert: die gelben Tonnen, die künftig die Abfallentsorgung vereinfachen sollen. Doch in Icking stößt ihre Einführung nicht nur auf Freude, wie am Montag in der Gemeinderatssitzung deutlich wurde. Zum einen monierten einige Gremiumsmitglieder, dass die Leerung der gelben Tonne alle vier Wochen vielen Bürgern nicht genügen werde.

Josef Mock (UBI) etwa "weiß heute schon, dass das nicht langt." Er wollte deshalb wissen, ob und wie eine Kommune die Parameter dafür ändern könnte, so dass sie etwa alle 14 Tage abgeholt werde. Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) aber sah die Gemeinde als falschen Ansprechpartner: "Das bitte direkt mit dem Abfallwirtschaftsunternehmen klären."

Andere störten sich daran, dass für die Einführung der gelben Tonnen die Wertstoffinseln in Dorfen, Walchstadt und Irschenhausen zum Jahreswechsel abgezogen werden. Lediglich die dortigen Glas- und Kleidercontainer bleiben bestehen. Die alternative Möglichkeit, den Verpackungsmüll am Ickinger Wertstoffhof abzugeben, gibt es zudem nur noch während einer Übergangszeit. "Solange man es nach Icking zur Entsorgung fahren kann, ist es ja in Ordnung, wenn auch mehr Aufwand", sagte Mock. "Aber wenn das wegfällt, ist die Gefahr groß, dass der Müll einfach in der falschen Tonne landet", gab er zu bedenken. Auch Christian Mielich (SPD/Grüne) wünschte sich, "dass künftig beides möglich bleiben soll: gelbe Tonne und Abgabe im Wertstoffhof."

Die Abfallentsorgung ist eine Landkreisaufgabe und wird in dessen Auftrag vom Abfallwirtschaftsunternehmen AWU und der WGV Quarzbichl betrieben, hatte Menrad eingangs erklärt. Für die Leerung der neuen gelben Tonnen entstehen keine zusätzlichen Gebühren. Die Anmeldung von Tonnen und der Einzug der Abfallgebühren werden künftig direkt im Bürgerbüro der AWU in Quarzbichl abgewickelt, nicht mehr bei der Gemeinde, wie Menrad erklärte. Menrad rechnet mit einer Übergangszeit von etwa einem Jahr, in der noch weiterhin Leichtverpackungen auch am Wertstoffhof der Gemeinde abgegeben werden können. Nach Ablauf dieser Frist können diese, sofern beispielsweise die gelbe Tonne zuhause nicht ausreicht, nurmehr zu den Wertstoffhöfen in Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz sowie an die Entsorgungszentren in Greiling und Quarzbichl gebracht werden. Am Ickinger Wertstoffhof können Bürger hingegen auch nach Ablauf der Übergangszeit Papier und Pappe, Glas, Grobschrott, Elektronikkleingeräte, Textilien, Schuhe, Batterien, CDs, DVDs, Naturkork, Wachs, Energiesparlampen und LEDs abgeben.

Auch Grüngutabfälle können dort weiterhin entsorgt werden - obwohl sich daraus eine Diskussion über die Zukunft des Ickinger Wertstoffhofs entwickelte. Nach Menrads Ansicht werde der Gemeinderat nämlich auf lange Sicht zu entscheiden haben, ob die Öffnungszeiten des Wertstoffhofs reduziert werden sollen. Das aber sahen viele Räte anders, insbesondere auch wegen des Andrangs bei der Grüngutentsorgung. Bürger und gewerbliche Gärtner kämen sich dort nämlich permanent ins Gehege bei der Abgabe. Es gebe Tage, da herrsche dort "Mord und Totschlag", sagte Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative). Die Gemeinde müsse also vielmehr entscheiden, ob sie dort künftig "ein Hauen und Stechen, Wildwuchs oder eine Linie" wolle, sagte Claudia Roederstein (UBI). Wie zuvor bereits Lisa Häberlein (SPD) plädierte auch sie für eine räumliche Umgestaltung des Wertstoffhofes, so dass es dort künftig mehr Platz für die Grüngutannahme gibt. Zudem brauche es dort mehr Beleuchtung. Gegen eine Reduzierung der Öffnungszeiten argumentierte auch Nipperdey. Der Wertstoffhof sei nämlich auch ein "Kontakthof", ein Treffpunkt der Gemeinde: "Es gibt nur wenige Punkte in Icking, wo man so viele Bürger in so kurzer Zeit auf einem Haufen findet." Wenn dieser nun reduziert werde, "wird etwas fehlen".

© SZ vom 15.11.2017
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