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Bernhard Zink:Unterrichtsziel Inspiration

Vorschlag für Tassilo Preis 2016

Klavier, Klarinette, Saxofon, Kirchenorgel: Auch instrumental ist Bernhard Zink ein Vielseitiger.

(Foto: Pöstges)

Damit seine Schüler Musik fühlen, lässt ich der Geretsrieder Lehrer Bernhard Zink schon mal Ungewöhnliches einfallen.

Mit der Heimorgel der "Mama" fing alles an. Bernhard Zink sagt, er sei wohl fünf oder sechs Jahre alt gewesen, da habe er begonnen, auf dem Instrument zu spielen, das seine Mutter sich nur so zum Spaß angeschafft hatte. Er habe "ein bissl rumprobiert", und das Komponieren sei "damals schon da gewesen". Was in Zinks Worten so beiläufig, fast unbedeutend daherkommt, bedeutet tatsächlich: Er hat als kleines Kind bereits komponiert. Und genau das tut er auch heute - professionell und mit einem fantastisch ansteckenden Enthusiasmus.

Bernhard Zink arbeitet seit zehn Jahren als Musiklehrer am Gymnasium Geretsried. Seit er da ist, hat sich an dieser Schule vieles entfaltet: Neue Ensembles wurden gegründet, Schüler in ihren musikalischen und theatralischen Talenten gefördert - oder überhaupt erst einmal entdeckt, Projekte wurden erarbeitet, Musicals inszeniert. Und vor allem: Jungen Menschen wurde und wird durch Zinks eigene Leidenschaft eben dies vermittelt - Begeisterung für Musik, Hingabe an eine gemeinsame kreative Aufgabe, Lust auf Neues, Freude am Unterricht und noch weit darüber hinaus.

Ungewöhnliche Unterrichtsformen

Zink erzählt, er habe sich schon während des Studiums - Schulmusik und Komposition - immer wieder überlegt, wie er eines Tages seinen Unterricht gestalten könnte. Eine Idee hat er dann sofort verwirklicht: Er hat seine Schüler in ein probendes Orchester hineingesetzt. Zwischen die spielenden Musiker. Damit sie die Musik fühlen, die Energie spüren konnten. Eine originelle Idee und ein großer Erfolg: Bei Bruckners Siebter zum Beispiel neben den Blasinstrumenten zu sitzen - "das hat die weggeföhnt". Sein Kooperationspartner bei dieser wie bei anderen ungewöhnlichen Unterrichtsformen ist Ulrich Nicolai, Leiter des Orchesters an der Hochschule für Musik und Theater München. Dort ist Zink selbst auch Dozent im Fach Schulpraktisches Klavierspiel.

Außerdem arbeitet er freiberuflich als Komponist, schreibt Musik für Sprechtheater, Lesungen und Improvisationen, für Chorleiter, Orchesterleiter, Solisten und Musikstudenten. Und natürlich für seine Schüler am "Gym Ger". Auch das begann mit einem eigenwilligen Projekt. Er komponierte "ein Stück für ein Orchester, das es noch nicht gab". Dafür ließ er die ganze Schule abstimmen, und jeder durfte mitspielen, egal auf welchem Instrument.

Die Geburtsstunde des Jugendsymphonieorchesters

Die jungen Leute gaben die Anregungen: Melodien, Filmmusik, Rocksongs, die der Musiklehrer zu einer neuen, eigenen Komposition verarbeitete. Die Bigband - das einzige Ensemble, das vor Zink existiert hatte - war dabei und dazu alle möglichen Instrumente, von Streichern, Blockflöten, Akkordeons bis zum Didgeridoo. Ein 80 Personen starkes Orchester, das seine erste Uraufführung gab: ein Concerto in a-moll. Das Jugendsymphonieorchester am Gymnasium Geretsried war geboren.

Dann das erste Musical: "Peter Pan". Mehr als 150 Beteiligte, das ganze Kollegium sei eine starke Hilfe gewesen, sagt der komponierende Lehrer, neue Arbeitsgemeinschaften formierten sich, AG Schminken und AG Bühnenbild, die einen kümmerten sich um Beleuchtung, die anderen um Kostüme, es gab ein eigenes Praxis-Seminar "Eventmanagement". Kurz: "Die Schule hat gemerkt, was sie kann", sagt Zink. "Peter Pan hängt bis heute in den Köpfen." Nach Peter Pan kam "F.Aust", nach F.Aust das Projekt "Wie klingt Geschichte?" in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk und einem der Dachauer Gymnasien. Dann "Kabale und Liebe 2.0" und vergangene Woche die Uraufführung des Musicals "Sternensurfer".

Zink ist verheiratet und hat ein dreijähriges Zwillingspärchen. Seiner Familie zuliebe schwört er, nächstes Jahr nicht wieder so einen kreativen Kraftakt hinzulegen. Wer in älteren Zeitungsartikeln nachliest, erfährt freilich, dass er dergleichen schon früher angekündigt hat. Zink gibt auch zu, man könne schon "süchtig werden" nach diesem Erlebnis, das er das Berührendste an seinem Wirken nennt: "Die Arbeit mit diesen jungen Leuten, die so unglaublich begeistert sind, das ist ein ständiges Geben und Nehmen, man wird inspiriert, da sind Leute, die wollen etwas, tolle Menschen."

Unter den Schülern hat er den Funken entzündet

Er weiß zwar, dass er es ist, der diesen Funken unter seinen Schülerinnen und Schülern entzündet hat. Er - der Geschichtenerzähler, der "meistens mehrere Stoffe gleichzeitig im Kopf hat"; der passionierte Leser ("Einmal lagen auf meinem Nachttisch nebeneinander 'Krieg und Frieden' und der neueste Stephen King"); der unersättliche Filme-Gucker ("Ich bin ein Nerd, ich schaue alles, vom polnischen Kunstfilm bis zum Hollywood-Blockbuster"), der Komponist, der Impro-Theaterspieler . . . Aber in den Vordergrund stellen möchte er sich auf keinen Fall, und das wirkt nicht kokett.

Man konnte das erleben, als der "Sternensurfer" ein zweites und damit letztes Mal über die Bühne des Geretsrieder Gymnasiums gegangen war. Die Herzlichkeit, mit der Bernhard Zink da zum Abschied seinen Schülern dankte und sie ihm - eine solch wunderbare Verbundenheit hätte man in den eigenen Schulzeiten gern erlebt gehabt.

© SZ vom 25.04.2016
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