Konzert in der Loisachhalle Gewagtes Programm

Die "Neue Philharmonie München" erarbeitet unter der Leitung von Fuad Ibrahimov unter anderem "Don Juan" und "Til Eulenspiegel" von Richard Strauss

Von Paul Schäufele, Wolfratshausen

Wer je einen Blick in eine Partitur aus der Feder von Richard Strauss geworfen hat, der hat feststellen müssen: Da ist viel Schwarz auf wenig Weiß, von Ferne kann das an Rorschachsche Formdeuteversuche erinnern. Mit anderen Worten - Hut ab, wer sich an diese Notenmonstrositäten heranwagt. Hut ab also vor der Neuen Philharmonie München, das junge Orchester hat sich einmal mehr ehrgeizige Ziele gesteckt. Unter der Leitung des jungen aserbaidschanischen Dirigenten Fuad Ibrahimov bringt es am Freitag, 28. September, von 20 Uhr an romantische Großwerke in die Wolfratshauser Loisachhalle: die Tondichtungen "Don Juan" und "Till Eulenspiegel" von Richard Strauss, das Hornkonzert seines Vaters Franz Strauss sowie Brahms' Doppelkonzert für Violine und Violoncello.

Die Neue Philharmonie München wurde 2005 gegründet, um jungen Musikerinnen und Musikern im Alter von 18 bis 30 Jahren die Möglichkeit zu geben, Orchestererfahrung zu sammeln. Für viele der begabten Jungmusiker wird das auch eine Berufsperspektive sein. Entsprechend begehrt sind die Plätze in dem Projektorchester, das sich während seines dreizehnjährigen Bestehens zu einem der gefragtesten Studentenorchester Deutschlands entwickelt hat. Zusätzlichen Anreiz bieten die Konzerte in Spitzensälen des In- und Auslands sowie die Möglichkeit, mit international renommierten Solistinnen und Solisten zusammenzuarbeiten, so zuletzt mit Gilles Apap, den Yehudi Menuhin den "exemplarischen Geiger des 21. Jahrhunderts" genannt hat. Als Solistin für das kommende Konzert in Wolfratshausen konnte Elisabeth Kropfitsch gewonnen werden, Professorin für Violine an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Sie springt damit für die kurzfristig erkrankte Maria Solozobova ein. In Brahms spätem Doppelkonzert a-Moll op. 102 findet sie ihren Gegenpart in der koreanischen Cellistin Meehae Ryo. Gleich ihr erstes Album veröffentlichte sie bei der Deutschen Grammophon.

Fuad Ibrahimov ist seit 2014 Chefdirigent der Neuen Philharmonie München.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei allem Staraufgebot verliert die Neue Philharmonie ihre Wurzeln nicht aus dem Blick. Sie ist entstanden aus der Musikwerkstatt Jugend und nach wie vor geht es vor allem darum, junge Talente zu fördern. Den Solopart des Hornkonzerts übernimmt beispielsweise der junge portugiesische Hornist César Nunes, geboren 1992. Und nicht zuletzt die Probenarbeit selbst ist eine große Chance. Zehn Tage lang haben die Jungmusikerinnen und -musiker Gelegenheit, mit erfahrenen Dozenten - darunter etwa Florian Sonnleitner und Jürgen Weber vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - das Orchesterspiel zu verfeinern. In täglichen mehrstündigen Proben, zunächst in den Stimmgruppen, dann im Orchester, wird an der Interpretation gefeilt.

"Der Anspruch bleibt: nicht nur Orchesterbetrieb, sondern vor allem Ausbildung", sagt Franz Deutsch, Leiter der Musikwerkstatt Jugend. Ziel ist es, Kenntnisse zu vermitteln, mit denen die angehenden Profimusiker bei zukünftigen Probespielen bestehen können. Kein Wunder, dass hier unter potenziellen Teilnehmern ausgewählt werden muss. Wer an dieser zehntägigen Orchesterakademie (in Pielenhofen) und den anschließenden Konzerten teilnehmen möchte, hat einen Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Dazu gehört die Aufnahme eines Probespielvideos mit anspruchsvollem Pflichtprogramm für das jeweilige Orchesterinstrument. Von 190 Bewerbern haben es 83 Teilnehmer aus 15 Ländern ins Orchester geschafft. Das war nicht immer so: "Früher haben wir rekrutieren müssen, heute dürfen wir auswählen", sagt Deutsch. Die Konzerte, dieses Mal in Wolfratshausen, Fürstenfeldbruck und im Münchner Herkulessaal, haben ihren Teil dazu beigetragen.

Unter Ibrahimovs Leitung wird in der Wolfratshauser Loisachhalle romantisches Kernrepertoire zu hören sein.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Dass die Neue Philharmonie München auf diesem Niveau arbeiten kann, hängt vom Engagement vieler Helfer ab. Der Großteil des finanziellen Aufwands wird von Sponsoren gestemmt. Dabei sei es immer schwieriger, diese zu finden, sagt Deutsch. Auch bei der Unterbringung des Orchesters an den Spielorten müsse man sich auf private Gastgeber verlassen - und nach Unterkünften in Wolfratshausen von Freitag auf Samstag wird noch gesucht. Wer einen Abend mit anspruchsvoller, auf hohem Niveau musizierter Musik verbringen möchte, melde sich - Gastgeber bekommen eine Freikarte.