Vereidigung in Kochel:Jens Müller will "Reset-Knopf" drücken

Vereidigung in Kochel: Jens Müller (rechts) wurde in der Sitzung des Gemeinderats von Stellvertreter Thomas Eberl als neuer Bürgermeister von Kochel vereidigt.

Jens Müller (rechts) wurde in der Sitzung des Gemeinderats von Stellvertreter Thomas Eberl als neuer Bürgermeister von Kochel vereidigt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der neue Bürgermeister von der UWK legt den Amtseid ab und will nun für alle Kochler da sein. Die Diskussionskultur im Gemeinderat soll verbessert werden.

Von Petra Schneider, Kochel am See

Mit 60,2 Prozent hat Jens Müller von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Kochel (UWK) am vergangenen Sonntag die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters gegen Rosi Marksteiner (Mitte) gewonnen. Ein deutlicher Sieg für den 55 Jahre alten Juristen und gebürtigen Heidelberger, der nun in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend vereidigt wurde. Damit endet auch eine Ära: Die CSU hat nach Jahrzehnten den Posten des Rathauschefs im Kochel verloren. Das war bereits nach dem ersten Wahlgang klar, bei dem ihr Kandidat Thomas Bacher ausschied.

Im Gemeinderat, dem 16 Mitglieder angehören, bleiben die Christsozialen mit fünf Sitzen allerdings stärkste Fraktion. Eine Änderung ergibt sich für die UWK: Weil Müller nun Bürgermeister ist, rückt für ihn Maria Bäck im Gemeinderat nach. Die gelernte Steuerfachangestellte, die das familieneigene "Hotel Waltraud" in Kochel führt und Mutter von drei Kindern ist, wird erst in der Sitzung im Februar vereidigt. Sie hatte bei der Kommunalwahl vor vier Jahren 561 Stimmen bekommen und sei "die nächste auf der UWK-Liste", sagt Müller. Vorerst keine Veränderung gibt es bei den Bürgermeister-Stellvertretern. Bis zur Kommunalwahl 2026 bleibt Thomas Eberl (UWK) Zweiter Bürgermeister, Veronika Lautenbacher (CSU) Dritte Bürgermeisterin. Zumindest in den kommenden beiden Jahren stellt die UWK damit den Ersten und den Zweiten Bürgermeister.

Der Wahlkampf, der "sehr freundlich" verlaufen sei, sei vorbei, sagt Müller. Jetzt gehe es darum, den "Reset-Knopf" zu drücken und ein Bürgermeister für alle zu sein, auch für jene, "die mich nicht gewählt haben." Damit das gelingt, will er die Diskussionskultur im Gemeinderat verbessern. "Dafür bin ich angetreten", sagt Müller. Bereits in den vergangenen Wochen sei mehr Ruhe eingekehrt, und das sei wichtig, "denn es muss um die Sache gehen". Seiner Ansicht nach werde das Potenzial der gemeindlichen Referenten, die es etwa für die Bereiche Jugend und Senioren gebe, zu wenig ausgeschöpft. Müller will sie stärker einbinden und in den Sitzungen nicht nur Tagesordnungspunkte abarbeiten, sondern auch allgemein über Themen sprechen. Der Gemeinderat solle so zu einer "Ideenschmiede" werden.

Konkrete Projekte, die er zuerst anpacken will, kann der neue Bürgermeister noch nicht nennen. Er müsse sich jetzt erst einmal einarbeiten und verweist auf die "berühmten 100 Tage", die man neuen Amtsinhabern zugestehe. Viele seiner Pläne ließen sich ohnehin nicht kurzfristig umsetzen, "da muss man drauf hinarbeiten." Wenn es um Themen wie Kreisel, Tageskurbeitrag oder Tiny Houses gehe, seien Gespräche mit übergeordneten Behörden nötig, finanzielle Abwägungen und die Eruierung des tatsächlichen Bedarfs. Die Zusammenarbeit mit Schlehdorf, das mit Kochel eine Verwaltungsgemeinschaft bildet, und mit Benediktbeuern, das an den Kochler Ortsteil Ried angrenzt, wolle er verbessern und sich demnächst bei seinen beiden Amtskollegen, die ihm gleich nach der Wahl gratuliert hätten, persönlich vorstellen. Die Wahlbeteiligung, die bei der Stichwahl mit rund 54 Prozent noch niedriger war als beim ersten Wahlgang (57,7 Prozent), findet Müller nicht ungewöhnlich. Bei Kommunalwahlen liege sie oft unter 60 Prozent und bei Stichwahlen erfahrungsgemäß noch darunter.

Thomas Holz (CSU), der nach mehr als 16 Jahren als Kochler Bürgermeister im Oktober in den Landtag gewählt wurde, will sich über seinen Nachfolger nicht äußern. "Kein Kommentar", erklärt er auf Nachfrage. "Als Ehemaliger hält man sich raus." Es stehe ihm nicht zu, die Wahl oder die Wahlbeteiligung zu kommentieren. Er habe nun andere Aufgaben, die er gerne erfülle. Die Kochler Bürgerinnen und Bürger hätten entschieden. "Das Ergebnis ist, wie es ist."

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