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Grünanlagen:Gemüse mitten in der Stadt

Penzberger Stadtrat denkt über neuen Gemeinschaftsgarten nach

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Urban Gardening - der Gemüse- und Blumenanbau inmitten der Stadt - ist keine neue Idee. Was modern klingt, praktizierten Stadtbürger schon in der Antike. Seit den 1990er Jahren rückt das Thema der Selbstversorgung wieder verstärkt in das gesellschaftliche Bewusstsein. Was von einigen Balkongärtnern und Laubenpiepern angestoßen wurde, soll nun auch in Penzberg einen Platz finden. Auf Antrag der Stadtratsfraktion "Penzberg Miteinander" (PM) soll die Stadt eine ihrer Flächen für einen Gemeinschaftsgarten zur Verfügung stellen. Der Stadtrat steht dem Vorschlag wohlwollend gegenüber. Allerdings möchte vor allem die CSU, dass sich ein Verein gründet, der die Verantwortung für das Projekt dauerhaft übernimmt. Als ersten Schritt beschloss das Gremium, bei den Penzbergern nachzufragen, ob überhaupt Interesse an einem Gemeinschaftsgarten besteht.

Der Trend des Urban Gardening schwappte von den USA über den Atlantik nach Europa. In den 1970er Jahren entstanden in New York Gemeinschaftsgärten als grüne Oasen auf innerstädtischen Brachen mit Blumenbeeten und Gemüseanbau zur Selbstversorgung. Neu an diesen Gärten war, dass sie gärtnerische, ernährungspolitische, ökonomische, soziale, künstlerische und stadtgestalterische Aspekte miteinander verknüpften. Eines der bekanntesten Projekte dieser Art in Deutschland sind die Prinzessinnengärten in Berlin, auf die auch die PM-Stadträte im Antrag verweisen. In Corona-Zeiten habe das Gärtnern an Bedeutung gewonnen, heißt es darin. "Ein Beitrag der Stadt zur Wiederbelebung coronagerechter Geselligkeit im Außenbereich kann darin bestehen, den Bürgern eine städtische Fläche für gemeinschaftliches Gärtnern anzubieten." Anette Völker-Rasor ergänzte den Antrag. Ihre Recherche habe ergeben, dass die Flächen bei ähnlichen Projekten zwischen 80 und 2000 Quadratmeter groß seien und die kommunalen Bauhöfe die benötigte Erde anlieferten, sagte sie. Weitere Investitionen seien für einen Wassertank (100 Euro) und für Hochbeete (300 Euro) von Seiten der Stadt zu leisten, wie auch ein jährlicher Zuschuss von 1000 Euro. "Das ist finanziell überschaubar."

Dass der Bauhof involviert wird, sieht Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) indes nicht gerne. Zudem berichtete er als ehemaliger Polizist, dass solch frei zugänglichen Beete gerne von Vandalen heimgesucht würden. Christian Abt (CSU) sieht den Antrag gar "mehr als skeptisch". Wenn es einen Gemeinschaftsgarten geben solle, dann müsse dieser von einem Verein getragen werden und nicht von einem "wild genudelten Haufen". Nach langer Debatte bat Ute Frohwein-Sendl (PM) darum, das Ganze nicht zu "verkomplizieren". Manche Bürger würden sich gerne einbringen, ohne Mitglied bei einem Verein sein zu müssen.

Vorschläge für Standorte gibt es bereits: Abt favorisiert, den Gemeinschaftsgarten in die Gartenanlage Breitfilz zu integrieren und zwei Parzellen zur Verfügung zu stellen; Elke Zehetner (SPD) schlug vor, den ehemaligen Weinberg auf der Berghalde umzunutzen oder den Garten bei den Streuobstbäumen auf Gut Hub anzulegen; Regina Bartusch (SPD) könnte sich den Gemeinschaftsgarten am Bahnbogen vorstellen.

© SZ vom 30.03.2021
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