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Geretsried:Die Not mit dem Verbund

Der Verwaltungsrat der Geretsrieder Stadtwerke soll darüber entscheiden, ob bei den Bürgern weiterhin gechlortes eigenes oder lieber teures Münchner Trinkwasser aus dem Hahn kommt

Von Thekla Kraußeneck

Mit diesem Wasserhahn in einer unauffälligen Holzhütte nahe Buchberg lässt sich des Geretsrieder Trinkwassernetz mit der Fernleitung von Oberau nach München verbinden. Ob es so weit kommt, müssen nun die Stadträte im Verwaltungsrat der Stadtwerke entschieden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Verwaltungsrat der Stadtwerke Geretsried wird in Kürze darüber befinden, ob es sinnvoll ist, den Trinkwasser-Notverbund mit den Stadtwerken München zu nutzen. Das haben Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteilos) und Stadtwerkeleiter Jan Dühring am Mittwochnachmittag in einer Pressekonferenz mitgeteilt. Sieht der Verwaltungsrat den Anlass für einen Notverbund gegeben, reichen die Geretsrieder einen Antrag bei den Münchner Stadtwerken ein.

Deren Fernwasserleitung, die Geretsried dann anzapfen würde, verläuft von Oberau nach München. Den Notverbund in Anspruch zu nehmen würde die Stadtwerke, die dieses wesentlich teurere Wasser kaufen müssten, gut 115 00 Euro monatlich kosten. Eine Summe, die im kommenden Jahr auf die Geretsrieder Bürger umgelegt werden würde.

Parallel läuft das Verfahren beim Verwaltungsgericht, vor dem die Stadt Klage eingereicht hat gegen die Anweisung des Tölzer Gesundheitsamts, das Wasser zu chloren und abkochen zu lassen. Nach Irmers Angaben wurde inzwischen ein Gutachter beauftragt, die technischen Anlagen zu überprüfen. Sein Gutachten soll bis Ende Januar fertig sein und Argumente für das Verfahren liefern. Anfang März wird es laut Dühring dann vor Gericht gehen. Zwar hätten klärende Gespräche mit dem Gesundheitsamt stattgefunden, doch habe seitens der Behörde "keine Bereitschaft bestanden, sich auf eine Diskussion einzulassen", erklärte Dühring.

Eine "einvernehmlichen Vorgehensweise" habe man deshalb nicht finden können. "Man sollte darüber reden, welche Befürchtungen berechtigt sind", sagte Irmer. Denn mehr als Befürchtungen seien es ja gar nicht. Wie die im Oktober gefundene Enterokokke ins desinfizierte Wasser gelangen konnte, das "würde mich auch interessieren", sagte Irmer. "Die Proben hat das Landratsamt entnommen." Nach Ansicht des Gesundheitsamts ist der Fund ein Indiz für die Unwirksamkeit der UV-Anlage. Die Stadt sträube sich nicht gegen die Forderung, für eine Million Euro zusätzlich eine Filtrationsanlage zu bauen. Jedenfalls nicht solang die Forderung "sinnvoll und nachvollziehbar" sei.

Dühring widersprach einer Stellungnahme des Gesundheitsamts, der zufolge die seit 15 Jahren existierende UV-Anlage keine Krankheitserreger abhalten könne. Das Gesundheitsamt hat eine Tabelle vorgelegt, aus der hervorgeht, dass seit 2003 jährlich mit Ausnahme von 2006 und 2008 coliforme Keime im Geretsrieder Wasser gefunden worden sind. Dühring entgegnete, es seien da auch Werte aufgeführt, die von noch nicht in Betrieb genommenen Wasserschächten stammten.

An diesem Donnerstag findet im Landratsamt eine Pressekonferenz zu demselben Thema statt. "Das ist Pingpong", sagte Dühring. "Es muss ein Dritter ran, der urteilt." Dühring räumte ein, dass Gesundheitsamtsleiter Franz Hartmann schon länger eine Filtrationsanlage fordert, jedoch nach Dührings Empfinden nicht sehr nachdrücklich.

Dem Gesundheitsamt zufolge könnte die Verunreinigung auch von einem defekten Abwasserkanal in Königsdorf herrühren. Dies könne aber nicht alleinige Quelle der Verunreinigung sein. Königsdorf und Geretsried teilen sich ein Wasserschutzgebiet und sind daher von denselben Problemen betroffen.

Dühring, der gerade Vater geworden ist, sagte auf Nachfrage, er "als Privatmann" würde sein Baby ohne Bedenken im Geretsrieder Wasser baden. Sein Wohnsitz befindet sich außerhalb der Stadt.

© SZ vom 16.01.2014

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