Freizeit in Penzberg:Gärtnern in der Stadt

Das Projekt "Urban Gardening" soll in Penzberg an den Start gehen

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Das Projekt "Gemeinschaftsgarten" in Penzberg nimmt Gestalt an. Laut Beschluss soll ein solcher auf einer etwa 1100 Quadratmeter großen Grünfläche an der Fischhaberstraße entstehen - zwischen den beiden Friedhofsparkplätzen. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hat sich kürzlich erneut mit dem Vorhaben, das auf einen Antrag der Fraktion Penzberg Miteinander zurückgeht, befasst. Denn es liegen nun Kostenschätzungen und ein erster Entwurf für eine Hausordnung vor.

In den vergangenen Wochen hat die Verwaltung sowohl ein Nutzungskonzept als auch eine Hausordnung erarbeitet. Das Konzept ist Ergebnis eines Ortstermins mit den künftigen Gartennutzern. Beide Dokumente lagen in der Sitzung nur den Ausschussmitgliedern vor. Den Wortmeldungen nach zu schließen, ist die Hausordnung recht umfassend. Dennoch regte Ute Frohwein-Sendl (Penzberg Miteinander) weitere Ergänzungen an, etwa, dass Neophyten wie das indische Springkraut von den Gartlern bekämpft werden müssten, keine Pflanzen, aus denen Betäubungsmittel gewonnen werden können, angebaut werden dürften oder Ruhezeiten einzuhalten seien: von 13 bis 15 Uhr und von 22 Uhr bis 6 Uhr früh.

Letzteres konnte Kerstin Engel (Grüne) nicht nachvollziehen. Dass vor allem Beerdigungen nicht durch lärmträchtiges, gärtnerisches Treiben gestört werden dürften, sei nachzuvollziehen, sagte sie. "Aber abends dürfen sie dann schon mal feiern."

Regina Bartusch (SPD) erklärte, ihre Fraktion hätte es lieber gesehen, wenn der Gemeinschaftsgarten in die Freizeitgartenanlage Breitfilz integriert worden wäre. "Dann hätten wir uns die Hausordnung sparen können", betonte sie. Bartusch wollte wissen, wie verhindert werden könne, dass etwa Hunde und Katzen den Gemeinschaftsgarten als Toilette missbrauchten. "Brauchen wir da einen Zaun?", wollte sie wissen. Schließlich sollte jedem gestattet sein, den Gemeinschaftsgarten zu besuchen. Und überhaupt sei ihr das insgesamt schon ein wenig viel Reglementierung.

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) erklärte, eine Einzäunung sei nicht geplant. Im Übrigen werde man sehen, wie das Projekt anlaufe. "Wir werden Erfahrungen sammeln müssen", so Korpan, wobei er und andere Stadträte für den Gemeinschaftsgarten keine Zukunft sehen. "So was läuft sich nach drei, vier Jahren tot."

Zu den Skeptikern zählt Christian Abt (CSU). Er hätte es lieber gesehen, wenn sich ein Verein mit einem verantwortlichen Ansprechpartner gegründet hätte, der den Gemeinschaftsgarten betreibt. Ferner wollte er wissen, wieso eine Regentonne auf den Plan für den Gemeinschaftsgarten eingezeichnet sei, wo doch kein Dach in unmittelbarer Nähe zu finden sei. "Wo kriegen die Leute das Gießwasser her?" Ein Punkt, der auch Engel beschäftigte: "Ist es möglich, dass Wasser vom Dach der Aussegnungshalle zu sammeln?" Was wiederum Christine Geiger sorgenvoll ausrufen ließ: "Es geht noch so aus, dass wir Leitungen legen müssen."

Regina Bartusch erinnerte ihre Ausschusskollegen daran, dass die künftigen Gartler keine Regentonnen bräuchten, schließlich gebe es im Friedhof Brunnen. Stattdessen bräuchten die Nutzer einen Kompost, meinte Engel.

Alle Vorschläge will Bürgermeister Korpan prüfen lassen. Als finanzielle Starthilfe gewährt die Stadt den Hobbygärtnern 3000 Euro - etwa für die vorgesehenen zehn Hochbeete. Die Penzberger Ortsgruppe des Bund Naturschutz unterstützt das Projekt mit 500 Euro. Auch der Obst- und Gartenbauverein möchte das Projekt mit finanziellen Mitteln und Fachwissen unterstützen.

© SZ vom 17.09.2021
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