Facettenreiche Musikreise:Copacabana an der Loisach

Facettenreiche Musikreise: Im Wolfratshauser D'Amato oder in einer Bar an der Copacabana? Die Zuhörer von Alexandra Fischer & Banda waren da gar nicht mehr so sicher.

Im Wolfratshauser D'Amato oder in einer Bar an der Copacabana? Die Zuhörer von Alexandra Fischer & Banda waren da gar nicht mehr so sicher.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Alexandra Fischer & Banda" entführen nach Brasilien

Von Arnold Zimprich, Wolfratshausen

Eine beeindruckende Anzahl Instrumente steht auf der Bühne im Wolfratshauser D'Amato, die Alexandra Fischer und ihre "Banda", wie Band auf Portugiesisch heißt, aufgebaut hat. Ihr Afrobrasil-Programm umfasse "funky-tropische Eigenkompositionen, wild-urwüchsige Klassiker von George Duke oder Tania Maria aber auch Stücke aus der Musica Populeire Brasileira (MBP) und elegante Bossanovas" ist in der Ankündigung zu lesen.

Kann man das alles in nur einen Abend packen?

Es wird gegessen, Wein getrunken, geredet - rund 40 Personen umfasst das Publikum. Darunter der Verleger Herbert Lenz, der bester Laune ist. "Ich habe unsere brasilianische Nachbarin mitgebracht", sagt Lenz schmunzelnd, der die Band heute das erste Mal sieht. Bald betritt Alexandra Fischer die Bühne und setzt sich hinter das beeindruckend große Keyboard - sie ist studierte Pianistin und Jazzsängerin.

Es wird dann auch eine facettenreiche Musikreise, auf die Fischer und ihre Band das Publikum entführt. Nicht nur in klanglicher, sondern auch in sprachlicher Hinsicht, schließlich singt Fischer auf Portugiesisch, Französisch und Englisch. Das Publikum ist schnell drin im "Ritmo", dem Rhythmus. Fischer ruft dazu auf, ihr in den Süden zu folgen und der Reise-Sehnsucht nachzugeben. Die "Saudade do Mar", die Sehnsucht nach dem Meer, ist es, die nie vergeht und einen immer wieder packt.

Die Band streut populäre Bossanovas ein, jazzige Töne mischen sich mit feurigen Rhythmen, schließlich folgt eine Hymne an ein typisch brasilianisches Instrument, den Berimbau. Das kurios anmutende Instrument, das aus einem langen, filigranen Hals, einem bauchigen Resonanzkörper und einem fragil wirkenden Bogen besteht, hat Schlagzeuger Markus Kopanski selbst gebaut. Es findet in Brasilien insbesondere bei der Capoeira, dieser landestypischen Mischung aus Kampfkunst und Tanz, Verwendung. Kopanski entlockt dem Berimbau verwegene Töne die alsbald, von E-Gitarre und Bass begleitet, in einen virtuosen Klangteppich eingewoben werden. Das Oeuvre der Gruppe umfasst Werke der brasilianischen Samba-Legende Tito Puente, der Pianistin Eliane Elias bis hin zur Londoner Jazz-Funk-Band Incognito. Facettenreicher kann ein Musikabend nicht sein, und so verwundert es wenig, dass zur Pause schon eine Stunde vergangen ist.

Matthias Kaiser beweist zwischendurch immer wieder seine Klasse an Flöte sowie Tenor- und Sopransaxophon, Harald Klein brilliert an der Gitarre, die Töne sitzen. Hier sind Routiniers am Werk, die jedoch keine Routine aufkommen lassen. "Vor etwa sechs Jahren hat sich die Band zusammengetan", so Drummer Kopanski. "Wir sind eine reine Auftrittsband." Soll bedeuten: die fünf Musiker kommen aus ganz Bayern, von Geretsried bis in die Oberpfalz. Dass sie sich zum Üben nur selten treffen, fällt nicht weiter auf: "Für heute haben wir nur zweimal geprobt." Das spricht für Bandleaderin Fischer und ihr Talent für Arrangements, denn die Banda ist nur eines von vielen Ensembles, in denen sie aktiv ist.

Schließlich kredenzt sie dem Publikum "tropische Früchte" in musikalischer Form. Manch einer wähnt sich nach rund 20 Liedern nicht mehr im verschneiten Wolfratshausen, sondern in einer Bar an der Copacabana. Dazu passt gut, dass die Banda eine brasilianische Lockerheit versprüht, die das Publikum auf den nächsten Urlaub in südlichen Gefilden einstimmt. Mittendrin die Maestrina Fischer, die ihre Männer mit kurzen Handzeichen perfekt zu dirigieren weiß.

"Natürlich geht's nicht ohne Samba", sagt die Meisterin, und so folgt noch der "Samba do Avião", mit dem das Publikum zu einem Flug hoch über Rio de Janeiro abhebt, über die endlosen weißen Strände, über die Statue "Cristo Redentor" auf dem Berg Corcovado. "Muito Obrigado", vielen Dank, heißt es dann schließlich. Das gilt auch für das Publikum. Es hat Spaß gemacht, mit Alexandra Fischer & Banda auf die Reise zu gehen.

© SZ vom 11.02.2019
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