Die älteste Klassikreihe der Region Heller Klang und tiefe Töne

Die Schäftlarner Konzerte präsentieren Abende mit dem Countertenor Franz Vitzthum und dem Kontrabassisten Florian Gmelin. Mozart und Haydn sind ein Muss, Lars-Erik Larsson und Jim Parker setzen Akzente

Von Stephanie Schwaderer, Schäftlarn

Kontrabassist Florian Gmelin spielt ein Concertino von Lars-Erik Larsson.

(Foto: Veranstalter/oh)

Es war ein einzigartiges, bisweilen anstößiges Programm, das Benno Forster mit den Schäftlarner Konzerten in die Region brachte: hochkarätige klassische Musik im ländlichen Raum zu erschwinglichen Preisen. Dass er es wagte, in einer Klosterkirche weltliche Musik zu spielen, habe den damaligen Kardinal Ratzinger erzürnt, erzählt Forsters Sohn Michael. Mittlerweile ist der Kardinal ein emeritierter Papst, und die Schäftlarner Konzerte sind eine "alte Dame", wie Michael Forster sagt. "Wir müssen sehen, dass wir sie im Rennen halten." Bei diesen Worten schaut er jedoch so vergnügt durch seine runden Brillengläser, dass klar ist: Um die Vitalität der alten Dame muss man sich vorerst keine Sorgen machen.

Der 51-Jährige ist exakt sieben Tage älter als die älteste Klassikreihe in der Region. Michael Forster wurde am 10. Mai 1968 geboren. Das erste Schäftlarner Konzert erklang am 17. Mai 1968 in der Klosterkirche. Mittlerweile trägt Forster die alleinige Verantwortung für die künstlerische Gestaltung, doch die Handschrift seines Vaters findet sich auch im druckfrischen Programmheft, das in leicht verändertem und dennoch vertrautem Engelsdesign vor ihm auf dem Tisch liegt.

Fünf Konzerte wird es von Mai bis Oktober geben, viel Mozart und Haydn, denn das erwarte das Schäftlarner Stammpublikum, sagt Forster. Dazwischen erlaubt er sich jedoch ein paar neue Akzente und Ausflüge auf eher unbekanntes Terrain. "Die Leute sollen neugierig sein und gleichzeitig darauf vertrauen können: Was der Forster sich ausdenkt, ist ganz lustig."

Solist beim Auftaktkonzert ist der bekannte Countertenor Franz Vitzthum. Unter dem Motto "Heller Klang" singt er am Samstag, 25. Mai, Arien für Countertenor von Georg Friedrich Händel. Eingebettet sind diese in zwei sinfonische Werke von Wolfgang Amadeus Mozart: die Ouvertüre zu "La finta giardiniera" und die Sinfonie C-Dur KV425, bekannt als die "Linzer". Wie bei allen Konzerten besteht das Orchester aus Instrumentalisten der drei großen Münchner Sinfonieorchester: des Bayerischen Staatsorchesters, der Münchner Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Michael und Regine Kofler, Flöte und Harfe, interpretieren mit dem Orchester Mozarts "poppigstes Konzert", wie Forster sagt.

(Foto: Veranstalter/oh)

Auf den hellen Klang folgen am 29. Juni tiefe Töne. Stargast an diesem Abend ist der Kontrabassist Florian Gmelin. Er hat für Schäftlarn das Concertino op. 45 für Kontrabass und Streichorchester von Lars-Erik Larsson ausgewählt - "ein fantastisches Werk, das die Ohren gut durchputzt", wie Forster sagt. Zur Einstimmung gibt es wieder Haydn (Sinfonie g-Moll, Nr. 83, "La Poule"), zum Ausklang Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5 in B-Dur.

Das dritte Konzert gestaltet Forsters Blechbläserensemble Wes10Bras, das in Schäftlarn regelmäßig Station macht. Die elf Musiker, die in renommierten Orchestern Nordrhein-Westfalens engagiert sind, treten eine schwungvolle Zeitreise an, die im 16. Jahrhundert bei Giovanni Gabrieli beginnt, über Michael Praetorius zu Engelbert Humperdinck und seiner Oper "Hänsel und Gretel" führt und bei Jazz von Jim Parker ("A Londoner in New York") endet. Nur mit Flöte und Harfe stimmen Michael und Regine Kofler das Publikum am 21. September auf den Konzertabend ein. Anschließend erklingt Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester C-Dur KV 299 - laut Forster "sein poppigstes Konzert" und zudem das einzige, in dem eine Harfe besetzt ist. Zum Ausklang gibt es Haydns "Abschiedssinfonie". Beim Finale in d-Moll am 12. Oktober stehen Mozarts "Don Giovanni" (Ouvertüre), die Arpeggione-Sonate von Schubert und eine Schubert-Adaption zu "Der Tod und das Mädchen" von Andy Stein auf dem Programm. Solist am Cello ist Bruno Weinmeister.

485 Gäste finden in der Rokoko-Kirche Platz. Etwa 200 Abos hat der Förderkreis für diese Saison bereits verkauft. "Im vergangenen Jahr waren wir gut ausgelastet", sagt die Wolfratshauser Rechtsanwältin Susanne Rieger, die den Förderkreis leitet und gemeinsam mit Anja Brandstäter maßgeblich für die Arbeit im Hintergrund verantwortlich ist. Die Gäste kämen aus München und dem Oberland, manche aber auch bis aus Hannover.

"Wes10Bras" spannen den Bogen von Giovanni Gabrieli bis zum Jazz.

(Foto: Veranstalter/oh)

Derzeit zählt der Förderkreis exakt 100 Mitglieder. "Ohne ihr ehrenamtliches Engagement gäbe es diese Konzerte nicht", sagt Forster. Susanne Rieger war als Mädchen selbst Schülerin in Schäftlarn und hat damals im Chor von Benno Forster gesungen. "Schäftlarn hat uns allen viel gegeben", sagt sie. "Jetzt kann man etwas davon zurückgeben."

Einzelkarten 19 bis 39 Euro, Abos 80 bis 166 Euro, Jugend-Abo 50 Euro; Karten über München Ticket, Infos und Reservierung unter www.schaeftlarner-konzerte.de