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Busse im Landkreis:Planmäßiger Zwischenstopp

Für den neuen Nahverkehrsplan wird sich der Kreistag auch mit den Busverbindungen in den Abend- und Nachtstunden auseinandersetzen. Für Pendler, die später Feierabend machen, ist der Bus mit dem derzeitigen Takt nämlich keine Alternative zum Auto.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bei einem internen Workshop bastelt der Kreistag am Nahverkehrskonzept der Zukunft. Es gibt viele Ideen für eine bessere Bus-Anbindung. Was sich davon umsetzen lässt, entscheidet sich jedoch erst in knapp einem Jahr

Der Kreistag arbeitet weiter an seinem Nahverkehrsplan. Am Dienstagnachmittag hat dazu ein von MVV-Consulting geleiteter Workshop für Kreisräte und geladene Gäste stattgefunden, darunter Schulleiter und Vertreter verschiedener Betriebe und Institutionen, etwa Reinhold Krämmel, der Sprecher der regionalen Industrie- und Handelskammer (IHK).

Die Veranstaltung war als Stoffsammlung angelegt, Ergebnisse gibt es daher noch nicht. Wie aus Teilnehmerkreisen zu hören ist, zeichnen sich aber schon konkrete Forderungen ab. So könnte etwa der Bus, der Wolfratshausen mit der Kreisstadt Bad Tölz verbindet, um einige Fahrten eines Schnellbusses ergänzt werden. Momentan hält der Bus alleine in Geretsried etliche Male - das macht die Verbindung eher unattraktiv.

Taktverdichtungen seien ganz allgemein eine der wichtigsten Aufgaben, sagt SPD-Kreisrätin Gabriele Skiba, die am Workshop teilgenommen hat. Dieser sei in fünf "Inseln" zu bestimmten Themen gegliedert gewesen, zum Beispiel Schüler und Pendler oder Touristik- und Freizeitverkehr. Skiba sagt, es seien alle Wünsche und Anregungen aufgenommen worden. "Wir stehen aber noch ganz am Anfang", so die SPD-Kreisrätin.

Cornelia Irmer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreistag, will zwar nichts über die Inhalte des nicht-öffentlichen Workshop preisgeben. Die Veranstaltung sei aber "sehr informativ, gut vorbereitet und sehr strukturiert durchgeführt" worden. Es hätten sich mehrere Arbeitsgruppen gebildet, deren Ergebnisse in die weitere Arbeit am Nahverkehrsplan einfließen sollen. "Es ist gut, dass das Thema auf den Weg gebracht wurde", sagt Irmer. Schließlich brauche es schon in Hinblick auf die Klimadiskussion "auf jeden Fall eine Verbesserung im Nahverkehr". Nach dem Workshop ist sie überzeugt, dass bei dem ÖPNV-Plan für den Landkreis "auf jeden Fall etwas Handfestes rauskommt".

Auch die Grünen haben schon sehr genaue Vorstellungen davon, wo man ansetzen sollte. "Wir müssen schauen, wie wir die Versorgung der Schulen bei zunehmendem Nachmittagsunterricht hinbekommen", sagt Klaus Koch, der Sprecher der grünen Kreisfraktion. Denn vor allem am Nachmittag habe der Fahrplan derzeit noch viele Lücken. Das Busnetz dürfe aber "kein reines Schüler- und Rentnersystem werden", so Koch. Denn mit Blick auf die Klimaziele des Landkreises sei es vor allem wichtig, auch die vielen Berufspendler in der Region zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. "Das wird natürlich ordentlich was kosten", sagt Koch. Aber nur, wenn gute Busverbindungen angeboten würden, ließen die Leute das Auto auch wirklich stehen.

Er fordert bessere Busverbindungen: der grüne Kreisrat Klaus Koch.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Konkret fordern die Grünen eine Verbesserung der Ost-West-Anbindung. Die Achse Eurasburg-Beuerberg-Penzberg müsse genauso gestärkt werden wie die Achse Geretsried-Tölz-Miesbach. Gerade die Berufsschulen in Miesbach zögen viel Verkehr an. Da müsse sich etwas tun.

Bei der CSU begrüßt man es auch, dass der Nahverkehrsplan nun neu aufgelegt wird. Die Pläne seien zuletzt vor 23 Jahren überarbeitet worden, sagt Martin Bachhuber, der Chef der Kreistags-CSU, da sei es nun wahrlich an der Zeit. Es gelte dabei aber "Gründlichkeit vor Schnelligkeit", so Bachhuber. Und sicher werde das Netz am Ende auch aufgebessert werden - mit einem dichteren Takt und zusätzlichen Verbindungen. "Das muss aber mit Augenmaß passieren", sagt Bachhuber.

Im September 2020 will der Kreistag den neuen Nahverkehrsplan beschließen. Davor soll der am Dienstag erarbeitete Zwischenstand noch einmal diskutiert werden. Der MVV wird die Anregungen und Ideen nun aufbereiten. Bei einem zweiten Workshop im Frühjahr will der Kreistag seine Ziele konkretisieren.

Die Lokalausgaben der Süddeutschen Zeitung suchen im Oktober gemeinsam mit dem MVV den Busfahrer oder die Busfahrerin des Jahres. Teilnahmecoupons liegen in allen Regionalbussen aus. Ihren Favoriten oder ihre Favoritin können Fahrgäste aber auch per Mail vorschlagen: busfahrer-aktion@mvv-muenchen.de.