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Bildung:Bad Tölz investiert in Digitalisierung

Lettenholzschule

Die Lettenholzschule wird in der EDV-Ausstattung ebenso wie die zwei anderen Tölzer Grundschulen aufgerüstet.

(Foto: Manfred Neubauer)

Zusätzlich zur staatlichen Förderung gibt die Stadt noch 109 000 Euro an Eigenmitteln für die drei Grundschulen aus

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Die Stadt Bad Tölz investiert in die Digitalisierung ihrer drei Schulen. Nachdem seit 2014 bereits knapp 250 000 Euro in die EDV-Ausstattung der Jahnschule, der Südschule und der Lettenholzschule geflossen waren, gibt es nun noch einmal fast 322 900 Euro aus dem Förderprogramm "Digitale Bildungsstrukturen an bayerischen Schulen" (DBIR) des Freistaats, wovon die Kommune einen zehnprozentigen Anteil von 35 820 Euro leisten muss. Darüber hinaus will die Stadt noch 109 000 Euro für die Digitalisierung der Schulen aus ihrem Haushalt drauflegen. Dies hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag ohne Gegenstimme beschlossen.

"Wir werden oft geschimpft, dass die Digitalisierung der Schulen nicht vorangeht", sagte Kämmerer Hermann Forster. In einem Parforceritt durch das Hickhack, das die dringend nötige Ausrüstung für Lehrkräfte und Schüler seit Jahren zwischen Bund, Ländern und Kommunen in Gang hält, verwies er darauf, dass die Digitalisierung "eine Gemeinschaftsaufgabe" sei. Der Freistaat habe aber noch immer kein Gesamtkonzept für die digitale Ausstattung der Schulen erstellt. Stattdessen seien Medienkonzepte erarbeitet worden, ohne die Frage zu klären, was genau zur Digitalisierung zähle. Auch der fünf Milliarden Euro schwere "Digital-Pakt" des Bundes hatte sich verzögert, weil dafür zunächst eine Änderung der Grundgesetzes erforderlich war - die Bildung ist schließlich Ländersache. Ein Förderprogramm, das Bayern deshalb zwischenzeitlich aufgelegt hatte, ist wieder ausgelaufen. Forsters Conclusio: In der Digitalisierung gebe es noch "viele Dinge, die ungelöst sind".

Das zentrale Problem sieht der Tölzer Kämmerer jedoch in der Systembetreuung, für die pädagogische Software ebenso wie für Reparaturen von Notebooks,Tablets und anderen Geräten. Dafür seien beim Digitalisierungsgipfel 2020 insgesamt 155,6 Millionen Euro von Bund und Freistaat für die Jahre 2021 bis 2024 angekündigt worden. Bad Tölz bekäme davon 19 500 Euro pro Jahr. "Sie können sich vorstellen, wie viele Stellen wir damit besetzen können", sagte Forster. Dabei werde der Bedarf an Systembetreuung rasch größer, in der Corona-Pandemie seien alleine 150 Leihgeräte angeschafft worden. Eine Lehrkraft, die diese Ausgabe für zwei, drei Stunden in der Woche übernimmt, sei da nicht ausreichend, meinte der Kämmerer. Schon jetzt springen oft vier Fachkräfte aus der EDV-Abteilung der Stadt ein, wenn es Probleme an den Schulen gibt.

Mit dem Geld aus dem DBIR-Förderprogramm und dem städtischen Haushalt sollen Notebooks für Schüler, Tabletwagen, digitale Displays in den Klassenzimmern und Ausgaben für die Netzwerk-Infrastruktur bezahlt werden. Die beiden Grundschulen und die Südschule als Mittelschule verfügten über eine normale Bandbreite, wie sie in Tölz üblich sei, sagte Falko Wiesenhütter, Geschäftsleiter im Rathaus. Dies reiche bisher aus. Allerdings plane die Stadt, in ein neues Förderverfahren einzusteigen, um das Glasfasernetz bis in die Schulen hinein zu verlegen.

Der Support, also die Systembetreuung, sei "nicht die schwierigste Aufgabe" an den Tölzer Schulen, sagte Stadträtin Bärbel Weixner (FWG), Leiterin der Lettenholzschule. Auch bei den Dienstgeräten für Lehrkräfte sei schon nachjustiert worden. Vorrangiges Ziel sei, "ein funktionierendes Wlan im Haus zu haben", erklärte Weixner. Für Stadtrat Willi Streicher (SPD) sind 109 000 Euro viel Geld. "Das Gleiche wird nochmals für eine Arbeitsstelle draufkommen, aber es hilft ja nichts", meinte er. Diese Förderung stehe der Stadt "wirklich gut zu Gesicht". Ähnlich äußerte sich CSU-Fraktionssprecher Karsten Bauer. "Die Digitalisierung der Schulen ist enorm wichtig", betonte er.

© SZ vom 25.02.2021
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