Bad Tölz/Icking Nessy zieht ins Haus des Bullen

Travestiekünstler Karolinger verlässt Bad Tölz und siedelt das kleine Filmmuseum nach Grünwald um. Die Kooperation mit Mekk-Movie endet genauso wie die kaum gefragte Hubert-und-Staller-Tour in Wolfratshausen

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Ob es nun gute oder schlechte Nachrichten sind, das wollte Nessy Karolinger nicht einfach pauschal am Telefon sagen. Nur so viel: "Es wird sich zum neuen Jahr hin einiges veränder." In einer kürzlich anberaumten Pressekonferenz wurde der in Bad Tölz lebende Hamburger Travestiekünstler mit Pseudonym Nessy Karolinger konkreter: Gleich mehrere Projekte, die Karolinger im vergangenen Jahr mit viel Elan und ebensolcher Breitenwirkung angestoßen hatte, gehen nun entweder zu Ende oder verändern sich signifikant.

Die "Hubert-und-Staller"-Tour etwa wird es in Wolfratshausen künftig nicht mehr geben. Im Juli erst hatte die Stadt zusammen mit Karolinger die von ihr geführte Radrunde "Mit'm Drahtesel zu den Drehorten" vorgestellt. Bürgermeister Klaus Heilinglechner hatte damals erklärt, die Begeisterung für die in Wolfratshausen und Münsing gedrehte Fernsehserie "Hubert und Staller" sei hier enorm: "Wir bekommen Anfragen aus ganz Deutschland und dem Ausland." Der Weg der moderierten Radtour führte von der Flößerstadt über Gelting, Achmühle und Degerndorf zum Eurasburger Berg und an die Maria-Dank-Kapelle. Weitere Stationen waren das Schlossgut Oberambach in Münsing, das Hotel Huber und das Hotel am See sowie die Bäckerei Graf in Ammerland, Zuschauern der Serie besser bekannt als "Der Rattlinger". Allerdings war es laut Karolinger aus produktionstechnischen Gründen nicht möglich, aktuelle Drehorte mit einzubeziehen.

Die Exponate des Filmmuseums im Herderbad stellt Nessy Karolinger der Bavaria Filmstadt in Grünwald zur Verfügung.

(Foto: Manfred Neubauer)

Letztlich aber interessierten sich einfach zu wenige für die geführte Tour, bei der Karolinger Anekdoten und Hintergrundinformationen zu der Vorabend-Serie gegeben hätte. "Nur ein- oder zweimal wurde sie unseres Wissens in diesem Sommer durchgeführt", berichtete die städtische Tourismusmanagerin Gisela Gleißl. Es habe sich gezeigt, dass Fans und interessierte Zuschauer von "Hubert und Staller" gerne die Studiotour buchen, aber die Region, in der die Serie spielt, offenbar lieber selbst mit dem Rad erkunden - der entsprechende Flyer jedenfalls wird laut Gleißl weiter ausgelegt.

Die kleine Requisiten-Ausstellung zur Serie in einem Fenster am Untermarkt 10 bleibe aber nach Angaben von Karolinger stehen - zumindest vorerst, bis geklärt ist, was mit dem städtischen Gebäude passiert. Vom Bürgersteig aus können Passanten dort also weiterhin einen Blick auf zwei Polizeiuniformen, einen Pathologen-Anzug und die Werkzeuge der Spurensicherung werfen.

Unvermindert groß, so Karolinger, sei aber die Resonanz auf die ebenfalls von ihr geführte "Bulle-von-Tölz"-Tour in der Kurstadt. "Die läuft weiter", und zwar künftig als sogenannte "VIP-Tour" im kleinen Teilnehmerkreis. Das original "Bullenbüro" mit Benno Berghammers Schreibtisch wird dann allerdings nicht mehr Anlaufstation sein: Das kleine Filmmuseum, das Karolinger in mühevoller Arbeit im Tölzer Herderbad installiert hatte und in dem unter anderem das Büro von Kommissar Berghammer, den Ottfried Fischer spielte, zu sehen war, muss ausziehen. Nach Karolingers Angaben wurde die Miete für das Gebäude erhöht. Obwohl die Besucherzahlen im Filmmuseum zufriedenstellend gewesen seien, könnte sich das Museum mit den Einnahmen nun nicht mehr tragen. In der Folge stellt Karolinger die zusammengetragenen Requisiten - unter anderem Originalkostüme, Hütten, Segel und Schwerter aus den Wickie-Filmen, Kostüme aus dem "Wixxer" sowie die Originalstube aus "Peter Steiners Theaterstadl" - der Bavaria Filmstadt in Grünwald zur Verfügung.

69 Folgen

hatte die TV-Serie "Der Bulle von Tölz". Dann war zum Leidwesen der Fans Schluss. Um der Reihe einen, wie er sagt, würdigen Abschluss zu geben, möchte der Travestiekünstler Nessy Karolinger eine 70. Folge drehen. Ottfried Fischer wäre bereit, "sofern das Drehbuch stimmt". Karolinger braucht aber neue Film-Partner.

Doch nicht nur die Exponate des Filmmuseums ziehen um. Auch Karolinger selbst bricht die Zelte in Bad Tölz ab. Sie bleibt allerdings im Landkreis und zieht demnächst ins Hollerhaus nach Irschenhausen, just in jenes Haus, in dem Ottfried Fischer in seiner Rolle als Benno Berghammer lebte. Dort will Karolinger an einem weiteren Großprojekt arbeiten, nämlich der Umsetzung des Bulle-von Tölz-Abschlussfilms. Allerdings nach eigenen Angaben nicht mehr in Kooperation mit Markus Kleinhans und Andreas Jordan von Mekk-Movie, mit denen Karolinger noch im September per bundesweitem Casting nach dem Sohn von "Benno Berghammer" suchte. Mehr als 60 Bewerber, darunter auch zwei Mädchen, hatten sich nach dem Aufruf in Tölz zum Vorsprechen eingefunden. Simon Steinbeißer aus Nußdorf am Inn im Kreis Rosenheim wurde letztlich ausgewählt, im Beisein der Schauspielerin Katerina Jacob. Er soll die Rolle des "Mini-Bullen" übernehmen in einem Kinofilm, der die Serie, die nach 69 Folgen eingestellt wurde, nachträglich würdig abschließen soll.

Nach dem Casting hatte sich das Team noch in Klausur begeben, um die Details für einen Teaserfilm zu besprechen. Im Oktober sollte dieser in Bad Tölz und im Irschenhauser Hollerhaus gedreht werden - mit Ottfried Fischer, Katerina Jacob und natürlich auch mit Simon. Mithilfe des Teasers sollte die Finanzierung des Großprojekts gesichert werden, ehe 2017 mit den Dreharbeiten für den Kinofilm begonnen werden sollte. Doch bislang wurde der Teaser nicht gedreht: Sie selbst und Mekk-Movie mit Kleinhans und Jordan gingen derzeit getrennte Wege, wie Nessy Karolinger berichtet.

Karolinger ist dennoch überzeugt, dass der Film realisiert werden wird. Das Hollerhaus soll ihr nun als Inspiration für die Drehbuchvorlage dienen, die dann ein Autor ausarbeiten soll. Alle Beteiligten hätten nach wie vor großes Interesse an der Umsetzung einer 70. Folge, versichert Karolinger: "Die Schauspieler von damals stehen alle bereit."