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Geburtsabteilung schließt:Jetzt spricht der Arzt

Laut Geburtshelfer Krone will Asklepios die Abteilung nicht mehr betreiben, weil die nicht genug Gewinn abwirft. Seine Arbeitsbelastung sei nur ein Grund gewesen, den Vertrag nicht zu verlängern.

Von Konstantin Kaip

Die Nachricht, dass die Asklepios-Klinik in Bad Tölz ihre Geburtshilfe Ende März schließen muss, hat nicht nur den südlichen Landkreis erschüttert. Der Belegarzt Dr. Stephan Krone sei wegen der hohen Arbeitsbelastung nicht mehr bereit, seinen Vertrag erneut zu verlängern, hatte der Geschäftsführer der Klinik, Joachim Ramming, vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz gesagt. Krone relativiert nun die Erklärung der Klinikleitung. Grund für sein Ausscheiden sei nicht nur die hohe Arbeitsbelastung, sondern auch die Tatsache, dass ihm die Geschäftsführung kein Angebot vorgelegt habe.

Er habe mit seiner Kollegin Dr. Florina Rummel bereits im vergangenen Frühjahr Gespräche mit der Klinik Agatharied über eine mögliche Kooperation für eine Hauptabteilung aufgenommen, sagt Krone. Im Mai 2016 habe die Nachbarklinik ein fertiges medizinisches Konzept vorgelegt. Dies sei aber nicht weiterverfolgt worden. Bereits vor zwei Jahren sei nach dem Tod von Dr. Bernhard Schweiger "das Gefüge der Belegarztabteilung ins Wanken geraten", sagt Krone. Daraufhin habe er vorsorglich im November 2015 seinen Vertrag - mit einjähriger Frist - gekündigt. "Ich wollte ein Zeichen setzen: Ich mache weiter, wenn eine nachhaltige Lösung in Sicht ist", sagt Krone.

Bisher hat die Geschäftsführung stets betont, dass eine solche an Personalproblemen gescheitert sei. Der Arzt hingegen sieht auch Asklepios in der Pflicht. Schließlich hätte es Krone zufolge Möglichkeiten gegeben, ein Kooperationsmodell, wie es laut Ramming nun als Angebot vorliegt, zu erarbeiten. "Einzig die Geschäftsführer konnten sich nicht einigen", sagt der Arzt. Die wahren Gründe dafür vermutet Krone in der Gesamtstrategie des Konzerns: So brüste sich Asklepios mit guten Gewinnen, die damit zusammenhingen, dass sich der Konzern immer mehr auf erfolgsversprechende Spezialdisziplinen konzentriere.

"Daraus kann man schließen, dass er nicht gewinnbringende Abteilungen, zu denen auch die Geburtshilfe betont, eigentlich abstoßen will." Als Landrat Josef Niedermaier bei der sogenannten Elefantenrunde in Königsdorf im Dezember eine finanzielle Beteiligung des Landkreises an einer Hauptabteilung in Aussicht gestellt habe, sei das für die Geschäftsführung ein willkommenes Angebot gewesen. Ramming hatte am Freitag betont, dass es Asklepios um den Erhalt der Geburtshilfe gehe. Die Hoffnung liege auf dem Aufbau einer Hauptabteilung mit finanzieller Unterstützung des Landkreises, schriftliche Angebote für eine Kooperation aus Agatharied und Garmisch lägen bereits vor. Man sei auch zu Zugeständnissen bereit - etwa, die ganze Abteilung wieder zurück in kommunale Hand zu geben.

Stephan Krone ist nur noch bis Ende März Belegarzt für Geburtshilfe an der Tölzer Asklepios-Klinik. Die Abteilung muss dann schließen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Für den Tölzer Bürgermeister Josef Janker (CSU) ist das allerdings keine Option. Krone sieht in Rammings Angebot auch einen Beleg dafür, dass Asklepios die Geburtshilfe gerne "outsourcen" würde, wie er sagt. "Man will uns loshaben, und die anderen sollen das Risiko tragen." Krone betont, dass er der Tölzer Geburtshilfe weiterhin zur Verfügung stehe, wenn eine Hauptabteilung in größerer Kooperation zustande komme. Das gelte übrigens auch für alle Hebammen und den Oberarzt, der wegen mangelnder Perspektive gekündigt habe. Der Bereitschaft des gesamten Teams habe er sich bei einer Besprechung am Dienstag vergewissert, sagt der Arzt.

Krones Kollege in Wolfratshausen, der Belegarzt der Kreisklinik Dr. Manfred Stumpfe, war von der Nachricht der Schließung des Tölzer Kreißsaals zum Ende des Monats "schon sehr überrascht", wie er sagt. "Da ist ein Zeichen gesetzt worden, das ich so nicht erwartet habe." Man müsse aber zunächst die beiden wichtigen Sitzungen im Kreistag abwarten: die Anhörung der Experten am 17. März im Kreisausschuss und die Sondersitzung des Kreistags zur Geburtshilfe am 24. März. Es komme darauf an, was die Fachleute sagen und welche Konzepte vorgelegt werden. "Da ist noch nichts in Stein gemeißelt."

Für Stumpfe ist aber auch klar: "Wenn die Geburtshilfe in Tölz im April schließt, werden wir in Wolfratshausen auf jeden Fall mehr zu tun haben." Zwar könne die Kreisklinik nicht die Belegabteilung im Süden ersetzen. In Notfällen etwa müssten Ärzte innerhalb von 15 Minuten entbinden können. Dennoch geht Stumpfe davon aus, dass zahlreiche Mütter aus dem Süden ihre Kinder nun in Wolfratshausen zur Welt bringen werden. "Wir sind bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen", sagt er. Gleichzeitig müsse er weiter an einem "tragfähigen Konzept" für die Zukunft der Geburtshilfe an der Kreisklinik arbeiten. Das müsse man bis zum Sommer finden - um rechtzeitig planen zu können.

© SZ vom 08.03.2017
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