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Entscheidung am Freitag:Tölzer Entbindungsstation schließt

Geschäftsführer Joachim Ramming (rechts) und Kliniksprecher Christopher Horn verkünden die Hiobsbotschaft.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Von April an müssen sich Eltern eine andere Klinik für die Geburt suchen. Der Geschäftsführer der Asklepios-Klinik nennt die Schließung "vorübergehend" und hofft weiter auf eine Hauptabteilung.

Von Konstantin Kaip

Die Asklepios-Stadtklinik schließt ihre Geburtshilfe zum 31. März. Das haben der Geschäftsführer der Klinik Joachim Ramming und Klinik-Sprecher Christopher Horn am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. "Leider sehen wir uns nun vor die Tatsache gestellt, dass wir die Geburtshilfe an der Stadtklinik zumindest vorübergehend nicht mehr aufrecht erhalten können", erklärte Ramming. "Mütter müssen ab April ihre Kinder woanders zur Welt bringen."

Grund für die Schließung ist laut Klinikleitung der Wegfall zweier Ärzte in der Abteilung: Belegarzt Dr. Stephan Krone, der Ende vergangenen Jahres seinen Vertrag bis Ende März zu verlängert hatte, sei "aus nachvollziehbaren Gründen" nicht zu einer weiteren Verlängerung bereit, erklärte Ramming. Ein im November zur Unterstützung angestellter Oberarzt habe wegen der unsicheren Perspektive gekündigt. "Damit ist eine fach- und leitliniengerechte Versorgung ohne Gefährdung der Sicherheit von Leib und Leben der Mütter und Kinder nicht mehr möglich", erklärte Horn.

Die Hoffnung liege nun auf dem Aufbau einer gemeinsamen Hauptabteilung für Geburtshilfe in Zusammenarbeit mit einem anderen Krankenhaus, sagte Ramming. Dies sei nach wie vor das mittelfristige Ziel. Ein nahtloser Übergang sei jedoch einfach nicht möglich. Die Klinikleitung habe die Rahmenbedingungen für eine Hauptabteilung dem Kreistag im Februar mitgeteilt. Auch lägen bereits schriftliche Angebote aus Agatharied und Garmisch-Partenkirchen zur Übernahme der ärztlichen Versorgung vor. Vereinbarungen könnten aber erst getroffen werden, "wenn sich der Kreistag eindeutig dazu geäußert hat". Das Gremium hatte im Dezember eine finanzielle Beteiligung an einer Hauptabteilung in Aussicht gestellt. Bei den Kreisräten ist der siebenstellige Zuschuss für die private Klinik jedoch umstritten. Am 24. März werden sie sich in einer Sondersitzung mit dem Thema befassen. So lange habe man aber nicht warten können, sagte Ramming. Die betroffenen Mütter und die umliegenden Kliniken müssten frühzeitig informiert werden.

"Das ist richtig bitter", sagt Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) zu der Schließung der Tölzer Geburtshilfe. Er betont aber auch, dass sie der "Lage des Faktischen" entspreche. "Wenn kein Arzt bereit ist, Entbindungen zu machen, kann die Klinik das nicht anbieten."

Ähnlich äußerst sich der Tölzer Bürgermeister Josef Janker (CSU). "Man muss den Tatsachen ins Auge sehen." Janker hat selbst mit zahlreichen niedergelassenen Ärzten gesprochen. Man dürfe die Gynäkologen jedoch nicht an den Pranger stellen. Ramming betonte am Freitag, er habe "persönlich sehr großen Respekt" vor der Entscheidung Krones. Der Belegarzt habe in der Vergangenheit "Übermenschliches geleistet". In einer Mitteilung der Klinik begründet Krone seine Entscheidung damit, dass er nicht mehr in der Lage sei, die "Doppel- und Dreifachbelastung, die eine Tätigkeit als Belegarzt in der gegenwärtigen Konstruktion mit sich bringt", zu leisten - auch mit Rücksicht auf die Patientinnen seiner Praxis. Sollte die Hauptabteilung verwirklicht werden, stehe er jedoch für eine weitere Zusammenarbeit zur Verfügung.

"Das Belegarztsystem ist überholt", sagt auch Niedermaier. "Aber die Bevölkerung ist verunsichert." Es gebe eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer wohnortnahen Versorgung und einer Politik hin zur zentralisierten Geburtshilfe. Der Landrat setzt deshalb auf die Anhörung am 17. März im Kreisausschuss mit Vertretern der Ärzte, Hebammen und des Gesundheitsministeriums. "Die Spezialisten sollen uns erklären, warum das so läuft", sagt Niedermaier. "Wir wollen wissen: Wo geht es hin?", sagt Janker.

In Tölz wird sich die Tür des Kreißsaals erst einmal schließen. Laut Horn nimmt die Geburtshilfe werdende Mütter noch bis zum 28. März auf. Danach werden Schwangere in Notfällen versorgt und mit dem Rettungsdienst in eine der umliegenden Kliniken gebracht. Die Räumlichkeiten der Station sollen zunächst weiter vorgehalten werden. Pfleger und Schwestern blieben angestellt, auch wolle man versuchen, die Beleghebammen am Standort zu halten, sagte Ramming am Freitag. "Wir hoffen, dass das nur ein kurzes Stocken ist, und wir das Angebot für künftige Eltern nicht aufgeben müssen."

© SZ vom 04.03.2017
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