Bad Tölz-Wolfratshausen:Zwischen Schlaglöchern und Radwege-Nirwana

Kreisstraßen Besichtigung

Auch auf dieser Straße bei Bichl müssen Schlaglöcher ausgebessert werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Kreisratsmitglieder und Baufachleute besichtigen auf einer Bustour zwischen Münsing und Greiling die sanierungsbedürftigen Straßen. Das Straßenbauamt hält 13 von 24 für überfällig. Zehn Jahre und Gesamtkosten von 26,8 Millionen Euro sind vorgesehen.

Von Klaus Schieder

Auf halber Tour fährt der Busfahrer rechts an den Straßenrand. Kurz hinter dem Ortsrand von Ergertshausen wallt der Herbstnebel durch die Wälder, die Wiesen ringsum sind abgemäht. Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler), Kreisräte vom Ausschuss für Umwelt, Infrastruktur und Tourismus, Abteilungsleiter des Staatlichen Bauamts Weilheim und des Tölzer Landratsamts haben während des Halts jedoch kaum Gelegenheit, das Panorama zu genießen. Es geht um den Radweg, der neben der Kreisstraße Töl 21 an dieser Stelle südlich von Ergertshausen abrupt endet. Der hätte schon heuer bis hinab zur Staatsstraße 2070 verlängert werden sollen, aber daraus wurde nichts. Wegen der Unwetter im Sommer habe man viel Arbeit auf Bundes- und Staatsstraßen gehabt, erklärt Martin Herda, der für den Landkreis zuständige Abteilungschef im Staatlichen Bauamt. "Der Radweg an der Töl 21 wird definitiv nächstes Jahr gebaut, das sage ich hier jetzt mal."

Die Sitzung des Umweltausschusses findet diesmal im Bus statt, auf der Rundfahrt durch den Landkreis sollen vor allem die 2020 neu gewählten Mitglieder über den Zustand der Kreisstraßen informiert werden. Und der lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig. Risse und Löcher in der Fahrbahn, schlechte Banketten - die Reise ist streckenweise ziemlich rumpelig. Das Straßenbauamt hält 13 von 24 Kreisstraßen für dringend sanierungsbedürftig. Dabei handelt es sich um Abschnitte, die auf einer Noten-Skala von Eins bis Fünf mit einer Fünf bewertet wurden. "Wir brauchen zehn Jahre, um alle abzuarbeiten", sagt Herda. Geschätzte Gesamtkosten: 26,8 Millionen Euro.

Kreisstraßen Besichtigung

Noch ein Loch im Asphalt, diesmal in der Nähe von Sachsenkam.

(Foto: Manfred Neubauer)

Schon konkret ist die Sanierung der 1,5, respektive 1,3 Kilometer langen Ortsdurchfahrten von Greiling und Reichersbeuern, wofür zwei Millionen Euro vorgesehen sind. Der erste Bauabschnitt ist kommendes Jahr geplant, der zweite 2023. In Greiling habe man auf Wunsch der Gemeinde gewartet, bis das Verlegen diverser Leitungen - etwa für Wasser und Breitband - abgeschlossen war, erklärt Stefan Vogt, Projektleiter im Staatlichen Bauamt. Die Arbeiten sind nun nicht mehr aufzuschieben. Der Grund: 2023 beginnt die Hauptarbeit an der Tölzer Nordumfahrung, von der auch die kleine Nachbargemeinde betroffen ist. Man wolle vermeiden, dass Greiling dann gleich doppelt belastet sei, so Vogt.

Der Ausbau der Kreisstraße Töl 13 nördlich von Reichersbeuern in Richtung Sachsenkam soll nächstes Jahr beendet werden. Nördlich der Bahnlinie wird sie teilweise auf sechs Meter verbreitert, südlich davon geht es darum, die Fahrbahn im Bestand zu sanieren. Die Kosten belaufen sich Vogt zufolge auf rund 800 000 Euro, vorgesehen waren bis zu 1,2 Millionen Euro. Die Einsparung erklärt der Projektleiter mit dem guten Zusammenspiel von Grundeigentümern und Landwirten. Wegen flacher Böschungen habe man weniger Kosten für den Grunderwerb stemmen müssen, sagt er. Der Landkreis zahle dafür zwischen zehn und 15 Euro pro Quadratmeter, teilt Katharina Mair, Sachbearbeiterin im Landratsamt, mit.

Andere Straßenbauprojekte sind später in dieser Dekade terminiert. Manchmal hat es der Busfahrer nicht einfach, zu diesen Strecken zu gelangen. In Münsing wird seit gut einem Monat die Staatsstraße 2065 in Richtung Holzhausen saniert. Die Umleitung führt durch einspurig-enge Nebenstraßen, was zentimetergenaue Ausweichmanöver erfordert - zumal dann, wenn auch noch ein Lastwagen zwischen den Balkonen zweier Häuser entgegenkommt.

Stressfreier geht es auf der Kreisstraße Töl 20 zu, die südlich von Münsing liegt. Sie wurde während der Corona-Pandemie auf einer Länge von 2,6 Kilometern ausgebaut. Zuvor, so Vogt, "war sie wirklich heruntergekommen". Vor allem deshalb, weil in Degerndorf große Betriebe angesiedelt sind, die Schwerkraftverkehr anziehen. Die Endabrechnung liegt zwar noch nicht vor, aber die Kosten dürften um einiges unter der veranschlagten Vergabesumme von 3,26 Millionen Euro liegen. "Wir werden bei circa 2,8 Millionen liegen", sagt der Projektleiter. Denn die großen Mengen an Erdaushub wurden nicht abtransportiert, sondern an Ort und Stelle in flache Böschungen ausgebracht.

Ein Kuriosum ist die Kreisstraße Töl 2. Sie führt zwischen Ammerland und Ambach am Starnberger See vorbei und ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Links und rechts reihen sich Villen aneinander, die Hecken davor befinden sich oftmals auf öffentlichem Straßengrund. Die Fahrbahn ist dermaßen schmal, dass zwei Autos nicht aneinander vorbeikommen. Generationen n von Landräten hätten mit Generationen von Münsinger Bürgermeistern schon darüber debattiert, die Kreisstraße ohne Anbindung an überörtliche Verkehrswege zu einer Gemeindestraße abzustufen, sagt Landrat Niedermaier. Das blieb bislang ohne Ergebnis. Der Münsinger Rathauschef Michael Grasl (Freie Wähler) wäre einem solchen Schritt zwar nicht abgeneigt, aber der Gemeinderat war mehrheitlich dagegen. Die Kommune wäre dann eben auch für Baumaßnahmen und Unterhalt zuständig. Eine Sanierung steht momentan nicht an, die Töl 2 wurde 2014 hergerichtet. Im Grunde, so Abteilungsleiter Herda, seien zwölf der 24 Kreisstraßen von ihrer Funktion her Gemeindestraßen.

Auf dem Rückweg kommen die Kreisräte an diesem schönen Herbsttag noch an der Töl 5 vorbei, die westlich von Bad Heilbrunn liegt. Dort soll jeweils westlich und östlich von Langau ein insgesamt drei Kilometer langer Rad- und Fußweg entstehen. Die Bundesstraße 11 soll nördlich der Reindlschmiede bis nach Schönrain auf acht Meter Breite ausgebaut werden. Den Radweg, den die Gemeinde Bad Heilbrunn dort fordert, sieht Herda kritisch. Er sei "nicht notwendig", sagt er. Außerdem wäre er schwierig zu errichten, Stichwort Grunderwerb. 2022 soll es einen Erörterungstermin im Zuge des Planfeststellungsverfahrens geben, um die Diskrepanzen zu klären. Für den Abteilungschef vom Staatlichen Bauamt wäre der Radweg "kein Lückenschluss, sondern nur Teil eines Lückenschlusses". Das jedoch, findet Landrat Niedermaier, wäre immerhin "ein Anfang".

An einer anderen Kreisstraße kommen die Kreisräte sozusagen nur virtuell vorbei: Die Töl 24 von Vorderriß in die Eng liegt zu weit ab für eine Besichtigung. Während der starken Regenfälle im Juli wurde sie um ein Haar weggespült. Der Rißbach schwoll damals stark an und kam der Fahrbahn gefährlich nahe. Um sie zu retten, wurden in einer Sofortmaßnahme tonnenweise Wasserbausteine in den Bach gekippt, zudem stellte man eine Stahlschutzwand auf. Die Töl 24, so Niedermaier, wäre "weg gewesen, wenn nicht sofort etwas passiert wäre". Für Herda wäre zwar der Platz da, um die Straße etwa 600 bis 800 Meter vom Bach weg zu verlegen. Dies käme allerdings erheblich teurer als eine Verlegung des Rissbachs. "Wir befinden uns da in Abstimmung mit der Unteren und mit der Höheren Naturschutzbehörde", sagt er.

Ein große Debatte schließt sich der Rundtour nicht an. Kreisrat Max Korntheuer (ÖDP) will wissen, wie die Grünflächen an den Straßenrändern ökologisch aufgewertet werden können, nachdem das bayerische Verkehrsministerium eine Richtlinie dazu erlassen hat. An der Kreisstraßen werde das Gras von den Straßenmeistereien Wolfratshausen und Bad Tölz zweimal im Jahr gemäht, erwidert Herda. Um die Richtlinie umzusetzen, gibt es Vogt zufolge eine Art Kartierung mit Arealen, die in Frage kommen. "Diese Flächen müssen erst einmal definiert werden", erklärt er. "Sie müssen eine Mindestbreite von 3,5 Metern und eine Mindestgröße von 300 Quadratmetern haben." Sie würden dann nur einmal im Jahr gemäht. An der Töl 7 zwischen Bad Tölz und Königsdorf sind drei solche Areale schon identifiziert.

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