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Ausverkauf am Brauneck:Liftsessel im Biergarten

Als die Bergbahn den Finstermünzsesselllift ausrangiert, sichert sich der Gastwirt Sepp Jäger vier der 83 Zweiersitze. Sie sind für ihn ein Stück Kindheit. Bis zum Herbst soll die Schrödlsteinbahn errichtet werden.

Vier Zweiersitze vom alten Finstermünzsessellift, mit dem er als Kind einst am Brauneck zum Skifahren bergauf schwebte, hat der Tölzer Gastwirt Sepp Jäger für je 50 Euro pro Stück gekauft. Er hatte Glück. Die alten Sessel waren in kurzer Zeit ausverkauft.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Alteisen, loses Mauerwerk und Holz: Viel mehr ist vom ehemaligen Finstermünzsessellift am Brauneck durch die angelaufenen Abrissarbeiten nicht übrig geblieben. Wenn sich aber Sepp Jäger an den Lift erinnert, wird er nostalgisch. Schon als kleiner Bub sei er auf den Zweiersesseln bergauf geschwebt, erzählt der 35 Jahre alte Tölzer und Inhaber des Gasthofs "Jägerwirt" in der Kreisstadt. "Ich bin ein leidenschaftlicher Skifahrer." Oftmals sei er am Brauneck in Lenggries über die Piste geschwungen, das sei praktisch sein Hausberg. "Ich habe es schade gefunden, dass die den Lift einfach abreißen." Deshalb hat er sofort zugeschlagen, als die Bergbahn-Betreiber alle 83 Sessel verkauften, und sich vier Stück gesichert.

Zwei der alten Zweiersessel mit originaler Schaumstoffauflage stehen nun im Biergarten seines Wirtshauses. Jäger hat eigens Füße aus Metall dafür gebaut und genau darauf geachtet, diese nur anzuschrauben. Denn den ursprünglichen Zustand der Skiliftsessel wollte er unbedingt erhalten. In seinem Privatgarten stehen die zwei übrigen Sessel. Einer ist ebenfalls zur Bank umgearbeitet, der andere hängt an einem Stahlseil am Baum. Pro Stück hat Jäger 50 Euro gezahlt. "Ich wollte unbedingt die Nummer 60 haben", sagt er. "Denn mein Vater wird heuer 60." Und das habe auch geklappt, freut sich der Gastwirt.

So viel Glück wie Jäger hatte Andreas Welzmiller von der Flori-Hütte am Brauneck nicht. Er hätte selbst gerne einen der Sessel ergattert. "Wir hatten uns schon überlegt, eine Hollywoodschaukel daraus zu machen", sagt er. Direkt zum Saisonschluss am 7. April hatte er bei den Bergbahn-Betreibern angefragt. "Da war alles schon reserviert." So groß war das Interesse an den jahrzehntealten, gebrauchten Skiliftsesseln. Wie der Bergbahn-Betriebsleiter Stefan Schnitzler erzählt, hätten so viele angefragt, dass leicht die doppelte Menge hätte verkauft werden können.

Als letzte Relikte des Finstermünzsesselliftes werden die Sessel wohl in vielen Gärten erst einmal weiterexistieren. Nach 42 Jahren hatte die alte Anlage zum Saisonschluss ausgedient. Die moderne Schrödlsteinbahn mit Sechsersesseln soll schon zur nächsten Wintersaison die Skifahrer schneller auf den Berg bringen. Dafür investiert die Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH insgesamt etwa neun Millionen Euro, inklusive neuer Beschneiungsmaschinen an den Pisten der Bahn.

Bevor mit dem Neubau begonnen wird, musste die alte Anlage erst einmal abgerissen werden. Die Bergbahn GmbH hat damit unmittelbar nach Saisonschluss begonnen. Solange noch Schnee gelegen habe, seien Mitarbeiter mit Pistengeräten zu den Stützen gefahren und hätten die Eisenkonstruktion mit dem Schneidbrenner umgeschnitten, erzählt Schnitzler. Mit Baggern oder der Materialseilbahn würden die insgesamt elf Stützen vom Berg gebracht. Weil die Liftanlage schon alt sei, habe sie nur noch Schrottwert, sagt der Betriebsleiter. Deshalb sei es auch nicht infrage gekommen, den alten Finstermünzlift beispielsweise ins Ausland zu verkaufen, wie das teils bei ausrangierten Anlagen üblich ist. "Das ist normales Alteisen", sagt Schnitzler. Das Material werde ganz normal verschrottet. Auch die Baustoffe an den Liftstationen zu entsorgen, sollte aus seiner Sicht unproblematisch sein. Denn die Gebäude bestünden hauptsächlich aus losem Mauerwerk und Holz. Die Bergstation könne sowieso erst später abgerissen werden, solange im Gebiet noch die Schutzzeit für Raufußhühner bis Ende Juni gelte. Darüber hinaus sind die Abrissarbeiten des alten Liftes laut Schnitzler aber weitgehend abgeschlossen.

Wird der Zeitplan eingehalten, soll die neue Schrödlsteinbahn schon im Oktober dieses Jahres fertiggestellt sein. In Lenggries erwarten die Bergbahn-Betreiber, dass die Stützen für den neuen Lift des Seilbahnunternehmens Leitner aus Sterzing in Südtirol schon bald eintreffen werden. Die einzelnen Elemente würden mit Lastwagen in den Isarwinkel transportiert, erläutert Schnitzler. Dort würden sie auf dreiachsige Kieslaster umgeladen und auf den bestehenden Wegen bergauf gebracht. Anschließend würden die Elemente mit der Materialseilbahn positioniert und aufgestellt. "Wir brauchen keinen Hubschrauber", sagt der Betriebsleiter. Von unten sollen sich die Beschäftigten langsam nach oben arbeiten.

Umso schneller und bequemer sollen es später die Skifahrer haben. Denn am Berg gilt längst die Devise: Geschwindigkeit. Bisher war der Finstermünzkessel zwischen 1200 und 1500 Höhenmetern ein Nadelöhr. Statt 650 Skifahrern pro Stunde mit dem alten Doppelsessellift können nun in demselben Zeitraum 2400 Wintersportler bergauf befördert werden. Zusätzlich gibt es für Verfrorene noch eine Sitzheizung obendrauf. Und die Schließbügel verriegeln und öffnen sich automatisch.

Mit den Investitionen will die Bergbahn das Skigebiet am Brauneck touristisch stärken. Mit dem Finstermünzsessellift, den zwei Schleppern am Florihang sowie dem Schlepplift am Bayernhang hatte die Bergbahn-GmbH bereits 2017 alle früheren Anlagen von Josef Singhammer aufgekauft und später dann die Modernisierungen angekündigt.

Dies bedauert Gastwirt Jäger aus Bad Tölz. Singhammer habe er persönlich kennengelernt. Daher sicherte sich der Tölzer wenigstens die vier Liftsessel. "Aus Nostalgiegründen hätte der Sessellift nicht sterben dürfen", sagt Jäger.