Aus dem Landgericht "Es war wirklich immer Liebe"

In dieser Flüchtlingsunterkunft in der Geretsrieder Jahnstraße soll der Mordversuch stattgefunden haben.

(Foto: Thekla Krausseneck)

Ein 24-Jähriger soll in einem Geretsrieder Flüchtlingsheim versucht haben, aus Eifersucht seine Frau zu erwürgen

Von Andreas Salch, Geretsried

Seine Frau habe er immer geliebt, sagt der Angeklagte. "Es war wirklich immer Liebe", versichert der 24-Jährige den Richtern am Landgericht München II. "Warum das alles passiert ist", was ihm die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage zu Last legt, das wisse er auch nicht: Es geht um versuchten Mord und versuchten Schwangerschaftsabbruch. Ende Juli vergangenen Jahres soll der 24-jährige Automechaniker, der mit seiner Familie in der Asylbewerberunterkunft in der Jahnstraße lebte, versucht haben, seine Frau zu erwürgen. Das Motiv soll Eifersucht gewesen sein. Der Anklage zufolge war der 24-Jährige fest davon überzeugt, dass seine Frau ihn mit anderen Männern betrügt und von einem sogar schwanger sei. Inzwischen hat der Automechaniker seine Meinung geändert. "Das Kind ist mein Kind", sagte er zum Auftakt des Prozesses vor dem Schwurgericht. Seine Frau hat den Buben mittlerweile zur Welt gebracht.

Nach der Verlesung der Anklageschrift erklärte der Verteidiger des 24-Jährigen, Rechtsanwalt Günter Reisinger, für seinen Mandanten, dass dieser "zu keinem Zeitpunkt tatsächlich die Absicht hatte, seine Frau zu töten".

Die Fotos, die Gerichtsmediziner nach der Attacke Ende Juli 2018 von der Mutter gemacht haben, sprechen allerdings eine andere Sprache. Darauf zu sehen sind "Punktblutungen" am rechten Auge sowie unter beiden Lidern, ebenso im Bereich der linken Gesichtshälfte sowie eine "stumpfe Verletzung im Bereich des Halses". Als der Vorsitzende Richter, Thomas Bott, dem 24-Jährigen die Bilder am Richtertisch zeigt, behauptet dieser: "Ich habe nur mit einer Hand stark zugedrückt." Staatsanwalt Matthias Braumandl reicht das nicht. Die Verletzungen auf den Fotos passten nicht zu seiner Aussage, fährt er den 24-Jährigen an. Außerdem, so Braumandl, sei es ihm mittlerweile zu heiß im Gerichtssaal, weshalb er kein Interesse daran habe, sich "so einen Mist anzuhören".

Durch die Würgeattacke ihres Mannes soll die Mutter von drei Kindern sogar bewusstlos geworden sein. Das stimme nicht, beteuerte ihr Mann. Er sei bereit, auf den Koran zu schwören. Richter Thomas Bott belehrte den Automechaniker, dass es vielmehr darum gehe, was er und die anderen Richter des Schwurgerichts glauben.

Der mutmaßlich versuchte Mord soll der Höhepunkt einer Reihe gewalttätiger Übergriffe des Automechanikers auf seine Frau gewesen sein. Ende Mai 2018 soll der 24-Jährige sie laut Anklage erstmals "ohne rechtfertigenden Grund oder entschuldigenden Anlass über mehrere Stunden" geschlagen und ihr mit einem Obstmesser in den linken Arm gestochen haben. Als er sie am späten Abend des darauffolgenden Tages erneut geschlagen haben soll, hatte die Polizei dem 24-Jährigen verboten, die Unterkunft zu betreten. Der Automechaniker soll bei allen Übergriffen auf seine Frau stark alkoholisiert gewesen sein. Auf die Frage des Vorsitzenden, was der Grund für die Auseinandersetzungen gewesen sei, sagte der 24-Jährige: "Es war immer ein familiärer Streit." Zudem sei er sich "ganz sicher", dass seine Frau Probleme habe. Er glaube nicht, dass seine "Besoffenheit ein Problem" für sie gewesen sei. Eine Sozialarbeiterin hatte der Mutter kurz vor dem mutmaßlichen Mordversuch dabei geholfen, einen Brief an die Regierung von Oberbayern zu verfassen. Darin bat sie "wegen regelmäßiger häuslicher Gewalt" um eine "räumliche Trennung von ihrem Mann".

Nach der Festnahme des 24-Jährigen hatte die junge Mutter bei einem Ermittlungsrichter aussagen müssen. Dabei sagte sie, dass sie nicht wolle, dass ihr Mann wegen ihr in Haft bleiben müsse. Der Prozess dauert an.