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Nach zweieinhalb Jahren:Abschied nach oben

Andrea Titz Direktorin Amtsgericht Wolfratshausen Wechsel ans Landgericht Traunstein Vizepräsidentin Justiz

Am Landgericht in Traunstein hat Andrea Titz ihre juristische Karriere begonnen. Für sie ist der Wechsel eine Rückkehr an einen geschätzten Ort.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Wolfratshauser Amtsgerichts-Direktorin Andrea Titz wechselt zum 1. Februar ans Landgericht Traunstein.

Für Andrea Titz ist es ein Karriereschritt. Das Wolfratshauser Amtsgericht hingegen muss sich nach nur zweieinhalb Jahren eine neue Leitungspersönlichkeit suchen: Die bisherige Direktorin wird bereits zum 1. Februar in den Südosten Bayerns wechseln. Die 50-jährige Juristin übernimmt dann am Landgericht in Traunstein die Position als Vizepräsidentin. "Für mich ist das die Möglichkeit einer weiteren Beförderung", begründet Titz ihren Schritt. Und: "Es ist eine Rückkehr an ein Gericht, das ich sehr schätze." Denn vor 25 Jahren hat die Juristin dort ihre Berufskarriere als Staatsanwältin begonnen, zehn Jahre war sie in dieser Behörde tätig.

Mit dem Wechsel verliert die Flößerstadt eine juristisch prägende Persönlichkeit. Vor ihrer Zeit in Wolfratshausen stand Titz als Pressesprecherin am Münchner Oberlandesgericht im Licht der Öffentlichkeit. Sie erklärte die Position der Justizbehörde im Prozess gegen das rechtsextremistische Terrornetzwerk "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Ebenso war sie in dem Steuerverfahren gegen den früheren FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß oder die Verhandlung gegen den ehemaligen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone öffentlich präsent. Durch ihre Vorliebe für ausgefallene Kleidung stach sie auch optisch in der juristischen Zunft heraus.

Am Traunsteiner Landgericht arbeiten 40 Richter. Als Vizepräsidentin wird Titz dort Verwaltungsaufgaben übernehmen. Zudem steht sie als Richterin einer Berufungsstrafkammer vor. Dass sie jetzt in den Südosten des Freistaats wechselt, sei aber keine Entscheidung gegen Wolfratshausen, betont Titz.

Besonders herausfordernd sei es für sie gewesen, am Amtsgericht den konzentrierten Bereitschaftsdienst aufzubauen. Das bedeutet, dass täglich bis 21 Uhr einschließlich des Wochenendes ein Richter ansprechbar sein muss, der etwa über Abschiebungen oder Einweisungen in die geschlossene Psychiatrie entscheiden muss. Dafür waren fünf Richter des Amtsgerichts für den gesamten Zuständigkeitsbereich des Landgerichts München II zwischen Garmisch-Partenkirchen und Fürstenfeldbruck zuständig. "Das ist etwas, worauf wir alle stolz schauen können", betont Titz.

Zu Beginn ihrer Direktorinnentätigkeit am Wolfratshauser Amtsgericht musste die Juristin größere Baumaßnahmen abschließen. Denn in dem Gebäude an der Bahnhofstraße wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. So entstand beispielsweise eine neue Schleuse für Besucher im Eingangsbereich. Zusätzlich zu ihren Verwaltungsaufgaben entschied Titz als Richterin über Familiensachen. Und erst kürzlich, zum 1. November des vergangenen Jahres, hatte sie die Zuständigkeit über die Jugendstrafkammer übernommen. "Dass das nur so kurz sein würde, war damals noch nicht absehbar", sagt Titz. Aber in der Justiz würden sich immer wieder Gelegenheiten ergeben.

Nur noch bis Ende kommender Woche wird die 50-Jährige in Wolfratshausen tätig sein. Wie Titz sagt, werde sie sich an die Zusammenarbeit mit ihren Kollegen am Amtsgericht in der Loisachstadt gerne erinnern. Von allen Mitarbeitern sei sie freundlich aufgenommen und unterstützt worden. "Ich habe viele sehr gute Kontakte geknüpft", sagt Titz. "Es hat sehr viel Spaß gemacht."

© SZ vom 23.01.2020
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