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Ammerland:Unesco-Berater fürchten Abriss der Max-Villa

Der Internationaler Rat für Denkmalpflege kritisiert die Eigentümerin für den Verfall der Villa.

Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) protestiert gegen den Verfall der Max-Villa in Ammerland (Gemeinde Münsing). Das in Privatbesitz befindliche Haus am Ostufer des Starnberger Sees ist eines von nur zwei Objekten in Bayern, deren sich der Rat angenommen hat.

Die Max-Villa ist mittlerweile zum Thema für den internationalen Denkmalschutz geworden. Unterdessen bröckelt sie weiter vor sich hin.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In dem 140 Jahre alten Gebäude lebte einst der Künstler, Spiritist und Darwinist Gabriel von Max (1840-1915). Seit Jahren kämpfen engagierte Bürger für die Erhaltung der Villa, während die Besitzerin nichts zur Sicherung unternommen hat. Im Icomos-Bericht heißt es, die stark verfallenen Balkone der Villa seien ein klares Zeichen dafür, dass die Eigentümerin nichts anderes im Sinn habe, als das Gebäude trotz bestehender Restaurierungskonzepte abzureißen. Tatsächlich hat sie vor kurzem einen Abrissantrag gestellt.

Michael Petzet, früherer Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und heute Präsident des Deutschen Nationalkomitees von Icomos, stellte am Montag in Berlin den Icomos-Bericht vor. Die Organisation setzt sich für den Schutz und die Pflege von Denkmälern und die Bewahrung des historischen Kulturerbes ein und berät in diesen Fragen die Unesco.

Durch die Nennung in diesem Bericht gerät der Verfall der Max-Villa zum ersten Mal in den Blick einer internationalen Öffentlichkeit. Für das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen - die Untere Denkmalschutzbehörde - sei dies aber kein Grund zu einer neuen Stellungnahme, hieß es am gestrigen Dienstag auf SZ-Anfrage. Es sei bekannt, dass Landrat Josef Niedermaier gegen den Abriss der Villa sei.

Der Schutzverband für das Ostufer des Starnberger Sees (OSV) sieht sich durch Icomos in seiner Haltung bestätigt. "Das unterstreicht einmal mehr unsere Forderung an das Landratsamt, dringend tätig zu werden", sagte der Zweite Vorsitzende Klaus-Peter Reid der SZ. Der OSV hatte Anfang April in einem offenen Brief an den Landrat die Enteignung der Besitzerin der Max-Villa gefordert. Bisher ist dies ohne öffentliche Antwort geblieben.

Der Pressesprecher des Landesamts für Denkmalpflege, Richard Nemec, verwies am Dienstag erneut auf das im Januar erstellte Gutachten seiner Institution zur Villa Max. Danach sei das Baudenkmal "instandsetzungsfähig". Jetzt müsse das Landratsamt tätig werden.

Icomos bemängelte, dass die Besitzerin der Max-Villa bis jetzt nichts zu deren Sanierung unternommen habe, obwohl das bayerische Landesdenkmalschutzgesetz sogar einen Entschädigungsfonds vorsehe. Diesen könnten Eigentümer in Anspruch nehmen, wenn sie nicht genügend Geld besäßen, um die Reparaturen selbst zu bezahlen.

Die internationalen Denkmalschützer weisen nicht nur auf die kulturhistorische Bedeutung der Villa an sich hin, sondern auch auf deren Innenausstattung, die der Architekt Emanuel von Seidl um 1900 herum für "den berühmten Maler Gabriel von Max" ausgeführt habe.