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Wohnen in den Lenbachgärten:Wer lebt hier eigentlich?

So aufgeräumt wie hier ist selbst München nur an wenigen Orten: Die Lenbachgärten haben sich dem Luxus verschrieben. Von außen wirken die Gebäude fast majestätisch, doch auf dem Gelände ist es wie ausgestorben.

Von Friederike Zoe Grasshoff

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Quelle: Stephan Rumpf

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Wohnen in den Lenbachgärten:Lenbachgärten

Alles liegt da in schönster Ruhe, alles hat seine Ordnung - so aufgeräumt wie hier ist selbst München nur an wenigen Orten. Die Lenbachgärten überragen den Alten Botanischen Garten wie eine Festung. Die weißen Häuserfassaden erinnern an Gründerzeitvillen, quadratische Büsche flankieren die Gehwege, an einem Springbrunnen steht ein großer Weihnachtsbaum.

Was von außen so majestätisch aussieht, wirkt innen meist wie ausgestorben. Auf dem Innenhof des Wohngebäudes Max Palais: keine Anwohner, kein Kindergeschrei, keine Musik, keine streitenden Ehepaare. Wo ist das Leben?

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Viele Rollläden sind heruntergezogen, nur aus ein paar Fenstern dringt Licht, das ist hier keine Ausnahme, sondern eher der Normalzustand. Ab und zu schleicht ein Gärtner über den Hof, am Empfang des Max Palais steht ein Doorman im schwarzen Anzug und telefoniert. Bei so viel Starre muss man sich fragen: Wohnt überhaupt jemand in diesem luxuriösen Komplex?

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Die Lenbachgärten wurden von 2006 bis 2009 für 440 Millionen Euro gebaut und bestehen aus mehreren Wohnhäusern, Bürogebäuden und dem Charles Hotel; insgesamt gibt es hier 154 Wohnungen. Auf der Webseite des Bauherrn Frankonia Eurobau werden die Gärten als "das exklusivste und eleganteste, preisgekrönte Premium-Stadtquartier mitten in der Münchner Innenstadt" gepriesen. Es ist eine Welt aus Marmorböden, französischen Balkonen und Doorman-Service. Eine Welt, die die Frankonia mit solchen Slogans bewirbt: "Land ist eine Währung, die jede Krise übersteht." Oder: "Leben im Geiste der Könige."

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Im Sommer hoppeln hier zumindest ein paar Kaninchen über den Rasen, junge Mütter spielen an der Piazzetta mit ihren Kindern, und im Außenbereich des Restaurants "Gourmeats" sitzen Geschäftsleute. Doch jetzt im Winter wirkt das Luxusquartier zwischen Hauptbahnhof und Stachus noch leerer als sonst. Fragt man Passanten, ob sie hier wohnen, hört man ein verschämtes: "Nein, leider nicht." Und wenn sich jemand dazu bekennt, hier zu leben, soll die Presse nichts darüber wissen. Was in den Lenbachgärten passiert, bleibt in den Lenbachgärten.

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Eine Frau im Rentenalter gibt zwar an, hier zur Miete zu wohnen, weiß aber ansonsten von nichts, vor allem nichts von ihren Nachbarn. Die sehe man ohnehin so gut wie nie. Ab und an kaufe jemand eine Wohnung und verschwinde dann, manchmal für ein paar Wochen, manchmal monatelang. Und ja, im Sommer sei es hier schon sehr leer, aber das sei doch normal. Oder?

Der Vorstandsvorsitzende der Frankonia sieht das anders: Uwe Schmitz zufolge sind "99 Prozent aller Wohnungen im freifinanzierten Bereich" verkauft. Das bedeutet, dass die Wohnungen nicht durch öffentliche Mittel gefördert werden wie die 51 Sozialwohnungen in der Karlstraße, die ebenfalls zu den Lenbachgärten gehören. Nur vier Wohnungen stünden derzeit leer.

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Wie es dann sein könne, dass das Viertel so leblos wirke? Schmitz' Erklärung: Die meisten Käufer hätten ihren ersten Wohnsitz zwar in München, seien aber zwischendurch "auch mal in London oder New York". "Das sind schließlich betuchte Leute" - wie der Vorstandsvorsitzende von einem der größten DAX-Unternehmen. Und natürlich Kunden aus dem Ausland: Amerikaner, Briten, ein Russe.

Der Internetseite "Immobilienscout" zufolge kostet eine Wohnung in den sogenannten Steidle Lofts 2 025 000 Euro. Größe: knapp 200 Quadratmeter. Inklusive: zwei Balkone, Sicherheitstüren und "Deckenkühlung im Masterbedroom". Was auch immer das sein mag.

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Quelle: Stephan Rumpf

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Verkauft werden die Wohnungen nicht durch die Frankonia selbst, sondern das Immobilienbüro Dr. Than. Zu leer stehenden Luxuswohnungen oder der Frage nach etwaigen Zeit- und Drittwohnungen der Käufer will man sich nicht äußern - und schon gar nicht, wenn es wieder "um so eine Gentrifizierungsgeschichte" gehen soll. Stattdessen verweist ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will, auf die Sozialwohnungen in der angrenzenden Karlstraße. Dort sei ja auch Platz für "08/15-Menschen".

© Süddeutsche.de/sonn
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