bedeckt München
vgwortpixel

Immobilien:Berlin will beim Wohnungsbau von München lernen

Grünanlage am Mildred-Scheel-Bogen in München-Schwabing, 2016

Wird Bauland ausgewiesen, muss in München mindestens 30 Prozent an den sozial geförderten Wohnungsbau gehen.

(Foto: Natalie Neomi Isser)
  • Beide Großstädte haben ein ähnliches Problem: Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum.
  • Eine Berliner Delegation besuchte nun München, besonders das Stadtquartier Domagkpark an der ehemaligen Funkkaserne.
  • Das Besondere daran: Genossenschaften werden von der Stadt besonders stark unterstützt.

Die Stadt wächst wie verrückt. Jedes Jahr steigt die Zahl der Einwohner in der Größenordnung einer mittleren Kreisstadt, und ein Ende des enorm starken Zuzugs ist nicht absehbar. Das trifft seit Jahren auf München zu, aber in jüngster Zeit auch auf die Bundeshauptstadt.

Wer aber glaubt, Berlin sei nicht mit München zu vergleichen - schließlich leben an der Spree derzeit 3,61 Millionen Menschen, an der Isar 1,53 Millionen - der irrt: Beide Großstädte haben das gleiche Problem. Es gibt viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum.

Eine kleine Delegation Berliner Politiker machte sich deshalb nach München auf, um von der bayerischen Landeshauptstadt zu lernen, wie man mit dem hohen Siedlungsdruck umgehen kann. "Die Entwicklung, die München in den vergangenen 20 Jahren hatte, bekommen wir nun innerhalb von drei Jahren", sagte der Berliner Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup (SPD) bei der Besichtigung des neuen Stadtquartiers Domagkpark im Münchner Norden. Auf dem Gelände der ehemaligen Funkkaserne entstehen bis zum kommenden Jahr Wohnungen für 4000 Menschen.

Immobilienmarkt Immobilien in München: "Der Wahnsinn geht weiter"
Grundstückspreise

Immobilien in München: "Der Wahnsinn geht weiter"

Ein neu gebautes Reihen-Eckhaus kostet heute fast doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Grund dafür ist der zunehmende Platzmangel. Und eine undurchsichtige Politik.   Von Alfred Dürr

Das Besondere an dem Projekt: Die Wohnhäuser werden von Genossenschaften, Wohnungsunternehmen, Baugemeinschaften und sonstigen Bauträgern unter strengen Auflagen entwickelt und gebaut. Das Großprojekt hat Modellcharakter. Denn die Grundstücke auf dem 33 Hektar großen Gelände zwischen Frankfurter Ring und Domagk-straße wurden letztlich unter dem eigentlichen Marktwert verkauft, um die Mieten erschwinglich zu halten.

Die verschiedenen Bauträger - von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag über die Genossenschaften Wogeno, Wagnis und Frauenwohnen bis hin zu Baugemeinschaften - haben sich zu einer Art Konsortium zusammengeschlossen. Im Domagkpark gelten jahrzehntelanges Umwandlungsverbot in Eigentumswohnungen, Wohnflächenobergrenzen und die Auflagen, keine Luxusausstattungen in den Wohnungen zuzulassen.

Dass Genossenschaften in einem Neubaugebiet wie dem Domagkpark so stark von der Stadt unterstützt werden, beeindruckt die Berliner Delegation. "Der Münchner Weg ist schon etwas ganz Besonderes", findet der Bundestagsabgeordnete Mindrup. Insbesondere die städtische Vergabepraxis, dass auch auf Privatgrundstücken mindestens 30 Prozent sozial geförderter Wohnungsbau entstehen muss, sei "vorbildlich für Berlin und ganz Deutschland".

In der Bundeshauptstadt ist es zwar mittlerweile so, dass öffentliche Grundstücke überhaupt nicht mehr an private Bauträger vergeben werden, wie der Berliner Senator für Stadtentwicklung, Andreas Geisel (SPD), sagt. Das liege aber vor allem daran, dass das Land kaum noch eigenes Grundeigentum habe.

Das Flächenproblem ist an der Spree so groß, dass es dort auch gar keine Stellplatzverordnung für Autos gibt. Damit spart sich Berlin viel Platz, der sonst für Parkgaragen gebraucht würde. Über den immer noch geltenden strengen Münchner Stellplatzschlüssel kann der Berliner Senator deshalb nur lächeln. Da sollte München durchaus noch von Berlin lernen.

Wohnen in München Wohnen ist in München mittlerweile doppelt so teuer wie vor 20 Jahren
Mietmarkt

Wohnen ist in München mittlerweile doppelt so teuer wie vor 20 Jahren

Die Mieten und etliche Nebenkosten sind dramatisch gestiegen, ein Ende der Steigerung ist vorerst nicht in Sicht.   Von Heiner Effern