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Wiesn 2016:Hendl-Rochade auf dem Oktoberfest

Aufbau Oktoberfest

Wer darf auf der Wiesn Geschäfte machen und wer nicht? An diesem Dienstag fällt die Entscheidung für das diesjährige Oktoberfest.

(Foto: dpa)
  • Die Enten- und Hühnerbraterei Heimer hat offenbar nicht die nötige Punktzahl erreicht, um einen Platz auf der Wiesn zu bekommen.
  • In diesem Jahr ist Poschner wieder dabei - diese Hühnerbraterei hatte im vergangenen Jahr überraschend keinen Platz zugewiesen bekommen.
  • Die Stadt vergibt die Plätze nach einem umfänglichen Punktesystem, das manchem allerdings eher undurchsichtig erscheint.

Die Wege des Punktekatalogs sind zwar nicht unergründlich, aber manchmal doch recht verworren. Jeder Gastronom und jeder Schausteller, der zum Oktoberfest zugelassen werden will, muss eine Bewerbung einreichen, die von der Stadt nach einem umfangreichen Punktesystem bewertet wird. Die insgesamt erreichte Punktzahl entscheidet dann darüber, wer einen der begehrten Standplätze auf der Wiesn bekommt. Oder auch nicht.

In diesem Jahr sieht alles danach aus, als ob es wieder eine Hendlbraterei erwischen wird, nachdem im vergangenen Jahr die Hühnerbraterei Poschner völlig überraschend weichen musste. 80 Jahre war sie auf der Wiesn gewesen, dann flog sie vom Platz, weil sie weniger Punkte erreicht hatte als Konkurrent Josef Able mit seinem neuen Zelt Goldener Hahn. Poschner zog vor Gericht, zu einer Verhandlung ist es bislang noch nicht gekommen, aber die erneute Bewerbung für dieses Jahr hatte Erfolg: Poschner ist ebenso wie der Goldene Hahn wieder auf dem Oktoberfest vertreten.

Weil der Platz für Hühnerbratereien aber nicht größer wird, muss zwangsläufig eine andere weichen. Und wieder wird es einen Traditionsbetrieb treffen: die Enten- und Hühnerbraterei Heimer (Werbespruch: "Die Heimer-Ente - ein Muss für alle Wiesn-Gänger!"), auch bereits seit 44 Jahren auf dem Oktoberfest, davon die letzten 26 Jahre ohne Unterbrechung.

Laut der Vorlage für die nichtöffentliche Sitzung des Stadtratsausschusses für Arbeit und Wirtschaft, der für die Zulassungen zuständig ist, hat Heimer erstmals nicht die erforderliche Punktzahl erreicht. Wirt Ignaz Schmid, der sonst den Wintergarten auf dem Elisabethmarkt betreibt, traf die Nachricht aus heiterem Himmel. "Wir haben aktuell über 100 000 Euro in die behutsame Renovierung unserer traditionellen Einrichtung investiert und sogar einen Bühnenmaler des Bayerischen Nationaltheaters engagiert, der die historischen Fassadengemälde originalgetreu restauriert hat", erzählt er. "Wir erhalten damit ein Stück Münchner Geschichte und schaffen eine Art Heimat für unsere Gäste."

Die steigen inzwischen zusammen mit Heimers 16 Bedienungen auf die Barrikaden, nachdem die Nachricht vom Rauswurf vorab in der SZ stand. Eine Unterschriftensammlung über die Petitions-Plattform Change.org hatte am Montagnachmittag schon an die 850 Unterzeichner gefunden. "Wir Heimer-Bedienungen und unsere Stammgäste sind entsetzt!", heißt es dort: "Ist jetzt, da es mit der Oidn Wiesn einen eingezäunten Bereich für Tradition gibt, auf der Original-Wiesn die Tradition zum Abschuss freigegeben?"

Hilfe von verschiedenen Seiten

Und Heimer bekommt prominente Schützenhilfe. Der Dramatiker und Schriftsteller Albert Ostermaier schrieb gar einen offenen Brief - ach was: eine flammende Verteidigungsrede für den Hühnerbrater an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), den Zweiten Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) und an den Stadtrat. Heimer verbinde nicht nur "aufs Schönste, Sinnlichste und Überzeugendste Tradition, Qualität, Freundlichkeit, Gastlichkeit und Leidenschaft", sondern sei auch eine "Oase inmitten des Oktoberfestausnahmezustands".

Hier sei ein Treffpunkt von Fußballern, Politikern, Schauspielern wie Brigitte Hobmeier und Udo Wachtveitl und Schriftstellern wie Fritz Ani und Georg M. Oswald, aber auch ganz normalen Münchnern. Und besser noch: "Fast jeder Wiesngegner, den ich ins Heimer mitgenommen habe, wurde danach zum Wiesnliebhaber und hat seine Vorurteile aufgegeben."

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