Wertvolle Maschine Die "Hitlermühle" aus dem Wald

Die Hobby-Schatzsucher Max Schöps und Volker Schranner bergen in Aying eine Verschlüsselungsmaschine, die im Zweiten Weltkrieg zum Chiffrieren von Nachrichten diente. Das Gerät ist nun im Deutschen Museum.

Von Michael Morosow, Aying

Das Ayinger Land ist oberhalb der Grasnarbe idyllisch schön, unterhalb bietet sie eine Schatzkammer für Historiker. Fundstücke aus allen Epochen seit der Besiedelung der Schotterebene hat es schon freigegeben. Manchmal musste man gar nicht lange graben danach. Wie der Ertl "Giagl" aus Kleinhelfendorf, als er 1998 ein 3400 Jahre altes Bronzeschwert auf einem Feld entdeckte, samt der Urne seines letzten Besitzers. Jüngst erregten die Freilegung eines mittelalterlichen Erdstalls und die Entdeckung von Spuren eines römischen Kastells öffentliche Aufmerksamkeit. Was nunmehr die Ayinger Erde freigegeben hat, wird zwar einen Altertumswissenschaftler nicht vom Hocker reißen, aber für einen Krypto-Historiker stellt das Fundstück einen Schatz dar: ein Schlüsselgerät 41, bekannt auch unter der Bezeichnung "Hitlermühle".

Das Gerät diente Ende des Zweiten Weltkrieges dem deutschen Geheimdienst zur Verschlüsselung von Nachrichten, die den Feind nicht erreichen sollten. Was den Fund beinahe einzigartig macht: Nur etwa 500 Verschlüsselungsgeräte von diesem Typ wurden in der Schlussphase des Krieges von den Wanderer-Werken in Chemnitz hergestellt, und bei Kriegsende dann häufig vernichtet. Das Schlüsselgerät 41, das nun entdeckt wurde, ist also eine Rarität, und die Tatsache, dass es vor circa 70 Jahren in einem Waldstück bei Aying vergraben wurde, nennt die Kryptografie-Expertin Carola Dahlke einen Glücksfall.

Das Schlüsselgerät 41 wurde in einem Ayinger Waldstück gefunden.

(Foto: Deutsches Museum)

Von großem Glück sprechen auch Max Schöps aus dem Ayinger Ortsteil Heimathofen und sein Spezl Volker Schranner. Die beiden hatten nach einem Goldschatz gesucht und ein seltenes mechanisches Dokument der neueren Zeitgeschichte gefunden. Vermutlich seit Kriegsende hat das Gerät im Waldboden bei Aying gelegen, bis die beiden Hobby-Schatzsucher Schöps und Schranner Anfang Mai, mit ihren Metallsuchgeräten um die Ecke bogen, der Detektor etwas Metallisches unter dem Waldboden anzeigte und die beiden Freunde zum bisher wertvollsten Fund ihres Schatzsucherlebens führte.

Der Lagerist Schranner geht schon seit 20 Jahren "sondeln", der Zimmerer Schöps seit etwa zehn. "Wir haben uns zufällig auf einer Wiese kennengelernt", berichtet Schranner - seitdem suchen sie gemeinsam. "Natürlich hofft man immer auf einen Goldschatz. Das ist ein bisschen wie beim Lottospielen", sagt er. Die beiden fanden in etwa 40 Zentimetern Tiefe das Gerät. "Ich war zuerst einmal enttäuscht, weil ich dachte: Da haben wir eine Feldschreibmaschine entdeckt, wie sie von Soldaten im Zweiten Weltkrieg benutzt wurde", erinnert sich Schranner. Das Schlüsselgerät 41 sieht einer Schreibmaschine tatsächlich ein wenig ähnlich - es hat auch eine "QWERTZ"-Tastatur wie unsere heutigen Computer und die damals üblichen Schreibmaschinen. Aber ein wenig im Internet nach Typ und Wert des Fundstückes suchen wollte Schöps dann doch. Und als er fündig wurde, griff er zum Telefon: "Weißt du, was wir da entdeckt haben?" fragte er rhetorisch seinen Freund Schranner. Die Antwort: Ein Schlüsselgerät 41, wegen der Kurbel an der Seite auch "Hitlermühle" genannt, eine der seltensten Chiffriermaschinen überhaupt. Das Chiffriergerät, so viel ist bekannt, sollte kurz vor Kriegsende die Enigma ablösen - zumal das Oberkommando der Wehrmacht annahm, dass die deutschen Verschlüsselungsmaschinen wie die Enigma und die Lorenz nicht mehr sicher genug seien. Daher entwickelte der Kryptologe Fritz Menzer zwischen 1939 und 1944 neue Verschlüsselungsgeräte. Darunter auch die "Hitlermühle", deren Algorithmus deutlich sicherer gewesen sein soll als jener der heute so berühmten Enigma.

Ihr Fund bekommt einen Ehrenplatz im Deutschen Museum. Volker Schranner (links) und Max Schöps machen der Kryptografie-Expertin Carola Dahlke eine große Freude mit ihrem Geschenk.

(Foto: Deutsches Museum)

Allerdings wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nur wenige dieser Maschinen hergestellt. Aus damaligen Dokumenten geht hervor, dass vor allem die Abwehr - also der deutsche Geheimdienst - diese Maschine nutzte. Bei Kriegsende wurden viele Chiffriergeräte häufig zerstört oder in Gewässern versenkt. Wer eine dieser "Hitlermühlen" in einem Waldstück bei Aying vergraben hat, wird wohl nicht mehr zu erfahren sein. Jedenfalls hat der Unbekannte damit der Kryptografin und Kuratorin Carola Dahlke und dem Deutschen Museum ungewollt einen großen Gefallen getan. Zum Schlüsselgerät 41 existieren kaum Aufzeichnungen. Angesichts der schlechten Quellenlage können Krypto-Historiker auch weiterhin nur auf eine der wenigen Anekdoten verweisen, die im Zusammenhang mit dem Schlüsselgerät 41 überliefert sind. Diese trug sich in Norwegen zu, wo kurz nach Kriegsende eine "Hitlermühle" gefunden wurde, in der noch die letzte ausgedruckte Nachricht steckte: "Der Fuehrer ist tot. Der Kampf geht weiter. Doenitz." Ein solcher Bodenfund sei sehr selten, schwärmt Dahlke, die die Maschine genauso ausstellen will, wie sie gefunden worden war, lediglich eine weitere Korrosion werde verhindert. Die Finder freuen sich, dass ihr Fund ins Deutsche Museum kommt. "Es gab durchaus noch andere Angebote", sagt Schöps. "Aber wir wollten, dass die Maschine im Lande bleibt - und nicht in den USA oder England in einer Privatsammlung verschwindet, wo sie kein Mensch sehen kann."

Ausgestellt wird das Schlüsselgerät 41 in der neuen Dauerausstellung "Bild - Schrift - Codes", die Ende 2019 öffnen soll.