Volkstheater fehlen Lagerräume:Bühne ohne Requisiten

Der Platz geht aus: Das Münchner Volkstheater steht nach der Kündigung seiner Lagerräume vor großen Problemen. Nun hofft man in der Brienner Straße auf die finanzielle Unterstützung der Stadt.

Melanie Staudinger und Christian Mayer

Das Volkstheater München steht vor großen Schwierigkeiten: Ihm geht der Platz aus. Bereits im Sommer hat ein privater Eigentümer den Mietvertrag für die angrenzenden Lagerräume gekündigt. Bis Mitte Januar müssen sie geräumt sein. "Für uns wird das ein riesiger Aufwand", sagt Volkstheater-Pressesprecher Frederik Mayet. Der in etwa zu jeder Vorstellung so aussieht: Bühnenbild abbauen, die Einzelteile auf einen Sprinter laden und zur Augustenstraße bringen, dort auf einen Lastwagen verfrachten und zu einem Container irgendwo in der Stadt fahren.

Volkstheater fehlen Lagerräume: Weil der Mietvertrag für die Lagerräume gekündigt wurde, sucht das Volkstheater nach alternativen Lösungen.

Weil der Mietvertrag für die Lagerräume gekündigt wurde, sucht das Volkstheater nach alternativen Lösungen.

(Foto: Robert Haas)

"Uns fehlen mehrere hundert Quadratmeter Fläche für 15 bis 16 Bühnenbilder", erklärt Mayet. Im vergangenen halben Jahr seien mehrere Alternativen geprüft worden, das Requisitenlager in der Nähe unterzubringen. Im Hinterhof gebe es Garagen, doch die Eigentümer wollten nicht verkaufen. Die Stadt München ließ daraufhin prüfen, ob sie das Gebäude nicht um eine Etage erweitern könnte. "Das geht aber wegen der Statik nicht so einfach", sagt Bürgermeister und Theater-Aufsichtsratsvorsitzender Hep Monatzeder (Grüne). Die Option ist ihm zufolge aber noch nicht ganz vom Tisch. In einem Gutachten werde gerade untersucht, ob sich die statischen Probleme nicht doch lösen ließen. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2012 vorliegen.

Bis dahin aber braucht das Volkstheater eine Übergangslösung. "Die Logistik mit Containern ist schwierig und kostet viel Geld", sagt Mayet. Zudem befürchtet er Ärger mit den Nachbarn, wenn ständig große Lastwagen vor dem Volkstheater anrollen. "Wir brauchen einfach Lagerflächen am Haus", sagt er. Dennoch habe er Verständnis, dass die Statik-Prüfung noch einige Zeit dauern werde: "Die Stadt tut sich nicht leicht. Sie weiß nicht, was das kosten wird. Und das Gebäude gehört ihr auch nicht." Eigentümer des Theaters in der Brienner Straße ist der bayerische Fußballverband.

Im zehnten Jahr seiner Amtszeit als Theaterintendant kommt also einiges zu auf Christian Stückl: Er hatte bereits zum Einstand eine Menge getan, um das Haus einigermaßen auf den neuesten Stand zu bringen. Allerdings standen damals, im Sommer 2002, nur 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Nicht gerade eine bedeutende Summe, um das verstaubte Theater flottzumachen, immerhin reichte es für Änderungen im Treppenhaus und bei der kleinen Bühne, für neue Leuchten, Böden und Decken.

Eine Bereicherung war auch das neue Restaurant neben dem Bühnenbetrieb, der Volksgarten - vor allem im Sommer mischen sich hier Theaterfans und Biergartengäste. Ungebrochen ist die Popularität des Volkstheaters, das in der Ära Stückl mit spannenden, oft auch unterhaltsamen Inszenierungen auf sich aufmerksam machte - und den ebenfalls städtischen Kammerspielen immer mal wieder richtig Konkurrenz machte.

Nun hofft man in der Brienner Straße auf die finanzielle Unterstützung der Stadt bei der Lösung der Probleme. Ganz so schlimm wie bei der Kernsanierung der Münchner Kammerspiele vor zehn Jahren oder beim Deutschen Theater, das gerade aufwendig instandgesetzt wird, wird es schon nicht kommen.

© SZ vom 17.12.2011/afis
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB