Vodafone Kabelbetreiber muss sich für irreführende Werbung entschuldigen

Vom 29. März an wird das Antennenfernsehen DVB-T abgeschaltet: Vodafone wollte sich die Verunsicherung der Kunden zunutze machen.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Vodafone Kabel Deutschland ist mit einem Brief auf Kundenfang gegangen, der aussieht wie amtliche Post.
  • Darin macht der Kabelnetzbetreiber Werbung für seine Dienste und nutzt die Verunsicherung der Menschen über die bevorstehende Abschaltung des Antennenfernsehens DVB-T aus.
  • Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat das Unternehmen abgemahnt.
Von Tobias Ott

Genau so sehen offizielle Briefe aus: Oben links im Adressfeld ein paar Zahlen und das Zeichen der Deutschen Post, oben rechts ein Kasten, der betont umständlich in Behördendeutsch gehalten ist: "Merkmale Vorgangsdaten". Und dann, ganz oben auf dem Din-A4-Blatt in der Mitte, ein Stempel: "Wiederholter Zustellversuch", steht da geschrieben, ein Datum ist zu sehen sowie eine unleserliche Unterschrift.

So etwas muss offiziell sein, das bedeutet sogar womöglich Ärger, welche Behörde steckt da nur dahinter? Gar keine, das Blatt Papier, das zahlreichen Münchnern noch immer in die Briefkästen flattert, ist reine Werbung. Vodafone will die Adressaten davon überzeugen, doch bitte TV-Kabelanschlusskunden zu werden.

Neuer TV-Standard

Das bringt das neue Antennenfernsehen DVB-T2 den Zuschauern

Bald gibt es einen neuen Standard für digitales Fernsehen über Antenne. Das bedeutet: mehr Sender, besseres Bild, aber viele brauchen ein neues Zusatzgerät.   Von Helmut Martin-Jung

Eigentlich hätte die Sache mit der irreführenden Werbung schon ausgestanden sein sollen. Mit dem Werbebrief in Behördenoptik war Vodafone Kabel Deutschland vor einigen Wochen zum ersten Mal auf Kundenfang gegangen. Nachdem Verbraucherschützer die Briefe kritisiert und sogar davor gewarnt hatten, wollte der Telefonkonzern die Werbekampagne umgehend stoppen. Doch in München tauchten in den vergangenen Tagen weiterhin die mattrosafarbenen Umschläge auf, was nun wiederum Fragen an den Konzern aufwirft.

"Am 19. Januar haben wir den Versand gestoppt", sagt ein Sprecher von Vodafone. Dass immer noch Briefe im Umlauf sind, liege an den "Altlasten", da Werbebriefe bei der Deutschen Post nicht oberste Priorität in der Zustellung hätten, erläutert der Sprecher. Vodafone habe zudem alle Werbeaktionen und die Kommunikation rund um das Thema DVB-T eingestellt. Darum geht es in den Briefen nämlich: Nach der baldigen Abschaltung des Antennenfernsehens DVB-T sollen die Verbraucher zu Vodafone wechseln.

Das Unternehmen greift damit die Verunsicherung vieler Nutzer auf, dass ihr TV-Gerät vom 29. März an - dem Stichtag der Abschaltung - in München und Umgebung schwarz bleiben könnte. Deshalb das in amtlicher Optik gehaltene Schreiben, deshalb auch die kleinen Kärtchen mit einer "wichtigen Information" über eine "wichtige Neuerung der Telefon- und Internet-Telefonie", die der Konzern ebenfalls verschickte. Und zwar mit der fett gedruckten Aufforderung, doch spätestens bis Ende Februar anzurufen, dadurch könnten sich Preis und Leistung verbessern.

Die Verbraucherzentralen erhielten zahlreiche Proteste von verärgerten Bürgern. Ihr Urteil: "irreführende Werbung". Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat Vodafone abgemahnt. Ruft man heute die auf dem Schreiben genannte kostenfreie Nummer an, erhält man deshalb nicht den nächsten freien Mitarbeiter für einen Vertragsabschluss an die Strippe, sondern hört eine auf das Band gesprochene Entschuldigung für die "eventuell aufgetretenen Missverständnisse". Weiter in der Ansage versucht Vodafone das Vorgehen zu begründen: "Wir setzen verschiedene Werbemittel in unterschiedlichen Gestaltungsformen ein." Konkreter wird der Unternehmenssprecher: "Das hätte nicht passieren dürfen und wir sind zu Recht kritisiert worden."

DVB-T Jetzt auf DVB-T2 umsteigen - oder der Fernseher bleibt schwarz

DVB-T-Abschaltung im März

Jetzt auf DVB-T2 umsteigen - oder der Fernseher bleibt schwarz

Am Mittwoch wird der Fernsehempfang per DVB-T in vielen Regionen eingestellt. Wer weiter fernsehen will, muss rechtzeitig aufrüsten oder wechseln.   Von Christian Simon