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Viktualienmarkt:Schöner bleiben

Die Händler werden befragt, die Bürger auch - und all das soll in eine behutsame, sanfte und liebevolle Sanierung des Viktualienmarkts münden. Dies verspricht Kommunalreferent Axel Markwardt, der damit alle Ängste vor einem Abriss frühzeitig entkräften will

Von Thomas Anlauf

Behutsam, sanft, liebevoll: Diese drei Wörter betont Kommunalreferent Axel Markwardt am Dienstag immer wieder, wenn er von der geplanten Sanierung des Viktualienmarkts spricht. Dieser sei "ein Herzstück der Landeshauptstadt" und zähle "zu den schönsten Märkten, die die Welt zu bieten hat". Beinahe klingt es so, als beließe Markwardt den Viktualienmarkt am liebsten so, wie er ist. Doch viele Stände sind marode, vier der fünf Keller müssen saniert werden. Und der Kommunalreferent weiß, dass seine Wortwahl behutsam, sanft, liebevoll sein muss, um nicht die Münchner wegen der Sanierung aufzubringen.

Markwardt betont deshalb, dass es um die Zukunft des Marktes gehe. Die Händler sollten mit der Sanierung eine langfristige Existenzsicherung haben; dazu zähle auch, dass ihnen die Stände künftig wieder lebenslang zugewiesen werden sollen. In den vergangenen Jahren wurden einigen Marktleuten lediglich Drei-Jahres-Verträge angeboten, weil derzeit nicht klar ist, ob tatsächlich alle Stände in der derzeitigen Größe und am momentanen Platz erhalten bleiben können.

Diese Fragen sollen in den nächsten Schritten erörtert werden. Am Donnerstag will sich Markwardt vom Stadtrat ein sogenanntes Bürgergutachten genehmigen lassen. 100 zufällig ausgewählte Münchner werden dann mit Unterstützung von Händlern, Planern und Behördenvertretern in verschiedenen Projektgruppen jeweils vier Tage lang Empfehlungen für die Sanierung des größten Münchner Markts erarbeiten. Das Ergebnis wird anschließend dem Stadtrat vorgelegt und in eine Machbarkeitsstudie eingearbeitet.

Die Marktleute werden zusätzlich in den Prozess eingebunden: Zwischen 20. März und 13. April werden Mitarbeiter des bereits jetzt eingeschalteten Architektur- und Planungsbüros ausführliche Gespräche mit allen Händlern führen, um deren individuellen Bedürfnisse und Probleme zu erfahren. Darüber hinaus wird es künftig einmal im Monat einen Händlerstammtisch geben, bei dem die Planer sowie Vertreter der Markthallen München anwesend sind.

Am Dienstagabend stellte Markwardt die Pläne und den vorläufigen Zeitplan vor. Die rund 70 anwesenden Marktleute reagierten erleichtert auf die Zusicherung, dass der Viktualienmarkt behutsam saniert und nicht geschlossen werden soll. Voraussichtlich im Juli 2018 soll der Stadtrat einen Vorplanungsauftrag verabschieden, in dem es hauptsächlich um den Umfang der Sanierungsarbeiten geht. Von den wichtigsten Bauarbeiten, die wohl frühestens 2019 beginnen, werden die Münchner relativ wenig mitbekommen. Von den fünf Kellern unter dem 22 000 Quadratmeter großen Platz wurde erst einer weitgehend saniert, andere ähneln mehr Verschlägen als Lager- und Kühlräumen für Lebensmittelhändler.

Auch über die Lage der Standl wird sicherlich in den kommenden Monaten diskutiert. Viele stehen viel zu eng zusammen, andere schaffen tote Räume, in die sich kaum Kunden verlaufen. Ob es künftig noch die Zeltstände geben wird, ist derzeit offen. Oberbürgermeister Dieter Reiter gibt aber als Richtlinie vor, dass es "eine behutsame Sanierung im Bestand" geben wird. Die Standl werden also Stück für Stück renoviert oder erneuert.

© SZ vom 22.02.2017

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