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Viertel-Stunde:Erinnerung an den Bauern-Aufstand

Es geht eng zu in diesem Teil der Oberländerstraße.

(Foto: privat)

Rund um den Großmarkt sind zahlreiche Straßen nach den Akteuren der Sendlinger Revolte gegen die österreichischen Besatzer benannt. Wer heute dort wohnt, hat mit modernen Geißeln zu tun - dem Autoverkehr zum Beispiel

Von Birgit Lotze

Im Jahr 1905 gedachte man des 200. Jahrestages der Sendlinger Mordweihnacht. Zum Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Margaret erschien sogar Prinzregent Luitpold mit Gefolge. Da sich wegen des Arbeiter-Zuzugs zu dieser Zeit - der Südbahnhof war bereits Umschlagplatz für Südfrüchte - das Viertel auf dem Sendlinger Unterfeld gerade rasant entwickelte, lag es nahe, die neu entstehenden Straßen nach Helden des Freiheitskampfes und ihren Herkunftsorten zu benennen.

Johann Georg Aberle, einer der Anführer des Bauernaufstands, bekam also seine Straße, mehrere Bauern aus Gotzing, einem Dorf zwischen Weyarn und Miesbach, wurden mit dem Gotzinger Platz geehrt. Die meisten Aufständischen kamen aus dem Oberland, deshalb gibt es auch eine Oberländerstraße. Sie beginnt im Osten am Gotzinger Platz, direkt am Westtor des Großmarkts, und endet - nachdem man die Implerstraße überquert und einige Straßenzüge mit Aufständischennamen gekreuzt hat - in einer steilen Treppe an der Isarhangkante. An der Oberländerstraße gibt es viele Altbauten, in Jugendstil, Neorenaissance, barockisierend oder auch neugotisch, so wie die Himmelfahrtskirche.

Viele Häuser sind denkmalgeschützt, vor allem im westlichen Teil mit dem Kopfsteinpflaster. Hier ist auch nicht viel Verkehr, Einbahnregelung bis zur Treppe. Ganz anders präsentiert sich die Lage an der Oberländerstraße auf der anderen Seite der Implerstraße in Richtung Großmarkt. Da ist weit mehr los. Viele kleine Imbisse, Cevapcici, Kebab, das Bräustüberl, man sitzt draußen. Doch es sind nicht nur die Lokale, die Leben bringen. Was sich dort auf der relativ schmalen Straße tut, ist oft beeindruckend. Zumindest, was die Fahrkünste angeht. Denn seit die Brücke gesperrt ist, über die man früher vom Großmarkt die außengelagerten Obstgroßhändler wie Greenyard und die Bananenreiferei erreichte, wird der Lkw-Verkehr umgeleitet. Die Schwertransporter sollen von der Schäftlarnstraße von Osten auf das Großmarktgelände hineinfahren und dann auf der anderen Seite hinaus. Doch viele Lkw-Fahrer wollen sich den Weg über die Schäftlarnstraße und das Großmarktgelände sparen, fahren sozusagen in die Gegenrichtung. Und das wird eng, denn dort parken beidseitig Autos, sogar der Bus fährt. Deshalb ist die Oberländerstraße seit mehr als einem Jahr in nahezu jeder Sitzung Thema im Bezirksausschuss. Die Anwohner fühlen sich durch Hupen, Fahrzeuglärm und Abgase massiv gestört. Sie sind nicht im Freiheits-, sondern im Befreiungskampf.

© SZ vom 14.11.2020
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