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Verkehrsdebatte:Umverteilung gescheitert

Auf der Berg-am-Laim-Straße bleibt es bei vier Spuren für Autos

Von Ilona Gerdom, Berg am Laim

In vielen Stadtteilen hat sich das Straßenbild verändert: Markierungen auf dem Asphalt weisen nun temporäre Radwege aus. Dafür verlieren Autofahrende eine Fahrspur. Im Bezirksausschuss (BA) Berg am Laim stand nun im Kontext dieser Pop-up-Radwege wieder einmal zur Debatte, ob man den Straßenraum nicht auch an der Berg-am-Laim-Straße umverteilen und dem Autoverkehr eine Spur wegnehmen könnte. Nach einiger Diskussion entschied sich das Gremium dagegen.

Der Antrag für eine Radl-Strecke kam von der SPD. Aktuell sei es weder für Fußgänger noch für Radfahrer an der Berg-am-Laim-Straße möglich, den wegen Corona nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Deshalb wurde gefordert, auf Höhe der Annabrunner beziehungsweise Riedgaustraße bis zur Baumkirchner Straße einen Radstreifen auszuweisen. Das hätte zur Folge, dass die Straße, die in diesem Bereich besonders stauanfällig ist, für den Pkw-Verkehr in beide Richtungen einspurig würde.

Befürworter der Idee fanden sich bei den Grünen. So wies Fraktionssprecher Hubert Kragler daraufhin, dass das Auto ohnehin viel Raum einnehme: "Dem kann man schon mal etwas wegnehmen." Julian Zieglmaier (Linke) sprach sich dafür aus, dass man für eine "innovative Stadtgestaltung" Ausgaben in Kauf nehmen könne.

Bei der CSU erntete der Vorschlag Kritik. Die beiden Fraktionssprecher Thomas Höhler und Johann Kott vertraten die Ansicht, dass eine solche Fahrradspur den Anwohnern nicht zuzumuten sei. Laut Kott bedeutet diese Übergangslösung "mehr Radler und Autos und damit mehr Stau, mehr Abgase und mehr Ausweichverkehr". Fabian Ewald (CSU) lehnte den Antrag ebenfalls kategorisch ab. Darin spiegle sich die Enttäuschung darüber, dass die Stadt den BA-Antrag aus der vergangenen Wahlperiode zurückgestellt habe, die Berg-am-Laim-Straße einspurig zu gestalten. Der jetzige Antrag sei der Versuch, die zweite Fahrbahn auf Umwegen abzuschaffen. Ein weiteres Problem sei die "absolut schwierige Finanzlage". Das Geld solle man besser in eine langfristige Verbesserung der Radinfrastruktur stecken. Mit einer Stimme Mehrheit lehnte der BA die Pop-up-Strecke ab.

© SZ vom 06.08.2020

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