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Verkehr:Trommeln für den zweiten Tunnel

Schon einmal haben Petra Lejeune und Hermann Grub ein Verkehrsprojekt unter dem Englischen Garten auf den Weg gebracht, nun gehen sie in den Bezirksausschüssen erneut auf Werbetour - diesmal für eine unterirdische Park-Tram

Von Stefan Mühleisen, Schwabing/Lehel

Während die Debatte um die Tram-Nordtangente durch den Englischen Garten andauert, prüft die Stadt auch eine Alternative via Tunnel durch den Park, basierend auf einem Konzept des Schwabinger Architekten-Ehepaars Hermann Grub und Petra Lejeune. Die Stadtwerke München (SWM) untersuchen eine Tunnel-Variante im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, wie ein SWM-Sprecher bestätigt - für das rührige Ehepaar ein Ansporn, jetzt erneut offensiv mit einer Kampagne an die Öffentlichkeit zu gehen.

Grub und Lejeune haben schon einmal eine erfolgreiche Werbetour für ein Verkehrsprojekt durchgezogen. Das Ehepaar war maßgeblicher Initiator für die als "Wiedervereinigung des Englischen Gartens" bezeichnete Untertunnelung des Mittleren Rings, die der Stadtrat 2017 beschlossen hat. Für ihr Engagement in dieser Sache wurden die beiden mit der Ehrenmedaille "München leuchtet" in Gold ausgezeichnet, Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nannte die künftige Autoröhre einen "Glücksfall für die Stadt".

Über die Achse Martius- und Thiemestraße müsste die Tram auf den Park zufahren.

(Foto: Stephan Rumpf)

Und als solchen sieht das Ehepaar nun auch eine unterirdische Passage für die umstrittene Trambahnlinie durch den Park. Seit Langem sind sie bekennende Gegner einer oberirdischen Trasse. "Es ist ein Gartendenkmal von Weltrang", sagt Hermann Grub und bezeichnet das Konzept als "Kompromiss zur Rettung des Englischen Gartens". Und während die städtischen Behörden die Alternativen abwägen, beginnen Grub und Lejeune nun in lokalpolitischen Gremien für ihr Röhren-Konzept zu trommeln. Diesen "Plan B für die Tram durch den Park", so der Titel, werden sie am Dienstag, 15. Januar, in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-Freimann im Gemeindesaal der Erlöserkirche, Ungererstraße 17, vorstellen. Ferner haben sie das Interesse der SPD im Bezirksausschuss Altstadt-Lehel geweckt, die darauf hinwirkt, dass der Tramtunnel-Plan in der Februar-Sitzung präsentiert wird.

Die Tram-Nordtangente soll auf 13 Kilometern eine Tangentialverbindung zwischen St. Emmeram in Bogenhausen und dem Romanplatz in Neuhausen werden. Allerdings muss eine 2,2 Kilometer lange Trassenlücke zwischen Elisabethplatz und Tivolistraße erst gebaut werden; durch den gut einen Kilometer langen Gartenabschnitt in den Vierteln Schwabing und Lehel sollen spezielle Akku-Trams rollen, um das Errichten von Oberleitungen im Park zu vermeiden. Eine solche "Gartentram" ist nach wie vor in der Bevölkerung umstritten. Zuletzt kochten die Emotionen bei einer Infoveranstaltung der SWM im Dezember hoch, eine Anwohnerin hatte etwa eine Protest-Fahne mit der Aufschrift "Bin absolut gegen diesen Wahnsinn" dabei. Der Stadtrat hat den Weg für die Planung des Projekts unterdessen bereits frei gemacht - über die Ausführungsvariante muss aber noch gesondert entschieden werden.

Es könnte auch sein, dass die Tramstrecke irdisch gesichert werden müsste.

(Foto: Simulation: Architekturbüro Grub + Lejeune)

Grub und Lejeune haben ihr Konzept in Kooperation mit der renommierten Münchner Ingenieurgesellschaft Obermeyer Planen + Beraten ausgearbeitet. Demnach wäre der Tunnel 4,50 Meter hoch und acht Meter breit; er soll damit nicht nur für Trams sondern auch für Busse und Rettungsfahrzeuge befahrbar sein. Die westliche Tunnelein- und ausfahrt erfolgte über die Thiemestraße mit einer 90 Meter langen Rampe. Die Trasse ist unter jener Straße geführt, auf der die Busse seit Jahrzehnten oberirdisch fahren; auf der Ostseite sollen die Autos an der Tivolistraße, Ecke Hirschauer Straße auf Höhe der Uni-Gebäude an die Oberfläche kommen beziehungsweise dort hineinfahren.

Die Baukosten setzt das Grub-Lejeune-Konzept mit 45 Millionen Euro an. Die tatsächlichen Mehrkosten mit der Tunnellösung für die 2,2 Kilometer lange Gesamttrasse taxieren Grub und Lejeune jedoch nur auf 16 Millionen Euro. Sie stellen dafür folgende Rechnung auf: Die Baukostenschätzung für die oberirdische Variante liege bei 40 Millionen Euro, wobei die Hälfte der Strecke die Gartentrasse umfasse. 20 Millionen Euro würden also eingespart und müssten der Tunnellösung angerechnet werden, sodass die Röhre nur noch 25 Millionen Euro koste; davon zieht das Architektenpaar noch einmal neun Millionen ab - jenen Betrag, den ausweislich des Papiers die Firma Siemens in einer schriftlichen Expertise für die Nachrüstung von zwölf Straßenbahnen für den Akku-Betrieb angegeben habe. "Dieser riesige Aufwand mit batteriebetriebenen Trambahnen und deren Wartung würde entfallen. Schon deshalb rechnet sich ein Tunnel", zeigt sich Petra Lejeune überzeugt. Ob diese Rechnung auch die Fraktionen im Rathaus zu überzeugen vermag, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Ob die Tram in einen Tunnel taucht ist noch offen.

(Foto: Simulation: Architekturbüro Grub + Lejeune)

Petra Lejeune und ihr Mann hoffen überdies, dass sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für ihre Idee erwärmt. Als er noch Finanzminister war, fiel auch der Englische Garten als Liegenschaft des Freistaats in sein Ressort. "Und er hat den Park sehr gefördert", erinnert sich Hermann Grub.

© SZ vom 14.01.2019
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