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"Various Others":Selbstsicherer Auftritt

Bei der dritten Ausgabe von "Various Others", einer eigentlich auf Internationalität ausgelegten Ausstellung, sind in diesem Jahr zahlreiche Galerien aus Berlin und München zu Gast. Alle Beteiligten wollen Corona trotzen - und suchen einen noch engeren Schulterschluss.

Von Evelyn Vogel

Der zeitgenössischen Kunst- und insbesondere Galerieszene Münchens mehr internationales Gewicht zu verleihen, dazu ist die Vereinigung von Galerien, Off-Space, Museen, Institutionen und Vereinen vor drei Jahren unter dem Titel "Various Others" angetreten. Doch Internationalität in diesen Zeiten ist kein einfaches Unterfangen. Partnergalerien aus dem Ausland können ebenso wie Künstler und Sammler coronabedingt oft nicht reisen.

So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Various Others vor allem von einer deutsch-deutschen Austauschpartnerschaft in diesem Jahr dominiert wird und viele Galerien aus Berlin in München zu Gast sind - wenn auch mit zahlreichen internationalen Künstlern: Esther Schipper ist beispielsweise bei Walter Storms, der neu aufgenommen wurde von Various Others und die Runde als Münchner "Schwergewicht" wieder ergänzt, nachdem Barbara Gross schon vor Corona beschlossen hatte, nach 32 Jahren als Galeristin aufzuhören. Als weitere Berliner sind die König-Galerie bei Rüdiger Schöttle, Sandy Brown bei Deborah Schamoni, Contemporary Fine Arts bei Christine Mayer, Peres Projects bei Nir Altman und Lars Friedrich bei Nagel Draxler zu Gast. Der gebürtige Münchner Christian Nagel und seine Partnerin Saskia Draxler unterhalten erst seit einem Jahr einen kleinen Galerieraum in München und sind der zweite Neuzugang bei Various Others in diesem Jahr. Durch ihre beiden Stammsitze in Köln und Berlin sind sie bestens vernetzt. Auch Off-Spaces wie Loggia und Ruine strecken in diesem Jahr ihre Fühler nach Berlin aus, ebenso wie der vereinsbasierte Kunstraum in der Holzstraße.

Daneben sind aber auch internationale Galerie-Beteiligungen zu beobachten. Der kleine Fructa Space empfängt Gäste aus Brüssel, Jahn und Jahn kooperieren mit Galerien aus London und Madrid, Jo van de Loo hat Beat Raeber aus Zürich und Knust Kunz haben Pace Prints aus New York zu Gast. Und zwei Wiener Connections gibt es auch: Die Christine-König-Galerie ist bei Klüser und die Galerie Emanuel Layr bei Sperling.

Auffällig ist, dass der Schulterschluss zwischen Galerien, Off-Spaces und Institutionen noch enger geworden zu sein scheint. So präsentieren sich die Museen mit ihrem Gesamtprogramm auf der Website von Various Others. Wodurch beispielsweise die Ausstellung "Paradise Edict" von Michael Armitage im Haus der Kunst, die an diesem Donnerstag eröffnet, zu einem Teil des übergreifenden Ausstellungsformats und -festivals wird. Ebenso wie die von Lucy McKenzie, die am 9. September im Museum Brandhorst eröffnet wird, Sheela Gowdas "Collateral"-Installation in der Lukas-Kirche im Lehel, die vom Lenbachhaus ausgerichtet wird und am 11. September beginnt, und Anish Kapoors Installation für die Rotunde der Pinakothek der Moderne, die am 16. September erstmals zu sehen sein wird.

Ebenfalls dabei ist die Sammlung Goetz, deren Haus wegen Renovierung noch geschlossen ist, die aber auf verschiedenen Billboards in der Stadt Kunst im öffentlichen Raum von Felix Gonzalez-Torres beisteuert. Nicht zuletzt haben zahlreiche Teilnehmer von Various Others Vorträge, Gespräche und andere Sonderveranstaltungen organisiert. Und mit drei Specials sind private Kunstsammlungen (Art'Us Collectors' Collective at Breiterhof), das Auktionshaus Karl & Faber (mit der in jeder Hinsicht ausgezeichneten Videoarbeit von Paul Valentin) und ein Taschen Pop-Up-Store in Haidhausen in diesem Jahr mit dabei.

Various Others: Mittwoch, 9. Sep., bis 11. Okt., Infos und Programm unter www.variousothers.com

© SZ vom 02.09.2020
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