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Untragbare Zustände:Helfer ohne Schutz

Caritas kritisiert den Mangel an Masken für Pflegemitarbeiter

Foodtruck für Arme und Obdachlose an der Schwanthalerstraße 46 bis 48

Über einen zweiten Foodtruck, der in der Schwanthalerstraße 46-48 steht, versorgt die Caritas Arme und Obdachlose mit Lebensmitteln.

(Foto: Florian Peljak)

Allen Versprechungen zum Trotz erhalten Altenheime und ambulante Dienste kaum die dringend benötigten Atemschutzmasken und Schutzkleidung. Die Beschäftigten in den 26 Caritas-Altenheimen in der Erzdiözese München und Freising und in der ambulanten Pflege setzten dabei täglich ihre Gesundheit aufs Spiel, sagte Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. "Alle sind enttäuscht und besorgt über den Mangel an Schutzausrüstung." Es sei skandalös, wenn, wie aktuell für München gemeldet, eine Verteilung von Schutzmasken nur noch an Covid-19 positiv bestätigte Fälle erfolge. Das Verteilungssystem sei vollkommen überlastet, zu langsam und zu unorganisiert. Ständig heiße es, man stehe auf der Warteliste, sagte Stark-Angermeier. "Wir brauchen die Schutzkleidung sofort und auch permanenten Nachschub."

Stark-Angermeier bezeichnete es als untragbar, dass die ambulante Pflege das Schlusslicht in der Versorgung bilde. "Wir zahlen inzwischen Wucherpreise für einfache Schutzmasken. Das ist ein Skandal, dass sich hier manche Menschen an der Not bereichern." Die Caritas-Vorständin forderte mehr Testungen für Mitarbeiter und Altenheimbewohner. Immerhin funktioniere dies in der Stadt München etwas besser als in den Landkreisen.

Rund 30 000 Beschäftigte der Caritas und der angeschlossenen Organisationen in der Erzdiözese engagierten sich tagein tagaus in Altenheimen, in der ambulanten Pflege, der Behindertenhilfe und in der Sozialberatung, betonte Caritasdirektor Georg Falterbaum. Diese Leistung müsse ausreichend abgesichert und finanziert werden. "Wir sind trotz aller Beschränkungen, Betretungsverbote und Schließungen jeden Tag für die Menschen da, die auf unsere Hilfe angewiesen sind." An vorderster Front stünden die Beschäftigten, die sich in der stationären und ambulanten Pflege um die Corona-Risikogruppen kümmerten. Offiziell habe die Staatsregierung die Pflegeeinrichtungen mit den Krankenhäusern gleichgestellt, "in der Praxis haben wir dennoch das Nachsehen" bei der Verteilung von Schutzausrüstung.

Falterbaum trat außerdem dafür ein, der knappen Personaldecke jetzt durch eine unbürokratische gesetzliche Ausnahmemöglichkeit zur Beschäftigung von Mitarbeitern in Altersteilzeit, Rentnern oder Nicht-EU-Bürgern entgegenzuwirken. Finanzvorstand Thomas Schwarz forderte, dass die durch die Corona-Krise für die Dienste entstehenden Mehrkosten vollständig finanziert werden: "Wir brauchen finanzielle Mittel, um unsere Mitarbeitenden in ihrem täglichen Kampf zu unterstützen." Zusammen mit der Stadt haben die Träger der Bahnhofsmission und ihre Spitzenverbände Caritas und Diakonie das Angebot für bedürftige Menschen im Stadtzentrum ausgebaut. Seit Anfang dieser Woche versorgt die Caritas mit einem Foodtruck an der Ecke Luisen-/Elisenstraße Arme und Obdachlose mit Essen. Ein zweiter Foodtruck steht seit Donnerstag an der Schwanthalerstraße 46 bis 48, um Lebensmittel zu verteilen, eine Ausgabestelle für Kleidung und Hygieneartikel kommt dort noch hinzu.

© SZ vom 03.04.2020

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