Unterschleißheim Unter einem glücklichen Stern

Bei den Rockkonzerten im Lohwald (Bild oben) ging es ebenso unterhaltsam zu wie beim Opern-Open-Air auf dem Rathausplatz.

(Foto: Catherina Hess)

Fast alles läuft nach Plan beim Unterschleißheimer Stadterhebungsfest - bis hin zur Rettung eines 46-Jährigen

Von Alexandra Vettori, Unterschleißheim

Die Stadt hat sich die Feier zum 15-jährigen Bestehen als solche einiges kosten lassen. Und die Unterschleißheimer nahmen die dreitägige 150 000-Euro-Sause mit Freuden an. Tausende waren am Wochenende unterwegs und hatten die Qual der Wahl angesichts der Fülle von Konzerten, Aktionen und Einkehrmöglichkeiten. Auch die vorausgesagten Gewitter blieben aus, bei der Freilicht-Oper Carmina Burana am Freitagabend schien es gar, als habe der Wettergott Regie geführt, als sich um 21 Uhr dramatische Gewitterwolken am Himmel türmten, die Musiker ihre Notenblätter im Wind festhalten mussten und doch alle trocken nach Hause kamen.

Das Ensemble Venezia Festival Opera hätte sich keine bessere Atmosphären-Kulisse für das Schlussstück O Fortuna wünschen können, und die weit mehr als 1000 Besucher auf dem Rathausplatz harrten gebannt aus, bis sich die Begeisterung in frenetischem Applaus entlud. Mit Kind und Kegel, Hund, Gartenstuhl und Decke waren sie gekommen und lauschten Solisten, Chor und Orchester. "Es ist super", schwärmten Ines und Robert, ein junges Paar, das extra aus Parsdorf hergefahren war. Von einer Arbeitskollegin, die in Unterschleißheim wohnt, hatten sie von der Gratis-Open-Air-Oper gehört und das Kommen keine Sekunde bereut. "Die Gewitterwolken und der Wind haben die Stimmung gerade jetzt zum Schluss noch besser gemacht", sagt Ines lachend. Wie viele Menschen auf dem Rathausplatz waren, konnte auch der Mann von der Security nicht sagen, "jedenfalls gesteckt voll", sagt er nur.

Auch am anderen Ende von Unterschleißheim, im Lohwald, ertönte zu der Zeit Musik, wenn auch der härteren Art. Hier rockte die Band Ruhestö(h)rung ab und heizte den Besuchern des Lampionfestes zusätzlich zu den tropischen Temperaturen ein. Es roch nach Steckerlfisch und Zuckerwatte, und an den Biertischen war kein Platz mehr zu haben. Melanie, die sich mit ihrer fünfjährigen Tochter zum Spielplatz zurückgezogen hatte, war zufrieden: "Ich finde es toll, dass man so ein großes Fest macht. Da ist endlich mal was los - wie in einer richtigen Stadt", sagt sie grinsend. Richtig was los war dann vor allem am Samstag was, als Besucher abends vor der Wahl standen: Lucy Grave und Münchner Freiheit auf dem Rathausplatz oder doch lieber The Petrols, Heldenfrühstück und die Abba-Cover-Band auf der Bühne im Lohwald? Nur die Jugend hat mal wieder nicht so mitgemacht, wie es sich die erwachsenen Organisatoren vorstellten. Lange war gebettelt worden, dass wieder einmal eine Schaumparty im Jugendzentrum Gleis 1 steigen solle. Jetzt, beim Stadtfest war es soweit, die Kanonen setzten den Funcourt am Freitag eineinhalb Meter hoch unter Schaum, die Bässe hämmerten - doch gerade mal ein Dutzend hatte sich zum glitschigen Tanzvergnügen eingefunden. Ob es an einer Ankündigung lag, in der fälschlicherweise der Samstag als Datum genannt war, wusste keiner zu sagen.

Der Star des Stadtfestes stand dann schon fest, als es noch lange nicht zu Ende war: ein Defibrillator. Am späten Samstagnachmittag erlitt ein 46-Jähriger aus Unterschleißheim auf dem Rathausplatz einen Kreislaufstillstand. Glücklicherweise war auch die Feuerwehr mit einem Infostand zu den Defibrillatoren da. Während zwei Helfer und ein Arzt mit der Wiederbelebung begannen, holte ein Dritter den Defi aus der 25 Meter entfernten Notrufsäule. Mit seiner Hilfe kam der Patient noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes wieder zu Bewusstsein. Damit haben die erst kürzlich aufgestellten Notrufsäulen mit Defibrillatoren schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen einen Menschen vor dem plötzlichen Herztod gerettet. Kein Wunder, dass die Unterschleißheimer Feuerwehr beim sonntäglichen Sautrogrennen auf dem See mit einem Fahrzeug startete, das einem Defibrillator nachempfunden war.