Überfall auf Chopard in München Polizei hatte Hinweise auf Juwelenraub

Mit einer Axt und Vorschlaghammer haben Räuber die Eingangstür zum Juwelier Chopard eingeschlagen und wertvollen Schmuck gestohlen.

Es war ein Überfall wie aus einem Krimi: Mit einem Vorschlaghammer zertrümmerten Diebe die Eingangstür zu einem Edeljuwelier in München und flohen mit der Beute. Die Polizei hatte vorher Hinweise auf den Raub, konnte die Täter aber nicht stoppen.

Von Susi Wimmer

Hätte der spektakuläre Überfall auf den Juwelier Chopard an der Maximilianstraße vergangene Woche verhindert werden können? Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hatte die Polizei im Vorfeld einen heißen Tipp bekommen und war den späteren Räubern einen Tag vor der Tat dicht auf den Fersen. Fünf Maskierte hatten am helllichten Vormittag mit Axt und Vorschlaghammer Eingangstüre und Vitrinen des Luxusladens zertrümmert und waren mit Uhren und Schmuck im Wert von mehr als 800 000 Euro geflohen. Die Polizei konnte vier Räuber und zwei Drahtzieher nach dem Überfall festnehmen.

Es soll ein Tipp aus Tschechien gewesen sein, der an das Bundeskriminalamt in Wiesbaden ging. In München sei ein Raub auf einen Juwelier geplant, die Bande werde ein Auto anmieten. Tatsächlich wusste die Polizei, dass sich die späteren Täter bei einer Firma am Münchner Flughafen ein Auto gemietet hatten. Demzufolge müssen die Ermittler auch eine Adresse oder einen Namen gehabt haben, die beim Anmieten des Autos angegeben worden waren. Die Täter im Vorfeld zu stoppen, gelang allerdings nicht.

So tauchten fünf Vermummte vergangenen Mittwoch gegen 11 Uhr vor der Chopard-Filiale an der Maximilianstraße auf. Einer schlug mit einer Axt die versperrte Eingangstüre ein, innerhalb von wenigen Minuten zertrümmerten die Täter die Vitrinen im Geschäft und räumten Uhren und Schmuck in einen Rucksack. Auf der Flucht wurden sie von Passanten und einem Sicherheitsmann verfolgt, schließlich konnte mit Hilfe der beherzten Bürger die Polizei vier der Täter festnehmen.

Das Schild zum Juweliergeschäft 'Chopard' in der Maximilianstraße.

(Foto: Robert Haas)

Doch keine Verbindung zur Pink-Panther-Bande

Im Rahmen der Großfahndung wurde die Polizei auch auf einen dunklen BMW aufmerksam, der in Tatortnähe am Altstadtring im Halteverbot stand: Es war der Mietwagen, dessen Kennzeichen die Kripo tags zuvor ermittelt hatte. Offenbar sollte der Wagen als Anlaufpunkt dienen, um die Beute - und eventuell auch einen Teil der Räuber - in Sicherheit zu bringen. Irgendwann setzte sich das Auto in Bewegung, vielleicht weil der Fahrer Lunte gerochen hatte, an einer roten Ampel am Isartor griff die Polizei zu und nahm zwei Serben im Alter von 27 und 32 Jahren fest. Sie gelten als Drahtzieher des Überfalls. An der Wohnadresse, die im Navi des Mietwagens eingegeben war, stieß die Polizei auf einen 25-jährigen Serben, auch er wurde verhaftet.

In einer Pressekonferenz nach dem Überfall erklärte Kriminaldirektor Clemens Merkl, der Modus operandi der Täter lasse darauf schließen, dass sie der international agierenden Bande Pink Panthers angehören. Zum einen überfallen diese Täter Juweliere, gehen mit Brachialgewalt vor, sind in Sekundenschnelle fertig und schlagen oft um die Mittagszeit zu. "Da scheut man nicht das Licht", sagte Merkl.

Die Staatsanwaltschaft ist nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei allerdings nicht der Meinung, dass die Verhafteten der Pink-Panther-Bande angehören könnten. "Bislang ist diese Bande hoch spezialisiert vorgegangen, und nicht so dilettantisch wie bei dem Überfall in München", meinte Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Auch das Alter der Täter, sie sollen zwischen 14 und 16 Jahre alt sein, spreche nicht für die Pink-Panther-Bande.

Die insgesamt sieben verhafteten Männer und Jugendlichen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Vier von ihnen wird schwerer Raub vorgeworfen, den anderen drei eine Mittäterschaft. Dem fünften Räuber gelang die Flucht. Ob er einen Teil der Beute bei sich hatte, ist noch nicht sicher.