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Theatergemeinde München:Für Neues werben

Doch über die Jahrzehnte wurden, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, aus den Kulturermunterungs-Klubs reine Verteilstellen für vergünstigte Eintrittskarten, die den Mitgliedern vorbehalten waren. Wobei sich allein an der Zahl von 25.000 "Teilnehmern" in München, so nennt Sibylle Steinkohl den Kreis der Interessenten, die Bedeutung des Vereins für das kulturelle Leben ablesen lässt: 25.000 sozusagen verbriefte theater-, oper- und konzertaffine Bürger, das ist beachtlich.

Um das Potenzial besser auszuschöpfen und neue Mitglieder zu gewinnen, muss der Verein nach Ansicht des Geschäftsführers das Image des aufgeblähten Billettschalters loswerden. Es gehe weg von dem alten Bild "Wir verteilen Tickets" hin zu der Idee "Wir machen Euch Lust auf Kultur", sagt Grill.

Die Auffrischung betrifft das neue Logo, eine stilisierte Eintrittskarte mit Zackenrand in Signalrot, die an die Stelle eines altertümlichen Signets getreten ist. Grill hat außerdem das Monatsprogramm gefälliger und im Format schlanker gestaltet. Es soll neugierig machen auf Konzerte, Theater- und Opernaufführungen, für die die Theatergemeinde ein festes Kontingent an Karten abnimmt und ihren Mitgliedern ermäßigt ohne weitere Gebühren weiterverkauft.

Zusätzlich wird neuerdings im Wochenrhythmus eine Vorschau per Mail versandt - und im Anschreiben wollen Grill und Steinkohl bewusst auch für Neues werben: Für weniger eingängige, ernste Kost wie Martin Kusejs Inszenierung von "In Agonie" am Residenztheater zum Beispiel, oder für ungewohnte Spielstätten wie die Reithalle. "Wir wollen Berührungsängste abbauen", sagt Grill, der für die Wirtschaftszahlen des Vereins zuständig ist, dessen Gewinn nur gemeinnützigen Zwecken dienen darf.

"In der selben Lage wie viele Bühnen"

Zu bieder, verzopft, das seien die Vorbehalte jüngerer Leute, um die Grills neue "TheaGe" verstärkt werben will. Er hält dagegen: Der Verein sei ein Münchner "Karten- und Kulturservice", der mit den Empfehlungen des Monats- und Wochenprogramms Überblick verschaffe im riesigen Kulturangebot der Stadt und gerade Berufstätigen zeitsparend Karten verschaffe.

Durch Gemeinnützigkeit und "Bildungsauftrag" unterscheide man sich von rein gewinnorientierten Anbietern wie München Ticket. Ob die Frischzellenkur gelingt, ob mehr Junge an Bord geholt werden können und mehr Ältere den Besuch unkonventioneller Inszenierungen ausprobieren - Grill wagt keine Prognose. "Im Grunde sind wir in der selben Lage wie viele Bühnen. Auch dort geht es um Verjüngung und die Frage, wie sie gelingt."

Für Sibylle Steinkohl sind die besten Momente die, wenn ihr eine Ermunterung zum Experiment geglückt ist. So war das bei "Gift", als ihr ein älteres Theatergemeinde-Mitglied bei einem Treffen erzählte: "Ich bin da nur wegen Ihnen rein. Und es war wunderbar."