Kammerspiel im Käfig - "Die schmutzigen Hände" im Cuvilliéstheater

Keinen Funken Hoffnung, keinen Hauch von Gefühl - in Martin Kušejs Inszenierung von Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" im Cuvillliéstheater gibt es gar nichts, woran man sich halten könnte. Nur die blanken, metallenen Gitterstäbe eines Doppelkäfigs, der die ganze Bühne einnimmt. Darin spielt sich dann auch die gesamte Handlung ab: Der zum Kommunisten konvertierte Bürgersohn Hugo soll im Auftrag seiner Partei den Funktionär Hoederer töten. Denn dieser verstößt gegen die Parteidoktrin, indem er, um weiteres Blutvergießen zu verhinden, mit den verhassten Faschisten und Liberal-Nationalen koalieren will.

Eine Gewissensprüfung für den jungen Intellektuellen Hugo (Christian Erdt): Bei Martin Kušej wird sie zum funktionalistisch-kalten Kammerspiel über die Raubtiernatur des Menschen. Trotz mitunter beeindruckender Einzelleistungen der Schauspieler, etwa der witzigen und äußerst präsenten Lisa Wagner als Ehefrau Hugos, wirkt das Ganze manchmal allzu blutleer abgespult. Und auch wenn Sartres Textvorlage hoch-politisch ist: Den Anspruch eines neuen politischen Theaters, das dem gesamten Kulturbetrieb ein Beispiel geben kann, wie es der Regisseur und Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels zu Beginn der neuen Spielzeit gefordert hatte, sehen die meisten Kritiker bei Kušej nicht eingelöst.

Nächste Aufführungen im Cuvilliéstheater: Freitag, 28. Oktober 2016, 19:30, Mittwoch, 30. November 2016, 19.30

Bild: Julian Baumann 28. Oktober 2016, 17:492016-10-28 17:49:29 © SZ.de/ebri