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"Stromberg"-Held Christoph Maria Herbst:Rettungsring im seichten Gewässer

Als Büro-Ekel Stromberg treibt er das Fremdschämen im Fernsehen auf die Spitze, doch Christoph Maria Herbst hat noch andere Talente: Jetzt kommt er mit seinem ersten Buch nach München - darin hat er die Erlebnisse an Bord des ZDF-"Traumschiffs" verarbeitet. Ein Gespräch über geschwärzte Passagen und autobiographische Mystery-Thriller.

Als Büro-Ekel Stromberg ("mein Life-Time-Gift") treibt er das Fremdschämen im Fernsehen auf die Spitze. Doch Christoph Maria Herbst hat noch andere Talente: Derzeit tourt der preisgekrönte Schauspieler, Jahrgang 1966, durch Deutschland, um aus seinem ersten Buch zu lesen: In "Ein Traum von einem Schiff" hat Herbst die Erlebnisse an Bord des ZDF-"Traumschiffs" verarbeitet, das er auch als "schwimmende Schwarzwaldklinik" bezeichnet. Der geborene Wuppertaler tritt am kommenden Freitag um 19.30 Uhr in der Freiheizhalle auf.

Christoph Maria Herbst Bernd Stromberg Crowdfunding Film

Was wäre wohl daraus geworden, hätte Thomas Mann einen E-Mail-Roman geschrieben - ein echter Christoph Maria Herbst. Der jedenfalls scheut sich nicht, ihn als Vorbild für seine satirischen "Traumschiff"-Auslassungen zu nennen.

(Foto: dapd)

Wie und wann ist die Idee entstanden, dass Sie dem TV-Engagement Anfang 2010 ein Buch folgen lassen?

Es war tatsächlich so, dass ich an Bord feststellte: Fünf Drehtage in sechs Wochen sind nicht gerade ein Vollzeitjob. Irgendwann hatte ich jedes Buch gelesen und jede DVD geguckt, die ich dabei hatte. Und ich fragte mich: Wohin mit meiner Energie? Künstlerisch fühlte ich mich auch nicht gerade überfordert, also fing ich an, meinen Freunden und meiner Familie E-Mails zu schreiben, was ich alles so erlebe und an Bord beobachte. Die Reaktionen waren immer dieselben: Dass meine Freunde Pipi in den Augen hatten und gesagt haben: Mensch, das ist ja köstlich!

Wie wurde daraus ein Buch?

Die Menge, die ich geschrieben hatte, reichte natürlich nicht für ein Buch. Also habe ich mich danach - ganz dem Klischee entsprechend - auf eine einsame Insel zurückgezogen und den Rest für ein Buch dieser Größenordnung fiktional zusammengeschrieben.

Die beschriebenen Erlebnisse sind also mehr Fiktion als Realität?

Das Ganze heißt bewusst: eine Art Roman. Ich bin ja nicht als Peter Scholl-Latour da hingefahren. Wenn ich 1:1 geschrieben hätte, was ich auf dem Schiff erlebt hatte - und nicht 1:2 oder 1:10, wie ich es mache -, dann hätte ich einfach nur für einen großen Kollektivschlaf gesorgt. Ich wollte die Leute ja belustigen. Natürlich ist das kein Schlüsselroman. Ich habe einen ganz eigenen Ensemble-Kosmos aufgebaut. Was aber stimmt: Alle Figuren sind mir auf die eine oder andere Weise in meiner Karriere schon mal untergekommen. Wenn Sie so wollen, ist das Buch eine große Allegorie auf die Branche, auf die ich draufgucke.

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