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Streik der Erzieherinnen:Streiten, fordern, drohen

  • Thomas Böhle, Personalreferent der Stadt und Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber, ruft die Gewerkschaft Verdi dazu auf, den schon fast drei Wochen andauernden Ausstand zu beenden.
  • Seit 11. Mai sind knapp zwei Drittel der städtischen Kindertagesstätten in München geschlossen.
  • Die Gewerkschaft Verdi aber will am Ausstand festhalten, so dass der Streik auch in der zweiten Ferienwoche ohne Unterbrechung weiter geht.

Obwohl die kommunalen Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi in der kommenden Woche ihre Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst wieder aufnehmen wollen, wird in München weiter gestreikt. Nun fordert Thomas Böhle, Personalreferent der Stadt und Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber, Verdi auf, den schon fast drei Wochen andauernden Ausstand in den Kindertagesstätten und Sozialdiensten zu beenden. "Die Fortsetzung der Streiks wird die Verhandlungen nicht befördern, sondern eher belasten", sagte Böhle.

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Unverständlich sei für ihn zudem, dass in München, wo deutschlandweit die höchsten Gehälter für Erzieher gezahlt würden, die Arbeitsniederlegung am intensivsten durchgezogen würden. Die Gewerkschaft Verdi aber will am Ausstand festhalten. "Der Streik geht ohne Unterbrechung auch in der zweiten Ferienwoche weiter. Und zwar so lange, bis wir ein annehmbares Ergebnis haben", sagt Heinrich Birner, Verdi-Geschäftsführer für München und die Region.

1000 Härtefällplätze gibt es während des Ausstandes

Seit 11. Mai sind knapp zwei Drittel der städtischen Kindertagesstätten in München geschlossen. Für Notfälle hat das Bildungsreferat 1000 Härtefallplätze zur Verfügung gestellt, die nach Auskunft einer Sprecherin derzeit fast alle besetzt sind. Nur in Einzelfällen würden Plätze frei und könnten nachbesetzt werden. Die meisten Kinder müssen also privat betreut werden. Viele Eltern wenden sich deshalb verzweifelt an die Elternberatungsstelle des Bildungsreferats. Alle Mitarbeiter seien im Telefondienst tätig. Daher müsse die persönliche Einzelberatung ausfallen. Von der kommenden Woche an solle es ein wöchentliches Krisengespräch mit Elternvertretern geben, um die Familien besser zu informieren.

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Wenn Erzieher und Kinderpfleger streiken, müssen sich viele Eltern eine alternative Betreuung organisieren. Trotz des Stresses zeigen sie Verständnis für den Ausstand, nicht aber für die Arbeitgeber.

Auch das Sozialreferat ist von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Dort trifft der Ausstand vor allem die Sozialbürgerhäuser, in denen täglich bis zu 60 Mitarbeiter streiken. Nach Angaben des Sozialreferats kommt es zu keinen Einschränkungen bei den Öffnungszeiten. Allerdings sind zwei der fünf Tageskindertreffs geschlossen, bei einem weiteren gibt es Einschränkungen im Betrieb. Von den 17 Erzieherinnen beteiligten sich sechs am Streik. Um die Leitstelle im Jugendamt weiter besetzen zu können, habe man Personal aus anderen Abteilungen abziehen müssen, sagte ein Pressesprecher.

Nach Angaben von Böhle sollen die Tarifverhandlungen von kommenden Montag, 1. Juni, an in Berlin wieder aufgenommen werden. Verdi fordert eine generelle Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst; im Schnitt sollen Erzieher, Kinderpfleger, Sozialpädagogen und Heilpädagogen zehn Prozent mehr Gehalt bekommen. Die Arbeitgeber halten das für unbezahlbar, haben aber Verbesserungen für die Beschäftigten in Aussicht gestellt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir nächste Woche zu einem für beide Seiten guten Ergebnis kommen werden", sagte Böhle. Birner hingegen erklärte, dass das Angebot eine Zumutung und keine Aufwertung sei.

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