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Straßenbahn:Poker um die Tram

Busverkehr durch den Englischen Garten in München, 2017

Momentan kreuzen im Englischen Garten noch Busse die Wege von Radlern und Fußgängern - vor allem im Sommer, wenn viel los ist.

(Foto: Florian Peljak)

Grundsatzbeschluss für den Bau der Trasse durch den Englischen Garten ist vertagt

Die Tram durch den Englischen Garten dreht eine Warteschleife. Nach emotionaler Debatte vertagte der Stadtrat den Grundsatzbeschluss für den Bau der Trasse auf Januar. Dabei zeichnete sich ab, dass viele Fraktionen mit ihrer Position noch pokern. Die Parktram-Gegner von der CSU waren selbst davon ausgegangen, dass sie in der Vollversammlung niedergestimmt würden. Da nun aber Markus Söder bald Ministerpräsident sein wird und nicht mehr der Tram-Befürworter Horst Seehofer, keimte neue Hoffnung auf. Allerdings nur kurz: Söder erklärte, er werde unliebsame Kabinettsbeschlüsse aus der Seehofer-Ära nicht einkassieren. "Pacta sunt servanda", sagte er. Gleichwohl stellte die CSU im Stadtrat Antrag auf Vertagung. Da gibt es nämlich noch andere Varianten, bei denen mehr rausspringen könnte als eine ehrenhafte Niederlage.

Die Mehrheit aus SPD, Grünen und einigen kleineren Gruppen klang am Mittwoch nicht mehr so stabil, wie es allgemein angenommen wurde. Die ÖDP etwa will nur für die Parktram stimmen, wenn diese Linie auch die Münchner Freiheit anbindet. Das ist bisher nicht geplant. Da FDP und Bayernpartei die Trasse sicher ablehnen, könnte das Projekt noch kippen. Wenn der Stadtrat die Parktram ablehnt, läuft auch der Kabinettsbeschluss dafür ins Leere. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Tram-Befürworter eine labile Mehrheit hinbekommen. Doch auch das würde die Trasse schwächen. Sollten jedoch einige CSU-Stadträte in dem Wissen, dass sie ohnehin verlieren werden, die Seiten wechseln und für eine breite Zustimmung sorgen, könnte der SPD das etwas wert sein. Das Spiel ist eröffnet.

© SZ vom 14.12.2017 / heff
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